Immobilien : Berliner Architekten erhalten Bauherrenpreis

Ausgezeichnet wird der Umbau eines zweigeschossigen Plattenbaus am Obersee

-

Drei Reihenhäuser aus Betonplatten hatte das Ministerium für Staatssicherheit in den siebziger Jahren am Obersee errichtet. Die Häuser stehen in der Nachbarschaft der Villa Lemke. Diese hatte Mies van der Rohe errichtet, der gefeierte Meisterdenker der Moderne. Sachlichkeit und Modernität, wenn auch mit den bescheidenen materiellen Mitteln der DDRBauindustrie, strahlten auch die zweigeschossigen Plattenbauten aus. Im neuen Kleid, das Architekt Thomas Hillig entwarf, wurde eines der Häuser nun von der Jury ausgezeichnet, die den Deutschen Bauherrenpreis vergab. Augelobt wird dieser von Deutschen Städtetag, dem Bund Deutscher Architekten und dem Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen.

Das Haus steht auf einem leicht abfallenden Grundstück mit Blick auf den Obersee. Zu DDR-Zeiten wurde es wohl auch deshalb als Gästehaus genutzt. Nach der Wende zog ein Jugendclub ein. Später verkaufte der Bund die Immobilie an einen privaten Erwerber. Diese ließ die Immobilie sanieren.

Nun ist das Haus nicht mehr als Plattenbau wiederzuerkennen – die Merkmale der Moderne sind dagegen nicht verloren gegangen: Klare rechteckige Formen, längliche, strukturierte Fenster und ein Flachdach prägen das Erscheinungsbild. Die Lochfassade folgt dem Kanon der Berliner Architektur, „klassische Moderne“ wie es in den 90er Jahren hieß. Viel Gefühl für Materialien und Farben prägen die zum See gewandte Seite der Fassade. Zurückweichende Wohnräume im Mittelbereich schaffen Platz für eine überdachte Sonnenterrasse. Das Wechselspiel von weißem Putz und Holzverkleidung aus Lärche auf den Fassaden lassen maritime und südländische Architekturmotive anklingen, ohne dabei den Geist der Moderne zu verraten.

Die Baukosten betrugen laut Hillig 200000 Euro bei einer Nutzfläche von 245 Quadratmetern. Das größte Problem beim Umbau lag darin, dass die Innenwände die Betondecken tragen. Um die Grundrisse abzuwandeln, musste daher zur Betonsäge gegriffen und die Decken mit Stahlträgern gestützt werden.

Zwischen den Innenräumen wurden deckenhohe Schiebetüren eingebaut, um die Räume zu verbinden und Zimmerfluchten zu erzeugen. Eichenparkett ziert nun die Böden. Weniger Aufwand war in Treppenhaus und Eingangsbereich nötig: Ein Anschliff genügte, um den Marmor zu erneuern. Den wertvollen Baustoff hatte das Ministerium für Staatssicherheit einbauen lassen. ball

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben