Bauunternehmer Christoph Gröner : "Wir machen Wirtschaft trotz Politik"

Nach dem Vandalismus in der Rigaer Straße ärgert sich der Vorstandsvorsitzender der CG Gruppe Christoph Gröner über Linksextremisten und Bezirkspolitiker.

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Vergangene Woche haben Chaoten in einer Tiefgarage in Berlin-Friedrichshain 21 Autos demoliert.
Vergangene Woche haben Chaoten in einer Tiefgarage in Berlin-Friedrichshain 21 Autos demoliert.Foto: imago/Olaf Wagner

In der Nacht zum Donnerstag haben Aktivisten der linksextremistischen Szene 21 Autos in der Rigaer Straße beschädigt. Die mutmaßlichen Täter haben mehrfach auch Aktivitäten der CG Gruppe ins Visier genommen, die ebenfalls in der Rigaer Straße baut. Wir sprachen mit Bauunternehmer Christoph Gröner (Vorstandsvorsitzender der CG Gruppe) über das soziokulturelle und politische Umfeld, das Investoren in Berlin vorfinden.

Bei Youtube ist zu einer Informationsveranstaltung Ihres Unternehmens zu Ihrem Bauprojekt in der Rigaer Straße zu lesen: „Christoph Gröner trägt Gentrifizierung mit sich wie Wolken den Regen.“ Beleidigt Sie eine solche Aussage?

So eine Aussage kann mich nicht beleidigen, denn sie ist einfach furchtbar falsch und auch unüberlegt. Gentrifizierung bedeutet, dass man Menschen aus einem Kiez, aus einer bestimmten Wohnung herausdrängt. Eine Familie zahlt zum Beispiel bisher acht Euro Miete und dann kommt der Investor. Und alleine durch dessen Investition – zum Beispiel in eine Wärmedämmung – verteuert sich die Wohnung und der Familienvater muss mit seiner Familie ausziehen, weil er die neue Miete nicht mehr bezahlen kann. Das ist Gentrifizierung. Wenn in den Foren behauptet wird, mein Unternehmen würde gentrifizieren, verkennt derjenige das Wort und die tatsächliche Situation. Alles, was wir in Berlin bebauen, sind entweder Brachen oder bisher wohnwirtschaftlich absolut ungenutzte Immobilien. Das heißt, wir füllen Leerräume aus, die einfach bisher noch keiner Nutzung gerecht werden konnten

„Kiezscheppern gegen die CG Gruppe und andere Luxusinvestoren“ heißt eine Aktion, mit der Anwohner in der Rigaer Straße im Internet deutlich machen wollen, dass sie sich gegen ihre drohende Verdrängung kraftvoll wehren. Sollten Sie eine Waffe tragen?

Also, eine Waffe trage ich nicht, und die sollte ich auch nicht tragen. Es wird mir zu meiner Beruhigung durch das BKA und das LKA gesagt, dass die linke Szene noch überwiegend der Auffassung sei, man solle nicht direkt die Person angreifen. Aber die Szene nimmt für sich in Anspruch, die von mir genutzten Sachen – ob Autos, meine Wohnung, Büros und Baustellen – gezielt als Ziel für Angriffe freizugeben. Insofern bin ich gefährdet, weil wir bei solchen Zielsetzungen möglicherweise in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Also Angriffe mit Steinen, Farbe seien aus ihrer Sicht o. k., genau wie Angriffe auf Polizisten und Security-Personen.

Wie reagiert Ihre Familie? Sie haben vier Kinder.

Ich habe Kinder von 26 bis acht Jahren, und das sind Kinder, die auch in Berlin im Kiez unterwegs sind. Und sie sind ganz sicher nicht immer meiner Meinung. Das ein oder andere Kind muss man dann vielleicht mal von einer Hausbesetzung abholen. Aber für die Gewalt haben die Kinder im ungünstigsten Fall kein Verständnis, weil sie auch miterleben, dass Gespräch, Diskussion, Auseinandersetzung die Grundvoraussetzungen menschlichen Umgangs, gesellschaftliche Erfolgsrezepte sind. Und das sogenannte Kiezscheppern ist ja der Inbegriff einer „Null Toleranz“-Linie, des Nichtzuhörenwollens. Man möchte sich keiner gemeinsamen Erarbeitung, einer Genehmigung des Bezirks, unterordnen. Es geht nicht darum, irgendetwas zu erreichen. Man möchte zeigen, dass man weder Polizei noch Bezirk noch Unternehmer ernst nimmt. Da ist unser Unternehmen jetzt zur Zielscheibe geworden, zum willkommenen Angriffspunkt. Wir haben von auswärts herangekarrte Chaoten wahrgenommen, aber Nachbarn haben wir noch nicht gefunden, die auf Kochtöpfen Lärm machen. Wir haben im Gegensatz dazu in der Rigaer Straße Nachbarn gefunden, die mit uns gesprochen und sich mit uns ausgetauscht haben.

