Immobilien : Die Allianz wollte nie mehr investieren

Spezialimmobilien haben Konjunktur.Zu dieser Kategorie zählen Hotels, Kino-Center aber auch Seniorenimmobilien.Das Risiko bei diesen Bauten liegt darin, daß sie einen Betreiber benötigen, und mit dessen Qualität steht und fällt das ganze Konzept.Allerdings ist in Berlin die Gefahr noch größer, weitere Bürohäuser aus dem Boden zu stampfen, weil bereits ein Überangebot besteht.Zu den Anbietern von Seniorenimmobilien zählt die Berliner Rentaco.In ihren Räumen hatten die Immo-ebs, Absolventen der European Business School, zu einem Vortrag eingeladen.

"Nach dieser schlechten Erfahrung beschloß der Vorstand der Allianz, nie mehr in Altenstifte zu investieren", sagt Hans-Günter Terdenge, Vorstand der Rentaco.Daß der Versicherungskonzern, trotz seiner fortwährenden Suche nach Anlagemöglichkeiten für das ihm anvertraute Kapital, plötzlich dieses Segment des Immobilienmarktes ganz meiden wollte, hatte gute Gründe: Der Konzern hatte in ein Heim investiert, doch der Betreiber zahlte einfach nicht die Pacht.Dabei hatte es die Allianz mit einem durchaus seriösen Betrieb zu tun: dem Deutsche Rote Kreuz.Nur, die gemeinnützige Einrichtung fand einfach nicht genügend Mieter, hatte dadurch weniger Einnahmen und konnte so auch nicht die vereinbarte Pacht zahlen.

Zwar ereignete sich dies in den siebziger Jahren, doch auch heute sind Konkurse von Unternehmern in diesem Bereich keine Seltenheit.Die Branche leide unter einem demographischen Knick: In Rente gingen dieser Tage die im Krieg ausgedünnten Jahrgänge.Noch wirke dies der demographischen Entwicklung in Deutschland entgegen, denn sie verspreche einen wachsenden Markt: Waren 1996 nur 21 Prozent der Deutschen über 55 Jahre, sagten die Statistiker eine Zunahme ihres Anteils auf 31 Prozent bis zum Jahr 2030 voraus.

Praktisch sei der Markt dennoch nicht leicht zu erobern, weil viele Menschen mit Altenstiften noch die Krankenhausatmosphäre von Altenheimen aus den siebziger Jahre verbänden.Dabei sollen die Wohnstifte und Seniorenresidenzen der Rentaco eher einem Hotel gleichen: Sie böten umfangreichen Service, eigene Schwimmbäder und natürlich Veranstaltungen.In einem solchen Umfeld koste eine 50 Quadratmeter große Wohnung aber auch 4600 DM pro Monat.Das schränke den Kreis potentieller Mieter auf sieben bis neun Prozent der über 65jährigen ein.Deshalb errichtet die Rentaco auch Anlagen für ein "betreutes Wohnen".Hier seien Wohnungen bereits für rund 1750 DM zu haben zuzüglich obligatorischer Service-Pauschale von rund 250 DM.Die einzelnen Dienstleistungen würden extra in Rechnung gestellt.Dem Vorstand der Rentaco zufolge sind immerhin rund 62 Prozent aller über 60jährigen in der Lage, dieses Geld in ihrem Alter aufzubringen.Ob sie dies aber auch tatsächlich dafür ausgeben, das hänge von der Qualität des Angebotes ab.

Zu den Kunden der Rentaco zählt heute auch wieder die Allianz.Das dürfte daran liegen, daß das Unternehmen das Betreiberproblem löste, indem es selbst diese Aufgabe übernimmt.Da sie zudem als Bauträger die Häuser errichtet, hat sie in schwierigen Zeiten ein zweites Standbein zur Finanzierung der von Investoren verlangten Pachten.Dies ist Terdenge zufolge aber nicht erforderlich, da die Auslastung derzeit bei über 95 Prozent liege. ball

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