Wirtschaft : Im milden Winter sinkt der Ölpreis

Heizöl ist in Deutschland so günstig wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Auch Benzin könnte billiger werden

Bernd Hops

Berlin - Erdöl ist zum Jahresbeginn deutlich billiger geworden. Am Freitag kostete ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl rund 56,2 Dollar – etwa zehn Prozent weniger als am Donnerstag. Ursache ist vor allem das milde Winterwetter in den großen Verbraucherländern Europas und Nordamerikas, das zu hohen Lagerbeständen und einer niedrigeren Nachfrage geführt hat. In Deutschland liege der Heizölpreis deshalb auf dem niedrigsten Niveau seit eineinhalb Jahren, sagte Helmut Buchmann vom Fachdienst Oil Market Report (OMR) dem Tagesspiegel.

Auch die Autofahrer profitieren – und können sich Hoffnungen auf sinkende Preise an den Tankstellen machen. Alleine von Donnerstag auf Freitag sank die Notierung für Superbenzin am Rotterdamer Produktemarkt um fast zehn Dollar auf 513 Dollar. „Wenn die Einkaufskosten weiter zurückgehen, dann ist auch die Chance auf weiter sinkende Preise an den Tankstellen gegeben“, sagte Barbara Meyer-Bukow, Sprecherin des Branchenverbands MWV. „Und ich sehe im Moment nichts, was den Trend stören könnte.“

Zum Jahreswechsel war der Literpreis für Superbenzin wegen der höheren Mehrwertsteuer und wegen der Beimischungspflicht von Biokraftstoff um sechs bis sieben Euro-Cent gestiegen. Seitdem gab es nach Branchenschätzungen wieder einen Rückgang von zwei bis drei Cent wegen der günstigeren Einkaufspreise.

Die US-Energiebehörde hatte am Donnerstag ihren wöchentlichen Ölmarktbericht veröffentlicht. Demnach sind die Rohölvorräte in den USA zwar etwas zurückgegangen, liegen aber noch deutlich über dem sonst für diese Jahreszeit üblichen Niveau. Gleichzeitig sind die Vorräte an Benzin und Heizöl spürbar gestiegen. Daraufhin bröckelten am New Yorker Terminmarkt die Notierungen für Ölkontrakte.

OMR-Experte Buchmann sieht jedoch nur eine geringe Chance, dass der Preisrückgang noch sehr viel weiter gehen wird. Mitte November habe sich Öl schon einmal auf etwa 55 Dollar verbilligt, woraufhin die Preise wieder angezogen hätten. Sobald es jetzt in den USA Zeichen geben werde, die auf ein Ende des milden Wetters schließen ließen, könne es schnell wieder um fünf bis sieben Dollar je Barrel nach oben gehen.

Es komme auch darauf an, wie sich die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) verhält, sagte Buchmann. Das Kartell, das für etwa 40 Prozent der weltweiten Ölförderung steht, hat Kürzungen der Produktion in zwei Schritten beschlossen, um einen zu schnellen Verfall des Ölpreises zu verhindern. Von der ersten Kürzung seien aber bislang nur 40 Prozent umgesetzt worden, sagte der Ölexperte. Der Grund liege in der Konkurrenz zwischen den einzelnen Opec-Mitgliedern. Deshalb sehe man an den Märkten dem zweiten Einschnitt, der ab Mitte Februar erfolgen soll, bisher gelassen entgegen.

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