Wirtschaft : Eine Marke aus Birkenwerder

Francotyp-Postalia ist führend bei Frankiermaschinen – und will nun den liberalisierten Briefmarkt nutzen

Bernd Hops

Birkenwerder - Drei Briefe am Tag mit einer Briefmarke zu bekleben, ist noch einfach. Bei zehn, 100 oder 1000 Briefen wird es schon lästig. Viele Postfirmen weltweit bieten deshalb ihren Kunden an, Briefe per Wertstempel freizumachen. Dafür braucht man spezielle Apparate – die Frankiermaschinen. Brief einlegen, ein kurzes Summen – und das Porto ist auf den Umschlag gedruckt. „34 Prozent unseres Geschäfts machen wir in Deutschland, bei einem Marktanteil von 45 Prozent“, sagt Hans-Christian Hiemenz, Finanzvorstand des Traditionsunternehmens Francotyp-Postalia (siehe Kasten). Der größte Auslandsmarkt für Frankiermaschinen seien die USA – mit fast 1,7 Millionen der weltweit 2,9 Millionen Maschinen. „Neben den USA wächst auch in Großbritannien der Markt für Frankiermaschinen“, sagt der Finanzvorstand. Die Chancen sind groß, dass man selbst in China auf Maschinen stößt, die bei Francotyp-Postalia (FP) in Birkenwerder hergestellt wurden.

Aber auch jenseits der Frankiermaschinen will FP wachsen. Durch die Liberalisierung der Briefmärkte biete sich ein ganz neues Geschäftsfeld bei Dienstleistungen, heißt es. Für die Expansion hat sich FP im November 2006 per Börsengang frisches Geld besorgt. Ein Teil des Erlöses wurde für den Beteiligungserwerb der Freesort GmbH und der Mehrheitsbeteiligung an der iab – internet access GmbH verwendet. „Damit haben wir uns eine starke Position in dem sich öffnenden deutschen Postmarkt geschaffen“, sagt Finanzvorstand Hiemenz.

Das Unternehmen arbeitet profitabel. Im ersten Halbjahr 2007 stieg der Konzernumsatz um 5,1 Prozent auf 75,1 Millionen Euro. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wurden 16,4 Millionen Euro verdient. Für das Gesamtjahr verspricht der Finanzvorstand seinen Aktionären erstmals eine Dividende.

Dem Hauptstandort Birkenwerder hat die Neuorientierung nicht geschadet – selbst die Gründung einer Tochtergesellschaft in Singapur nicht, die Vormontagen von in Asien eingekauften Bauteilen übernimmt. Die Belegschaft in Birkenwerder ist in den vergangenen Jahren leicht gewachsen – von 390 Mitarbeitern im Jahr 2005 auf zurzeit 406, davon zehn Auszubildende. Die Produktionshalle hat 12 000 Quadratmeter Fläche, das Verwaltungsgebäude 40 000 – für beide läuft der Mietvertrag bis 2015. Besonders stolz ist man auf die flexiblen Arbeitszeiten in der Produktion. Von sechs bis 20 Uhr ist die Halle offen. Die Arbeit an den einzelnen Frankiermaschinen-Typen wird von den jeweiligen Mitarbeitern selber organisiert. „Ist das Soll erfüllt, kann schon mal der Hammer fallen“, erzählt einer.

Präzision ist gefragt beim Zusammenbau der grau-blauen Maschinen. „Nichts ist peinlicher, als wenn ein Brief schräg bedruckt wurde“, ist das Motto. Und auch die Postgesellschaften haben große Anforderungen an die Hersteller, bevor sie ihnen erlauben, Maschinen in ihrem Geschäftsgebiet zu verkaufen. Damit alles glattläuft, werden vor der Auslieferung mit jeder Maschine Belastungstests gemacht – und zwar im eigenen Werk.

Das Einsteigermodell, bei dem jeder Brief noch einzeln eingelegt und das jeweilige Porto eingestellt werden muss, kostet 895 Euro. Damit nicht einfach gedruckt, sondern auch bezahlt wird, läuft die Abrechnung über eine Art Blackbox im Gerät. Ist der Geldspeicher leer, kann mittlerweile per Internet wieder aufgeladen werden. Bei großen Maschinen muss der Packen Briefe nur noch eingelegt werden, den Rest übernimmt ein kleines Förderband, eine Waage und ein Messgerät – automatisch wird das richtige Porto wischfest aufgedruckt. So eine Maschine kann schnell 10 000 Euro kosten. Bei den ganz großen Maschinen für massenhafte Sendungen hält sich FP heraus. „Der Markt ist durch die Liberalisierung und die neuen Freimachungsarten stark unter Druck geraten“, sagt Finanzvorstand Hiemenz. „Wir haben uns frühzeitig auf die kleineren Frankiermaschinen konzentriert.“

FP ist mit einem Weltmarktanteil von nach eigenen Angaben neun Prozent der drittgrößte Anbieter von Frankiermaschinen. „Wir wollen unser renditestarkes Mietgeschäft vor allem in den USA, Großbritannien und den Niederlanden ausbauen“, sagt Hiemenz.

Weiteres Wachstum soll aus den Briefdiensten kommen. Hier profitiert FP von der Liberalisierung des deutschen Marktes – etwa beim Einsammeln und Konsolidieren von Briefen, wie es die Tochter Freesort tut. Für diese Dienstleistung werden Rabatte bei der Deutschen Post eingenommen. Mittlerweile gehen monatlich mehr als sechs Millionen Briefe durch die Hände von Freesort, sagt Hiemenz. „Das wird in den nächsten zwei, drei Jahren dynamisch mehr“, ist der Vorstand sich sicher. Sein Ziel: 25 Prozent Marktanteile bei einem geschätzten Marktvolumen von 100 Millionen Euro.

Eine Komplettlösung für Unternehmen bietet die FP Tochter iab mit der Hybrid-Mail an. Der Kunde erzeugt auf seinem eigenen Rechner den Brief, aber anstatt ihn selbst am Schreibtisch weiterzubearbeiten, überlässt er die Daten der iab. Am Standort Adlershof werden aus den Daten dann Briefsendungen gemacht. „Die Zahl der nötigen Drucker wird geringer, die Wege werden kürzer“, sagt Hiemenz. Kunden seien unter anderen die Berliner Unternehmen Gasag und Vattenfall. Und die aktuelle Umweltdiskussion bringe mit Sicherheit einen Schub fürs Geschäft, sagt Hiemenz.

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