CG Gruppe

Die CG Gruppe wurde 1995 in Leipzig gegründet. Das Unternehmen plant in Berlin zurzeit – unter anderem – den Umbau von zwei Bürotürmen zu Wohntürmen. Dabei geht es um den Steglitzer Kreisel und um das ehemalige Postscheckamt in Kreuzberg. Kerngeschäft ist nach Unternehmensangaben der Mietwohnungsbau für institutionelle Investoren (Versorgungskassen, Versicherungen). Die CG Gruppe hat 300 Mitarbeiter und Büros in Berlin, Leipzig, Dresden, Frankfurt, Köln, Düsseldorf und Hamburg.

Bauunternehmer Christoph Gröner (48) wuchs in Karlsruhe auf. Sein erstes Geld verdiente er als Lagerarbeiter und auf dem Flohmarkt.
Bauunternehmer Christoph Gröner (48) wuchs in Karlsruhe auf. Sein erstes Geld verdiente er als Lagerarbeiter und auf dem...Foto: Mike Wolff

Und trotzdem wirft das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg Ihnen in einer Stellungnahme für den Tagesspiegel vor, sich bei Ihrem Bauprojekt in der Rigaer Straße nicht an gemachte Zusagen zu halten. Außerdem war unter Hinweis auf Ausschusssitzungen der BVV von „Irritationen bezüglich der allgemeinen Vertrauenswürdigkeit der CG Gruppe“ die Rede. Wie reagieren Sie darauf – mit einer Klage?

Es ist doch hochinteressant, dass die CG Gruppe ermahnt wird, ihr „rechtswidriges Verhalten“ beim Abriss der beiden straßenbegleitenden Häuser in der Rigaer Straße zu überdenken. Wir haben für den Abriss eine gültige rechtskräftige Abriss- bzw. Baugenehmigung. Der Abriss geschah nach Bauanzeige gegenüber dem Bezirk, es sind genau die Gebäudeteile abgerissen worden, die wir nach Gesprächen mit den Denkmalschützern des Bezirks auch abreißen durften. Darüber hinaus ist für 40 000 Euro eine Wandmalerei geborgen worden, die Maßnahmen sind im vollen Einvernehmen mit den zuständigen Behörden ausgeführt worden. Die „Irritationen über unsere Vertrauenswürdigkeit“ werden zurückgeführt auf einen von der Bezirksversammlung bewusst herbeigeführten falschen Beschluss. Bei Herbeiführung dieses irreführenden Beschlusses kann schon nicht mehr von Unwissenheit die Rede sein, hier haben die politisch Verantwortlichen versagt. Meine Reaktion war einfach: Ich habe mich direkt an den Bezirk gewandt, um es richtigzustellen, und habe die Bestätigung bekommen, dass es sich um eine bedauerliche Falschinterpretation handelt. Wir haben alle Punkte im B-Planverfahren erfüllt, wir arbeiten kooperativ mit dem Bezirk zusammen und unsere allgemeine Vertrauenswürdigkeit im Wirtschaftsleben wird nicht in Zweifel gezogen.

Alle Welt will in Berlin Immobilien kaufen. Würden Sie aufgrund Ihrer bisherigen Erfahrungen und aktuellen Erwartungen Investoren und Privatanlegern dazu raten, derartige Pläne auch unter den Vorzeichen einer rot-rot-grünen Regierung umzusetzen? Oder würden Sie sagen: Finger weg?

Ich fühle mich nicht dazu berufen, anderen Investoren Ratschläge zu geben. Aber ich kann Ihnen die des Vorstandes und der Geschäftsleitung der CG Gruppe AG sowie meine persönliche Position vortragen: Wir machen Wirtschaft, und das trotz Politik. Wir lassen uns durch solche politischen Verhältnisse nicht irritieren und schon gar nicht in unserem Handeln beeinflussen. Wir arbeiten auf Basis des bis heute von uns erkannten und belastbaren Rechtsstaats, wenn er auch in Teilen durch das Gebaren einzelner politischer Akteure in Gefahr kommt oder nicht leicht wiederzuerkennen ist.

Sie lassen sich also nicht beeindrucken. Aber die Politik macht Ihnen Vorgaben: Bisher waren Investoren in Berlin verpflichtet, bei Wohnungsbauvorhaben eine Quote von 25 Prozent für den miet- und belegungsgebundenen Wohnraum einzuhalten. Zukünftig soll diese Quote bei 30 Prozent liegen und sich nicht länger auf die Anzahl der Wohneinheiten beziehen, sondern auf die Geschossflächen für die Wohnnutzung. Sind in Ihrem Umbauprojekt, dem ehemaligen Postgiroamt am Halleschen Ufer, 30 Prozent vorgesehen oder 25 Prozent?

