Immobilien : Dicke Luft ade!

Zimmerpflanzen verbessern das Raumklima und schmeicheln der Psyche

Heike Deissler

Bis zu neunzig Prozent unserer Zeit halten wir uns in geschlossenen Räumen auf. Viele Menschen in den modernen Industriegesellschaften kommen gerade mal auf dem Weg zum Arbeitsplatz, Supermarkt oder Fitnessstudio mit frischer Luft in Berührung. Eine gesunde Raumluft ist daher besonders wichtig für unser Wohlbefinden. Doch was wir zu Hause oder am Arbeitsplatz einatmen, ist oft alles andere als bekömmlich. Wie Untersuchungen zeigen, ist die Luft in Innenräumen bis zu zehn Mal stärker mit Schadstoffen belastet als die Außenluft. Moderne, nahezu luftdichte Gebäude kommen zwar mit weniger Energie aus, haben aber den Nachteil, dass kaum noch Luftzirkulation stattfindet. Leichtflüchtige giftige Substanzen, die zum Beispiel aus Baumaterialien, Bodenbelägen und technischen Geräten entweichen, aber auch im Tabakrauch und menschlichen Ausdünstungen enthalten sind, reichern sich so in der Raumluft an. Die Auswirkungen dieses Schadstoffcocktails können von Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen bis hin zu Allergien oder akuten und chronischen Erkrankungen der Atemwege reichen. In den USA spricht man schon lange vom „Sick Building Syndrome“. Damit nicht genug, finden sich mancherorts auch noch Schimmelpilze und Bakterien, die ebenfalls gesundheitsschädlich sein können.

Doch was können wir tun, um die Luftqualität in Innenräumen zu verbessern? Einiges liegt auf der Hand: Regelmäßig und gründlich lüften, nicht rauchen sowie emissionsarme Baustoffe, Materialien und Geräte einsetzen. Aber damit nicht genug. Wussten Sie, dass auch Pflanzen positiv auf die Raumluft wirken? Und zwar gleich mehrfach: Die grüne Pracht filtert nicht nur Giftstoffe, Staub und Mikroben aus der Atemluft, sondern reichert sie auch mit Feuchtigkeit an. Wunder darf man allerdings nicht erwarten: Sich mit Pflanzen zu umgeben reicht nicht, um aus dicker Luft eine frische Brise zu machen. Nur im Einklang mit den bereits genannten Maßnahmen gelingt es, gute Luft in Räumen zu gewährleisten.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien unterschiedlicher Forschungseinrichtungen, allen voran der NASA, belegen, dass Pflanzen toxische Stoffe aus der Raumluft filtern. Die natürlichen Luftkläranlagen haben dabei eine ähnliche Funktion wie die Leber beim Menschen. Mikroben an und in den Wurzeln wandeln die Umweltgifte in harmlose Stoffe wie Aminosäuren und Zucker um. Doch keine Angst, Sie müssen Ihre Wohnung oder den Arbeitsplatz nicht in einen Dschungel verwandeln. Denn wie Studien der Technischen Universität Sydney ergeben haben, erzielen schon wenige Pflanzen einen erheblichen Effekt. Die Abbaurate ist dabei jedoch je nach Schadstoff und Pflanze unterschiedlich.

Als wahrer Allesfresser hat sich der Drachenbaum (Draceana) erwiesen, er erzielte bei fast allen untersuchten Stoffen gute Werte. Auf Spitzenwerte bei der Zersetzung von Formaldehyd bringen es Schwertfarn (Nephrolepis) und Gerbera. Doch auch die Zimmerpflanzenklassiker Gummibaum und Birkenfeige tun hier gute Dienste. Formaldehyd wird zwar heute nicht mehr in den Mengen von der Industrie eingesetzt wie noch vor zwanzig Jahren, dennoch ist der Schadstoff nach wie vor in vielen Produkten des täglichen Gebrauchs, in Emissionen von Gasflammen sowie im Tabakrauch enthalten. Auch ältere Möbel können noch nach Jahrzehnten Formaldehyd in hohen Konzentrationen ausgasen. Beim Kampf gegen Xylol und Toluol, die zum Beispiel in Farben, Klebstoffen und Möbelpflegemitteln enthalten sind, tun sich Goldfruchtpalme (Dypsis lutescens) und Zwergdattelpalme (Phoenix roebelenii) hervor.

Pflanzen nehmen es auch mit schädlichen Mikroorganismen auf. Begrünte Räume weisen demnach 50 bis 60 Prozent weniger Bakterien und Schimmelpilze auf als Zimmer ohne Pflanzen. Ursache dafür sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die außerhalb der Photosynthese produziert und von Blättern oder Wurzeln abgesondert werden. Derzeit sind etwa zehntausend solcher Substanzen bekannt.

In vielen Wohnungen und Büros führt trockene Luft zu vermehrter Erkältungsanfälligkeit, da Bakterien und Viren auf trockenen Schleimhäuten leichtes Spiel haben. Vor allem tropische Pflanzen mit großer Blattoberfläche sind in der Lage, die Luftfeuchtigkeit auf ein gesundes Maß von 40 bis 60 Prozent zu bringen. Gute Luftbefeuchter sind zum Beispiel Philodendron, Zimmerlinde und Zyperngras, ausreichendes Gießen vorausgesetzt. Selbst im Schlafzimmer muss man nicht auf Pflanzen verzichten. Die meisten Gewächse verbrauchen zwar nachts Sauerstoff, doch in so geringen Mengen, dass selbst in kleinen Räumen das Lebenselixier nicht knapp wird.

Zimmerpflanzen verbessern nicht nur die Atemluft, sie schmeicheln auch der Psyche. Von Grün umgeben sind wir entspannter und leistungsfähiger. So haben Forscher der Universität von Reading bei London herausgefunden, dass Schüler besser lernen, wenn Pflanzen das Klassenzimmer beleben. Andere Studien haben gezeigt, dass schon der Ausblick auf Grün auf Krankenhauspatienten beruhigend wirkt. Wissenschaftler vermuten, dass dieser emotional-psychologische Effekt ein Überbleibsel aus der Frühzeit der Menschheit ist, als Pflanzen nicht nur Nahrung, sondern auch Schutz und Geborgenheit bedeuteten.

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