Wirtschaft : Die Folgen der Kursturbulenzen: Fonds-Anleger auf der Suche nach Substanz

Bernd Hops

Die Kursturbulenzen der vergangenen Monate haben Spuren hinterlassen. Nicht nur die Aktien in den Depots haben gelitten, sondern auch das Vertrauen der Anleger in die Versprechungen von Börsenneulingen. Verlangt wird jetzt mehr Sicherheit. Dies merken auch die großen Fondsgesellschaften, die deshalb auf die Bedenken mit ihren neu aufgelegten Investmentfonds teilweise eingehen. "Value"- oder Substanzwerte werden bevorzugt. Gleichzeitig werden Branchen- und Dachfonds immer beliebter. Die Ausgabeaufschläge liegen meistens bei etwa vier Prozent. Verstärkt nachgefragt werden allerdings nach Aussage der Fondsgesellschaften Produkte ohne Ausgabeaufschlag, die jedoch eine höhere jährliche Verwaltungsgebühr verlangen.

Bei der Activest, der Investmenttochter der HypoVereinsbank, können Anleger bis zum 27. März den "Lux Conti Star Control" zeichnen. Dieser geschlossene Fonds läuft bis zum 31. März 2006. Er hat einen Risikopuffer gegen Kursverluste von bis zu 25 Prozent, das heißt der Anleger bekommt zum Laufzeitende bis zu dieser Grenze sein Geld zu 100 Prozent zurück. Dafür verzichtet der Kunde auf einen Teil der potenziellen Gewinne. Der Anlageschwerpunkt liegt auf kontinentaleuropäischen Blue-Chips mit einer hohen Dividendenrendite. Ein entsprechendes - allerdings offenes - Produkt gibt es auch bei der Commerzbank-Tochter Adig. Die setzt bei ihrem "European Value Equity" (Wertpapierkennnummer 591982) ebenfalls auf europäische Substanzwerte.

Activest bietet seit Februar unter dem Namen "Lux Global Choice" mehrere Dachfonds an, die weltweit investieren. Dachfonds halten keine eigenen Aktienpositionen, sondern beteiligen sich an anderen Investmentfonds. Dadurch wird das Risiko minimiert, und Spekulationsgewinne innerhalb des Fonds sind steuerfrei. Ein ähnliches Produkt bietet auch die Adig mit dem "Best-in-One World" (WKN 978700) seit Januar an. Die Adig-Manager investieren in Länder- und Branchenfonds, die auch von anderen Fondsgesellschaften geführt werden.

Trend zur privaten Vorsorge

Eine andere Art von Absicherung bietet die Postbank mit ihrem Mischfonds "Global Opti Mix" (WKN 701986), bei dem das Management sowohl in Rentenpapiere als auch Aktien investieren kann. Das Verhältnis der Anlagearten schwankt, je nachdem welche Papiere den größten Gewinn versprechen. Langfristig sind zwar Aktien das gewinnträchtigere Investment, doch bei schlechten Börsenzeiten lohnt es sich, auf eine Alternative zurückgreifen zu können. Die Zeichnungsfrist für den Fonds endet am 21. April. Den Trend zur privaten Rentenvorsorge will die Postbank mit "Rente Invest" nutzen: ein Fonds-Sparplan, bei dem zwischen einer konservativen bis dynamischen Strategie gewählt werden kann. Der Anteil von Aktien gegenüber Renten ist je nach Ausrichtung niedriger oder höher. Nach dem Ende einer vereinbarten Laufzeit wird eine lebenslange Rente ausgezahlt - mindestens für 15 Jahre.

Auf die gestiegene Nachfrage nach Branchen- und Themenfonds reagiert die DWS, die Investmenttochter der Deutschen Bank, mit dem "Life Trend Select 24" (WKN 564975). Als Dachfonds investiert er wiederum weltweit in Fonds, die sich auf Unternehmen aus den Branchen Informationstechnologie, Gesundheit und Lifestyle spezialisiert haben. Einen etwas anderen Schwerpunkt legt Deka, die Fondsgesellschaft der Sparkassen, bei ihrem Produkt "Life Style" (WKN 515272 / 3). Dort wird direkt vor allem in europäische und amerikanische Unternehmen aus den Branchen Unterhaltung, Freizeit und Konsum investiert. Gegen den Trend zu umfassenden Fonds hat die Dresdner-Bank-Tochter DIT im vergangenen Februar den internationalen "Medienfonds" (WKN 591319) aufgelegt. Die stark gefallenen Bewertungen seien eine gute Gelegenheit zum Einstieg, heißt es beim DIT.

Einen speziellen Fonds für ein ruhiges Gewissen bietet die Investmentgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Union Investment verkauft seit dem 1. März jeweils einen Aktien- und einen Rentenfonds, deren Zusammensetzung in Kooperation mit den Banken für Kirche, Caritas und Diakonie festgelegt wurde. Der "KCD-Union-Aktien" (WKN 532653) und der "KCD-Union-Renten" (WKN 532652) investieren nur in Unternehmen (und ihre Anleihen), die nachhaltig wirtschaften und gesellschaftliche Verantwortung zeigen. Der regionale Schwerpunkt liegt auf den USA, Großbritannien und Deutschland. Das ethische Bewusstsein, das sie von den Unternehmen einfordern, scheint in diesem Fall auch auf die Fondsgesellschaft abgestrahlt zu haben. Für beide KCD-Fonds wird kein Ausgabeaufschlag und mit derzeit 0,95 Prozent eine unterdurchschnittliche Verwaltungsvergütung erhoben.

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