Mein Unternehmen ist sehr vom kooperativen Baulandmodell überzeugt. Unsere Bedenken gelten eher den großen Bauvorhaben, die nach Paragraf 34 frei gebaut werden können, ohne dass sie einen Beitrag für preisgünstiges Wohnen leisten müssen. Die Last wird dann auf alle Bebauungsplanverfahren abgerollt. Das halten wir für unglücklich.

Also bauen Sie freiwillig 30 Prozent?

Wir haben vom ersten Tag an am Halleschen Ufer 30 Prozent von uns aus zugestanden. Das gilt sowohl für die Anzahl der Wohnungen als auch für die Fläche. Wir unterscheiden hier nicht. Wir haben damit kein Problem!

Ist das Projekt am Postbank-Tower planerisch abgeschlossen oder sind Sie mit der Degewo noch im Gespräch über weitere Einheiten, die Sie an diesem Standort für das Unternehmen errichten?

Da haben wir längst einen Konsens mit dem Bezirk, die Baukörper und Flächen sind gemeinsam bestimmt worden. Wir haben alle Voraussetzungen damit erfüllt, dass wir dort in Abstimmung mit dem Bezirk mehrere Gebäude identifizieren, die für die Übernahme der Degewo vorgesehen sind. Dies geschieht zu einem verbindlichen und verabredeten Preis. Diese Dinge werden final verabredet, wenn wir die „Offenlage“ haben und der Durchführungsvertrag mit den Kommunen unterschrieben werden kann. Also zu einem Zeitpunkt, wenn wir etwas Belastbares haben. Im Moment wissen wir nicht, was genehmigt werden wird, also was kommt denn? Sind es Äpfel, Zitronen oder Orangen …

… Sie brauchen also etwas Grundbuchamtliches …

Richtig. Eine Fläche, eine Kubatur, einen Plan, der Aussicht auf Genehmigung hat. Wir können doch erst etwas verkaufen, wenn wir wissen, was wir verkaufen. Bis heute haben wir die Genehmigung nicht bekommen, das heißt, die Offenlage ist noch nicht durchgeführt worden. Der Weg ist, dass wir vom Aufstellungsbeschluss in das objektivierbare Baugenehmigungsverfahren kommen, dann kann der Verkauf konkreter Flächen verabredet werden, wir können nicht rückwärts etwas sicherstellen, von dem wir noch nicht wissen, wie es aussieht.

Wird die CG Gruppe für die Degewo noch an anderer Stelle tätig? Zum Beispiel im Rahmen des Komplexes Steglitzer Kreisel?

Wir halten Hochhäuser allgemein nicht für besonders zielführend, wenn es um die Schaffung von sozialen Wohnstrukturen geht. Wir prüfen vieles mit der Degewo, haben aber auch verschiedene Möglichkeiten mit der Gewobag geprüft.

Also bauen Sie keine preisgünstigen Wohnungen im Steglitzer Kreisel.

Beim Steglitzer Kreisel bewegen wir uns im Rahmen eines bestehenden Bebauungsplans. Da sehen wir nicht, wie hier teurer Wohnraum günstiges Wohnen im Sockelbereich quersubventionieren könnte, denn der Sockelbereich ist sehr gewerblich orientiert.

Und wenn es von Ihnen verlangt würde, dort preisgünstige Wohnungen einzubauen?

Dann würden wir uns dagegen wehren können. Wir operieren innerhalb des gültigen Bebauungsplans.

Wie haben Sie den Steglitzer Kreisel nach der Übergabe durch das Land Berlin vorgefunden? War alles besenrein und zu Ihrer Zufriedenheit?

Wir sind in einem ganz normalen Verfahren: Wir haben ein Objekt gekauft, bei dem die Kontamination beseitigt werden musste. Das ist im Großen und Ganzen gelungen. Wir sind dabei zu prüfen, ob die Werte komplett eingehalten wurden. Sind sie noch nicht eingehalten, muss vielleicht nachgearbeitet werden. Wir sind fest überzeugt, dass das Land Berlin seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkommt.

Das klingt nach Nachforderungen.

Ich bin sicher, dass wir noch in diesem Monat den vertragsgerechten Zustand erleben werden. Wir sind im Abstimmungsprozess mit dem Land Berlin und sind zuversichtlich, dass das Land Berlin den in den Verträgen vorgesehenen Zustand in Kürze hergestellt haben wird, damit wir das Objekt übernehmen können. Wir sind in Kontakt mit dem Finanzsenator, und er ist äußerst vertrauenswürdig.

Das Interview führte Reinhart Bünger.

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