Immobilien : Bausparen mit den Zinsen der Neunziger Jahre

Alte Policen sollte man nicht kündigen – manche Tarife garantieren einen Ertrag von fünf Prozent

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Alte Tarife von Bausparkassen bieten so gute Zinsen, dass die Stiftung Warentest von einer Kündigung oder einem Tarifwechsel abrät. Wie die Verbraucherschützer melden, habe der Basiszinssatz zwar bei nur zwei bis drei Prozent gelegen. Dafür hätten die Kassen jedoch einen üppigen Bonus angeboten, wenn der Sparer am Ende der Ansparphase auf sein Darlehen verzichtet habe.

Für die Finanzierung der eigenen vier Wände tauge der Bausparvertrag heute nicht mehr, heißt es bei der Stiftung Warentest. Denn heute liegen die Zinsen für Hypothekenkredite deutlich unterhalb der damals am Markt üblichen Kreditkosten. Für Sparer seien die Bausparverträge dagegen eine sichere und kaum zu überbietende Anlage. Bei Zinsen von fünf Prozent liege der Ertrag doppelt so hoch wie bei Festgeld am Kapitalmarkt. Außerdem sei das Geld bei Bedarf kurzfristig verfügbar.

Noch lukrativer seien die alten Bausparverträge, wenn deren Besitzer in den Genuss der staatlichen Wohnungsbauprämie kommen. Denn diese belaufe sich auf eine zusätzliche Verzinsung von Sparbeträgen mit einer maximalen Höhe von 512 Euro bei Alleinstehenden und 1024 Euro bei Ehepaaren. Voraussetzung für den Erhalt der Prämie ist allerdings, dass das Einkommen des Alleinstehenden 25600 Euro im Jahr nicht übersteigt; bei Ehepaaren liegt die Grenze bei 51200 Euro.

Da die Altverträge für die Bausparkassen ein schlechtes Geschäft sind, versuchen sie diese zu kündigen, indem sie ihren Kunden schlechter verzinste neue Tarife anbieten. Doch es besteht keine Verpflichtung, diesen Wechsel zu vollziehen. Ebenso wenig ist es erforderlich, einen Kredit in Anspruch zu nehmen, wenn das Mindestguthaben zwischen 40 und 50 Prozent der Bausparsumme angespart ist. Andererseits ist es oft nicht möglich, die Bausparsumme zu erhöhen oder Sondereinzahlungen auf das Konto zu leisten, um die üppigen Zinsen für einen höheren Betrag einzustreichen. Dies lehnen die Kassen aus eigenem Interesse ab.

Auf keinen Fall sollten die Kunden die Bausparverträge vorzeitig kündigen, heißt es bei der Stiftung Warentest. Denn dadurch verliere der Bausparer seine staatliche Förderung, sofern er einen Anspruch darauf hat. Außerdem wird der hohe Zins meistens erst dann erreicht, wenn der Vertrag zuteilungsreif ist oder eine bestimmte Bewertungszahl erreicht ist. Oft sei dies erst nach etwa sieben Jahren der Fall. So lange solle man unbedingt weitersparen. ball

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