Immobilien : Baden gehen – aus freien Stücken

Pools lassen sich schon ab 1500 Euro in den Garten versenken – wer richtig schwimmen will, muss aber deutlich mehr ausgeben

Veronika Csizi

Das lausige Wetter gibt genügend Zeit für Planung und Einkauf – wer noch in diesem Sommer in seinen eigenen Pool hüpfen will, sollte jetzt loslegen. In vier bis sechs Wochen ist ein komplettes Projekt im eigenen Garten problemlos zu stemmen. Schließlich muss es ja nicht gleich eine tropische Lagune mit Wasserfall und künstlichem Schnorchelriff sein. Auch mit einem kleinen, schlichteren Pool lassen sich Urlaubs-Feeling und Sommerspaß in den eigenen Garten zaubern.

„Trotzdem hält sich hartnäckig das Gerücht, private Pools sind Hollywood, das kann sich keiner leisten“, bedauert Andreas Woelk von der gleichnamigen Berliner Schwimmbecken-Firma. Dabei seien einfache Versionen des heimischen Outdoor-Pools, inklusive Bodenversenkung, Leiter, Filter und Pumpe, schon für 1500 bis 2000 Euro zu haben. Für diesen Preis erhalte man ein rundes Becken mit drei bis fünf Metern Durchmesser, 1,20 Meter Tiefe und Technik, bestätigt auch Michael Göckeritz vom Berliner Schwimmbad-Bauer Atlantic Pool. Wer nicht nur planschen, sondern richtig schwimmen möchte, muss tiefer in die Tasche greifen: Ein Gartenpool mit mindestens acht mal vier Metern Fläche und 1,50 Metern Tiefe, der gemauert oder betoniert sei, koste etwa 15 000 bis 20 000 Euro, sagt Woelk, der in den vergangenen 15 Jahren in Berlin und im norddeutschen Raum insgesamt 900 Pools gebaut hat.

Der Pool-Bauer rät allen Schwimmfans, sich von einem Profi beraten zu lassen. Das erspare Zeit, Ärger und letztlich auch Geld. Natürlich könne das Schwimmbecken samt Technik auch günstig in Baumärkten oder dem Internet gekauft und mit eigener Muskelkraft gebaut werden. Aber: „Wer am Ende wirklich Spaß am Schwimmbecken haben möchte, muss sich sehr gut auskennen“, sagt Woelk. Der Platz im Garten müsse stimmen, das Material passen, die Wasseraufbereitung gut geplant sein, die Pumpe ausreichend Leistung bringen. „Ein Schwimmbadbau ist nichts für einen Hobbybastler“, bestätigt auch der Bundesverband Schwimmbad und Wellness (Bsw). Wer sparen möchte, könne aber mit dem Pool-Bauer einen Anteil Eigenleistung vereinbaren, etwa beim Aushub der Grube.

Vor dem Poolbau will vieles überlegt sein. Welche Form soll das künstliche Gewässer haben? Reicht mir eine größere Sitzpfütze zum Abkühlen oder will ich im Garten Bahnen schwimmen, ein Fitness-Programm absolvieren oder eher Wellness und Anti-Aging betreiben? Runde und achtförmige Becken, weiß Woelk, seien am günstigsten, ovale und vor allem rechteckige teurer, da sie gemauert oder betoniert werden müssten. Auf einem 8-x-4-Becken laste ein Druck von umgerechnet 50 VW-Golfs, es müsse also sehr stabil sein. Allerdings könne man – gegen Aufpreis – auch jede andere gewünschte Form haben. Sehr wichtig sei auch, sagt Göckeritz, der passende Ort im Garten. Unter Bäumen oder im Schatten mache ein Pool weniger Sinn, vor allem, weil das Wasser dann lange allzu frostig bleibe, man zusätzlich zum Schutz vor Verschmutzung eine Abdeckung benötige. Oder: Wer den Pool in die hinterste Ecke eines großen Gartens verlege, erhöhe die Kosten, da er eine potentere Pumpe benötige und mehr Zu- und Ableitungen fürs Wasser verlegt werden müssten. Manche Pool-Bauer erleichtern ihren Kunden die Entscheidung für Becken und Lage durch ein Foto, auf dem am PC der neue Pool in den Garten projiziert wird.

Der Bau selbst kann dann auch ganz schnell gehen. „Vom ersten Gedanken bis zum ersten Reinschubsen“, so Woelk, kann weniger als eine Woche liegen – etwa wenn der Besitzer selbst zum Spaten greift und nur ein kleines Standardbecken wünscht. Für größere, massive Pools müssen rund sechs Wochen eingeplant werden, vor allem, weil der „Rohbau“ längere Trocknungszeiten benötige.

Um Einwände der Bauämter muss sich der private Schwimmbecken-Besitzer nicht sorgen. Denn Becken unter 100 Kubikmetern sind grundsätzlich nicht genehmigungspflichtig, benötigen keinen Bauantrag. Zum Vergleich: Ein Becken mit einer Fläche von acht mal vier Metern und 1,5 Meter Tiefe fasst rund 50 Kubikmeter. Allerdings: Auch beim Pool müssen die Abstandsflächen zum Nachbarn eingehalten werden, er darf also nicht direkt an der Grenze bzw. am Zaun liegen. Kleingarten-Pächter sollten zudem einen Blick in ihre Satzung werfen, denn manche verbieten den Schwimmbecken-Bau grundsätzlich.

Ins Kalkül ziehen müssen Badefans auch, dass ein Home-Pool Folgekosten mit sich bringt. „In einer durchschnittlichen Badesaison von Mitte Mai bis Mitte September hält sich das aber in überschaubaren Grenzen“, beruhigt Woelk. Wasser, Strom und Chemie zur Wasserreinigung belasten die Haushaltskasse mit, je nach Größe des Pools, insgesamt 150 bis höchstens 300 Euro – 40 bis 75 Euro pro Monat. Teurer wird’s, wenn das Wasser häufiger ausgetauscht wird. Einmal pro Saison oder alle zwei Jahre hält Atlantic-Pool-Chef Göckeritz jedoch für ausreichend.

Eine Alternative zum künstlichen Schwimmbad ist für manchen der natürliche Schwimmteich. Er verbindet Schwimm- und Naturerlebnis in einem Gewässer, in dem Mikroorganismen und Pflanzen auf natürliche Weise die Wasserfilterung und –reinigung übernehmen. Unter der Devise „Viel Grün und kein Chlor“ entscheiden sich immer mehr Badefreaks für einen heimischen Teich. Während die Baukosten in etwa mit jenen eines normalen Pools vergleichbar sind, ist ein Schwimmteich bei Wartung und Folgekosten erheblich günstiger. Was für Kinder meist ein Heidenspaß ist, will trotzdem genau überlegt sein. „Wenn die ersten Käfer, Spinnen und Kaulquappen kommen, gehen die meisten Frauen nicht mehr rein“, weiß Pool-Bauer Göckeritz.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben