Immobilien : Andalusische Oasen

Die Gartenanlagen im südlichen Spanien beeindrucken durch das harmonische Zusammenspiel von Wasser und Pflanzen (Teil 1)

Waltraud Hennig-Krebs

Orangenbäume mit prallen Früchten säumen die Gassen, prächtig blühende Oleandersträucher wachsen an Autobahnen, an schneeweißen Mauern ranken sich die leuchtenden Hochblätter der Bougainvillea empor. Dazu das leise Plätschern von Wasser, das aus reich mit Pflanzen geschmückten Innenhöfen dringt. Granada, Cordoba, Sevilla – das ist ein Stück südliches Andalusien, das mehr zu bieten hat, als Feriengetümmel am Strand. Hier fühlt man hautnah die Passion der Andalusier für ihre Gärten.

Dieses südspanische Städtedreieck besitzt die ältesten Gartenanlagen Europas: Granada ist stolz auf die Alhambra und den Generalife – der Name leitet sich vom arabischen Jinnah al-Arif ab und bedeutet sinngemäß der „Garten des Erhabenen“. Cordoba hat den Patio de los Naranjos, den Orangenhof der Mezquita zu bieten, und in Sevilla lädt der Alcazares Reales zum Besuch ein. Doch neben diesen geschichtsträchtigen Orten gibt es in den drei Städten weitere sehenswerte Gärten, und besonders in Cordoba sind die malerisch gestalteten, pure Lebensfreude versprühenden Innenhöfe wahre Glanzlichter. Die gesammelten Eindrücke waren so vielfältig, dass wir sie in zwei Folgen vorstellen möchten.

Höhepunkt und auch Pflichtprogramm ist der Besuch der Alhambra in Granada, die Anfang des 9. Jahrhunderts als Zitadelle errichtet und im 14. Jahrhundert von Nasriden-Herrschern zur königlichen Residenz umgebaut wurde. Durch die wechselvolle Geschichte Andalusiens kamen im Laufe der Jahrhunderte weitere Paläste, Kasernen und Wohnungen hinzu, die durch unterschiedlich gestaltete Innenhöfe miteinander verbunden sind.

Blütenpracht in alten Gemäuern

Majestätisch thront die Alhambra auf einem Plateau östlich von Granada oberhalb des Darro-Tals. Wenn die Abendsonne die Mauern und Türme in einem rötlichen Licht erstrahlen lässt, wirkt sie besonders eindrucksvoll. Die rote Burg (kula al-hambra) ist zweifellos die Attraktion Granadas.

Wer sich dem Zauber der Maurenfestung mit ihren Gärten still hingeben möchte, ist jedoch schnell ernüchtert. Heerscharen von Besuchern bevölkern in der Saison das Gelände. Die Führungen, die nur einen Bruchteil dessen vermitteln können, was die Alhambra an Kostbarkeiten bietet, erlauben kein ausgiebiges Betrachten. Doch zum Genießen der prachtvoll gestalteten Innenräume der Gebäude und der Gärten benötigt man viel Zeit.

Die maurischen Eroberer brachten nicht nur neue Pflanzen und Früchte wie Dattelpalmen, Pfirsiche, Baumwolle oder den Granatapfel (das Symbol Granadas) ins Land, sondern auch ausgeklügelte Bewässerungstechniken. Und so gehören zur traditionellen maurisch-arabischen Architektur der Innenhöfe (Patios) und Gärten stets Wasserbecken oder Zierbrunnen.

Ein gutes Beispiel für die unterschiedliche Gestaltung bieten die drei Patios in dem zur Alhambra gehörenden Palast der Nasriden, mit dessen Bau 1333 begonnen wurde. Da gibt es den Patio des los Leones (Löwenhof). Die Bepflanzung beschränkt sich ausschließlich auf immergrüne, kugelförmige Gehölze. Denn im Blickpunkt des Innenhofs steht ein prachtvoller Brunnen. Zwölf Löwen speien aus ihren Mäulern Wasser. Schmale Rinnen leiten aus vier in den Boden eingelassenen Becken das Wasser zu diesem zentralen Kunstwerk.

Ohne üppig blühende Pflanzen kommt auch der Patio de los Arrayanes, der Myrtenhof, aus. Auch dieser Innenhof ist im landläufigen Sinne kein Garten. Verweilt man jedoch und betrachtet die Anlage als Ganzes, fasziniert die Harmonie zwischen den gestalterischen Elementen. Das große, lang gestreckte Wasserbecken wird umrahmt von einer dunkelgrünen, akkurat gestutzten, niedrigen Myrtenhecke. An den hellen Begrenzungsmauern leuchten die Früchte der Orangenbäume. Ein zauberhafter Anblick ist es, wenn sich die filigranen Arkaden an der Stirnseite des Beckens im Wasser spiegeln.

Der dritte Innenhof des Nasriden-Palastes, der Patio de Lindaraja, vermittelt sofort den Eindruck eines Refugiums. Er erinnert mit seinem Kreuzgang an einen Klosterhof. Ein Zierbrunnen bildet den Mittelpunkt des Gartens. Und mit der reichen mediterranen Bepflanzung sowie Kräutern, Zypressen und Orangenbäumen wirkt er wie ein gärtnerisches Gesamtkunstwerk.

Doch die schönste Anlage dürfte der so genannte Neue Garten sein, der nach der endgültigen Eingliederung des Generalife in die Alhambra im Jahr 1931 angelegt wurde. Beeindruckend ist die Vielfalt der Pflanzen und vor allem die Farbenpracht, die den Besucher im Mai erwartet: Tamarisken mit ihren kätzchenartigen Trauben, Spiersträucher, Berberitzen, in der Sonne leuchtende Blüten des Rosen-Eibischs, Palmen, Magnolien, Granatapfelbäume, Akazien. Hunderte von blühenden Rosen stehen in dekorativem Kontrast zu den dichten, in Form von Kegeln oder Rundbögen geschnittenen, meterhohen Zypressenwänden. Sie trennen die Wege labyrinthartig voneinander, so dass immer wieder neue Gartenbilder entstehen. Rund 100 Gärtner sind in der Hochsaison für das Wohl der Pflanzen zuständig.

In unmittelbarer Nähe der Alhambra liegt Carmen de los Martires. Der Park entstand Ende des 15. Jahrhunderts neben einer Wallfahrtskirche und einem Karmeliterkloster. Bis 1957 befand sich der Garten in Privatbesitz, dann kam er in staatliche Obhut. Vor einigen Jahren wurde er restauriert. Orangenbäume, meterhohe Palmen, Rosen, Oleander und niedrige Buchsbaumhecken empfangen den Besucher auf dem Vorplatz des Hauptgebäudes. Doch erst im Inneren, hinter dem Eingangstor, entfaltet der Garten sein romantisches Ambiente.

Schatten spendende Refugien

Es ist eine von französischer, englischer und spanischer Gartenkunst inspirierte Anlage. Schmale Wege führen durch das Gelände. Im Kräuter- und Arzneigarten wachsen unter anderem Heiligenkraut, Mangold, Artischocken und natürlich die wohl bekannten Kräuter wie Thymian, Rosmarin, Oregano und Minze. Aber auch meterhohen Acanthus, blühende Calla, kletternde Pfeifenblumen, echte Akazien, Palmen und Agaven sieht man beim Durchstreifen des Gartens. Blauregen windet sich an Gittern und Wänden empor, und Efeu bedeckt die kunstvoll angelegten Felsgänge. Das lange, gemauerte Viadukt, aus dem einst das Leben spendende Wasser kam, ist zwar restauriert, aber nicht mehr in Betrieb. Nahe dem mit Kletterrosen umpflanzten Pavillon aus Bambus im marokkanischen Stil steht der einzige Baum, der noch aus der Klosterzeit stammen soll: Cedro nennt ihn der Volksmund. Er wurde vor gut 400 Jahren von Karmelitern aus Mexiko hierher gebracht. Er ist allerdings keine Zeder, sondern eine ausladende Zypresse. Dieser Baumriese blieb als einziger seiner Art übrig. Die anderen wurden gefällt – wegen des begehrten Holzes für den Gitarrenbau.

Einen grandiosen Blick auf die Alhambra und die Generalife-Gärten bietet der klassische granadinische Garten Carmen de la Victoria. Auf dem Albaicin, einem Hügel gegenüber der Alhambra-Höhe, liegt das Kleinod. Die Mutter des letzten Maurenherrschers Boabdil soll auf dem Gelände einen Garten besessen haben. Der Garten samt Gästehaus gehört zur Universität von Granada. Er wurde hauptsächlich im 18. und 19. Jahrhundert angelegt. Das Schatten spendende grüne Schmuckstück liegt an einem Hang.

Hier gedeihen beispielsweise ein etwa 100 Jahre alter Judasbaum, schöne alte Mispeln, prächtige Atlantische Zedern, ein nicht weniger imposanter Weihrauchwacholder und ein Blauregen, der seinesgleichen sucht. Er hat in den 100 Jahren seines Wachstums einen Teil des hinteren Gartens und eine Begrenzungsmauer in Besitz genommen und diese vor Jahren eingedrückt. Die armdicken, verflochtenen und verknoteten Äste sollen nun durch eine Metallkonstruktion gebändigt werden. Doch die starken Äste mit den herrlichen Blütentrauben suchen sich ihren eigenen Weg. Dieses Urgetüm einer Pflanze steht in krassem Gegensatz zu einem filigran wirkenden, stilisierten Pavillon mit einem Springbrunnen als Mittelpunkt. Die formgebenden, schmalen, hohen Bögen sind kunstvoll geschnittene Zypressen.

Wie vielfältig die Gestaltungsmöglichkeiten mit diesem Gehölz sind, zeigt besonders das Anwesen des granadinischen Malers José Maria Rodriguez-Acosta, der 1941 starb. Sein Haus und der in Terrassen angelegte Garten sind heute eine Stiftung. Die gärtnerische Anlage ist ein Zusammenspiel von Kunst und Natur. Dekorative Elemente, wie weiße Bänke oder Statuen, stehen in den Bögen, die in die meterhohen Hecken aus Zypressen geschnitten wurden. Majestätisch wirkende grüne Arkaden, am Fuß mit Buchsbaum bepflanzt, vermitteln den Eindruck, als stünden die Zypressen in Pflanzenschalen. Grüne, dicke Wände aus feinen Nadeln begrenzen eine schmale Sichtachse, an deren Ende ein Wasserbecken mit Springbrunnen steht. Immer wieder ergeben sich neue Bilder in dem auf unterschiedlichen Ebenen angelegten Garten. Abgerundet wird das grüne Gesamtkunstwerk durch Skulpturen, Säulen und Mauerfragmente, die dem Jugendstil entlehnt sind.

Weitere Informationen: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Kurfürstendamm 68, 10707 Berlin, Telefon: 882 65 43, E-Mail: berlin@tourspain.es.

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