Altbausanierung : Schultherapie, natürlich

Ein Bau in Pankow ist das Vorzeigeobjekt des Arbeitskreises Altbauerneuerung. Die Fachleute helfen auch privaten Bauherren.

Kerstin Heidecke

Bis zum Jahr 2012 ist sie ausgebucht, die neue Montessori-Grundschule in Pankow. Und das liegt ganz sicher nicht nur am Lehrkonzept. Denn in dem denkmalgeschützten Backsteinbau an der Hadlichstraße 2 ist auf spezielle Weise etwas ganz Spezielles entstanden. Die ersten 30 Kinder haben schon ihre ersten Schultage in dem frisch sanierten Viergeschosser hinter sich. Sie dürfen sich nicht nur an der farbenfrohen Einrichtung erfreuen – an manchen Stellen können sie auch sehen, wie aus dem vor mehr als 100 Jahren gebauten Pfarrhaus ein zeitgemäßes Gebäude entstanden ist. So sind in dem heute gelb- und mintfarben gestrichenen Flur auf einem kleinen Quadrat die alten Originalanstriche freigelegt: So sah's hier also mal aus.

Aber auch interessierte Bauherren und Fachleute konnten sich schon beim Tag der offenen Tür über das Konzept der nachhaltigen Altbausanierung informieren. Laien und Experten für dieses Konzept zu begeistern ist eines der großen Ziele von Ulrich Zink, dem Vorstandsvorsitzenden des Bundesarbeitskreises Altbauerneuerung (Baka). Der Verband ist einer der Partner, die die aufwändige Sanierung des Baudenkmals möglich gemacht haben. Gemeinsam mit dem Träger der Schule, der „Karuna Zukunft für Kinder und Jugendliche in Not e.V.“ und anderen Spendern hat er einen Großteil der nötigen 1,2 Millionen Euro für Finanzierung des Projektes zusammengetragen. Auch bei seinen rund 170 Mitgliedern, darunter etliche Baufachfirmen, Unternehmen und Verbände, hat der Baka um Sponsoren geworben.

Aber nicht nur Kinder sollen hier etwas lernen. Die Ausbildung von „Immobilien-Therapeuten“ ist Ulrich Zinks Anliegen. Deshalb führt er Experten gern durch das Objekt. Das Berufsbild des Bauwerk-Heilers hat er gewissermaßen erfunden. Worum es ihm geht: Fachleute, die Bauen im Bestand sozusagen mit Hilfe „ganzheitlicher Medizin“ angehen, statt nur preiswert und schnell zu sanieren. Das heißt, der Altbau soll mit möglichst viel nachwachsenden Rohstoffen wie Holz modernisiert werden und nach dem Umbau mit einer vorbildlichen Energiebilanz punkten. Das alles unter Einsatz neuester Baumaterialien und Techniken. Wie das geht, hat der Baka nicht nur mit der Montessori-Grundschule, sondern in diesem Jahr auch an zwei weiteren Berliner Objekten gezeigt; einer Doppelhaushälfte im Sonnenwalder Weg und einem Dreifamilienhaus im Ambossweg.

Am Anfang steht dabei die gründliche Analyse. Der Verband bietet Gebäudediagnosen als Basis für eine nachhaltige Sanierung. Idi-al. heißt die Methode, die der Baka mit dem Bundesbauministerium entwickelt hat, und steht für „intelligente Diagnose-Informationsmethode Altbau“. Und hier kommt der Immobilien-Therapeut ins Spiel, der eigentlich ein Baka-Gutachter ist. Um einer zu werden, braucht's einen akademischen Abschluss, etwa als Architekt oder Bauingenieur, fünf Jahre Berufserfahrung, zwei bis drei sanierte Referenzobjekte und einen zweitägigen Baka-Workshop.

Wer überlegt, ein altes Haus zu erwerben, muss also nicht die Katze im Sack kaufen. Bevor Bauherren für eine meist sechsstellige Summe zugreifen, können sie einen Gutachter des Arbeitskreises beauftragen. 450 Euro müssen sie ausgeben, wenn es um ein Ein- bis Zweifamilienhaus geht. Dafür analysiert der Gutachter mit welchen Risiken und Chancen ein bestehendes Gebäude saniert werden kann. Er checkt Stärken und Schwächen des Objektes wie Bauzustand, eventuelle Schadstoffe oder Schwamm, aber auch Lage, Umfeld, Architektur und energetischen Zustand. Mit dem Stärken-Schwächen-Profil hat der Interessent eine klare Aussage, ob sich die Investition in den Altbau lohnt, ob ein Abriss sinnvoller ist oder ob man besser ganz die Hände von dem Objekt lässt.

„Unser Ziel ist es, nachhaltigen, energetischen Denkmalschutz mit zeitgemäßer Nutzbarkeit zu verbinden“, so Zink. Damit möglichst viele Baufachleute mitziehen, nutzt der Baka die Noch-Baustelle Hadlichstraße 2 als Trainingszentrum. Und so kommen Architekten und Sachverständige aus der ganzen Republik, um zu sehen, welche Lösungen der Baka für platzsparende Fußbodenheizungen oder eine intelligente Belüftung hat, und wie man bei einem Dachausbau die maximale Nutzfläche erzielt.

Für die Bauherren des Sonnenwalder Wegs, einem der diesjährigen Baka-Objekte, hat sich die Analyse gelohnt. Als die Eheleute die fast 70 Jahre alte Doppelhaushälfte auf dem schönen Grundstück in Heiligensee kauften, wussten sie, dass die Grundsubstanz des eher nach „Bruchbude“ aussehenden Objektes gut war. In Zusammenarbeit mit Baka-Beratern und -Mitgliedsfirmen wurde aus dem Altbau ein Modellprojekt „Klimaschutz pur“. Das Haus wurde entkernt – nur Außenwände, Decken- und Dachbalken blieben. Dank Dämmung, Feuchtigkeitssperren, Spezialfenstern, Türen und Erdwärmepumpe können 93 Prozent des einstigen Energiebedarfs gespart werden, der Verbrauch sank von einst 32 auf 1,8 Liter pro Quadratmeter. Auf der Skala der Deutschen Energie-Agentur ist das eine Verbesserung von Stufe H nach A. Damit landet der Altbau im Passivhaus-Bereich.

Auch in der Hadlichstraße 2 hat sich nach dem Umbau die Energiebilanz verbessert. Hausschwamm und Schimmel sind Baufachleute erfolgreich zu Leibe gerückt. So können die Hortkinder, die in einem der Zimmer auf blauen Kuschelmatten liegen, entspannt per CD den Abenteuern des Kleinen Vampirs lauschen und die Grundschulmädchen nebenan mit ihrer Erzieherin Kekse backen.

Bundesarbeitskreis im Internet: www.altbauerneuerung

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