Baubegleitung : Gegen Pfusch am Bau helfen Qualitätskontrollen

Sachverständige können Bauherrn helfen, böse Überraschungen zu verhindern.

Susanne Ehlerding

Alina und Daniel Goran können ruhig schlafen, sagen sie. Und das, obwohl sie gerade die größte Investition ihres Lebens getätigt haben. Freundlich lächelnd steht das Paar im Rohbau seines Hauses in Alt-Glienicke und hört einem Vortrag von Udo Schumacher-Ritz zu. Der Bauingenieur ist der Grund, warum die jungen Bauherren so entspannt sind. 2005 hat er den Verein zur Qualitäts-Controlle am Bau (VQC) gegründet. 145 Bauträger gehören ihm an, auch Town & Country Haus, die das Typenhaus der Gorans errichten.

In den Verträgen, die das Unternehmen mit seinen Bauherren schließt, sind regelmäßige Besuche der Sachverständigen vom VQC enthalten. Mit einer Checkliste auf dem Tablet-PC kontrollieren sie, ob alle Arbeiten am Bau fachgerecht ausgeführt wurden. Das nützt nicht nur den Bauherren. „Die Qualitätskontrollen sind für uns definitiv ein Mittel, besser zu werden“, sagt der Geschäftsführer von Town & Country Haus, Peter Krywald.

Nach einem festen Plan kommen die Sachverständigen des VQC drei- bis fünfmal auf die Baustelle, um Pfusch von Vornherein zu verhindern. Das ist heute schwieriger als früher : „Die Art, wie Häuser gebaut werden, hat sich seit der Ölkrise in den 70er Jahren sehr verändert“, erklärt Udo Schumacher-Ritz. Damals fing man an, den Wärmebedarf von Gebäuden zu verringern. „Heute muss ein Haus einen Teil seiner Energie sogar selbst produzieren“, sagt der Experte. Damit habe sich die Zahl der beteiligten Gewerke von 5 auf 22 erhöht, gleichzeitig stiegen die Fehlerquellen bei der Verzahnung ihrer Arbeit.

„Heute gibt es durch die Energieeinsparverordnung einen großen Druck, Häuser luftdicht zu machen“, ergänzt der Pressesprecher des VQC, Volker Zaborowski. „Wenn sie nicht dicht sind, werden sie nicht warm, weil man nicht mehr einfach die Heizung höherdrehen kann.“ Außerdem droht Schimmel, wenn warme Luft nach außen entweicht, sich abkühlt und Kondenswasser an den Austrittsstellen hinterlässt.

Auf welche Details man auf der Baustelle achten muss, zeigt Udo Schumacher-Ritz beim Rundgang durchs Haus. Oben im Dachgeschoss liegt noch der Richtkranz auf dem Boden. Das Dach ist inzwischen gedeckt, „gerade rechtzeitig vor dem starken Regen Anfang Juli“, berichtet Alina Goran. Etwas Glück muss man haben beim Bauen, aber eben auch gute Handwerker. Udo Schumacher-Ritz weist auf ein Vliesband zwischen Fensterlaibung und Fensterrahmen. Schön glatt ist es eingeklebt, um den Übergang luftdicht zu machen.

Oben im First gibt es einen anderen Kniff: In der Spitze dürfen die Unterspannbahnen keinesfalls miteinander verklebt werden, sondern müssen eine Ritze lassen. „Dann kann der Wind den Spitzboden entlüften, wenn er übers Dach streicht“, erklärt Udo Schumacher-Ritz. Man sollte meinen, dass Dachdecker so etwas wissen. Doch sind sie durch die Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden „äußerst verunsichert“, sagt der VQC-Vorsitzende. Sein Verein setzt auf Aufklärung und Schulung, damit Handwerker ihre Arbeit besser machen können. Was passiert, wenn es an der Kommunikation hapert, zeigt Udo Schumacher-Ritz an einem dritten Beispiel. Es ist der helle Kalksandstein, mit dem das Haus gebaut ist. „Der Hersteller hat ihn revolutioniert, er ist nun viel wärmedämmender“, berichtet der Experte. Nur schlecht, dass diese Eigenschaft nicht mit dem Putz zusammenpasst, den die Maurer seit vielen Jahren benutzen. „Sie verstehen nicht, warum der Putz nun reißt. In solchen Dingen lässt die Industrie die Handwerker im Regen stehen“, sagt Schumacher-Ritz.

Es ist also nicht immer Schuld der Bauarbeiter, wenn Mängel drohen. Sind sie aber aufgetreten, sollte man die Abnahme des Bauabschnitts verweigern, rät das Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau (IRB). Es hat eine Broschürenreihe veröffentlicht, mit der sich Bauherren gegen Pfusch am Bau schlaumachen können. Einen Sachverständigen sollte man bei den Abnahmen immer dabei haben.

Weitere Ratschläge gegen böse Überraschungen lauten: Referenzen von mindestens fünf Jahre alten Objekten des Bauträgers einholen, eindeutige Verträge schließen, Vereinbarungen schriftlich festhalten, Pläne und Angebote akribisch prüfen, verbindliche Termine festlegen und ein Bautagebuch führen. Neuerdings gibt es dafür auch Apps wie „Bautagebuch mobile“.

Wer kann, sollte seine Baustelle täglich überwachen. Der größte Teil der Baumängel sei nämlich auf Planungs- und Überwachungsfehler zurückzuführen, so das IRB. Vier Milliarden Euro jährlich betrage der Schaden. Das Geld für einen Sachverständigen sei gut angelegt. Wer keinen Bauträger hat, der mit einem solchen Experten zusammenarbeitet, kann sich auch als Privatmann oder -frau an den VQC wenden.

Alina Goran nimmt es mit der Baubegleitung genau. Oft schaut sie in Alt-Glienicke vorbei und dokumentiert den Baufortschritt mit Fotos: „Das ist im Moment mein Job“, erklärt sie. „Ich kann den Bau tagsüber vollkommen vergessen und beruhigt zur Arbeit gehen“, sagt ihr Mann Daniel. Beide sind stolz, so ein gutes Team zu sein. Wenn der riesige Kieshaufen vorm Wohnzimmerfenster verbraucht und ihr Haus fertig ist, werden die Gorans den schönen Blick auf ihr Grundstück genießen. Für die VQC-Sachverständigen wird es eine von 14 000 Baustellen gewesen sein, die sie inspiziert haben. An weiteren Aufträgen, sagt Udo Schumacher-Ritz, gibt es keinen Mangel.

Publikationen aus der IRB-Reihe „Pfusch am Bau“ kann man unter http://bit.ly/1nWLhhq downloaden oder bestellen.

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