Immobilien : „Die Wirtschaftsprüfer sind hysterisch“

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Die Landesbank Berlin steckt in der Krise. Schuld sind Immobiliengeschäfte. Viele LBB-Kunden können die fälligen Zinsen nicht mehr bezahlen, weil ihre Immobilien dafür nicht genügend Mieten einbringen. Besonders hohe Verluste drohen bei fünfzehn Kreditkunden. Die Certa-Gruppe, an der Sie und ihre Schwester beteiligt sind, gehören dazu

Bei keinem der Kredite, die ich zusammen mit meiner Schwester aufgenommen habe, drohen Verluste. Wir sind unseren Verpflichtungen immer nachgekommen. Im Übrigen hält die LBB selbst die Mehrheit der Anteile an der Certa.

Die Landesbank rechnet mit Verlusten in Höhe von knapp 20 Millionen Euro bei einigen Immobiliengesellschaften, die sie mit Ihnen zusammen gründete. Es gibt sogar einen Sanierungsplan. Wie bedrohlich ist die Lage?

Seit die Bankgesellschaft in der Krise steckt, sind die Wirtschaftsprüfer fast hysterisch. Sie suchen überall Risiken, damit man ihnen später nicht vorwerfen kann, sie hätten etwas übersehen. Es ist richtig, dass die Unternehmen unserer Immobiliengruppe Certa Verluste geschrieben haben. Diese beruhten zum größten Teil auf Sonderabschreibungen. Und das war auch so geplant. Wer Verluste schreibt, ist noch lange nicht pleite.

Verluste nach Plan, das hört sich so an wie bei den Internet-Unternehmern am neuen Markt. Wann platzt die Blase bei Ihren Geschäften?

Der Vergleich ist schief. Wir haben mit der LBB insgesamt acht Gesellschaften. Jedes dieser Unternehmen enthält eine oder mehrere Immobilien. Zum Beispiel im Zentrum von Prag, am Wenzelsplatz. Dort haben wir vergangene Woche ein Bürohaus eröffnet. Wenn wir das verkaufen würden, wären wir alle Probleme in der Gruppe los. Aber das will ich nicht. Ich will nicht, dass wir unsere besten Immobilien verkaufen und damit unsere Gesellschaften aushöhlen für nichts und wieder nichts.

Das „Nichts“ von knapp 17 Millionen Euro fehlt Ihren Gesellschaften. Und jedes Jahr kommen ohne frisches Kapital einige Millionen hinzu?

Ja, der Gesellschaft fehlt Eigenkapital, weil wir die insgesamt 48 Immobilien in unseren gemeinsamen Gesellschaften fast ausschließlich auf Kredit erworben hatten. Jeder weiß, dass man üblicherweise zehn bis zwanzig Prozent eigenes Kapital investieren muss, wenn man eine Immobilie kauft. Das haben wir nicht getan. Weil wir Verluste schreiben wollten. Wir haben das Immobilienpaket Anfang der neunziger Jahre übernommen, und damals gab es Steuervorteile für Investitionen in den Neuen Ländern. Dadurch hat uns der Fiskus in den vergangenen zehn Jahren 80 Millionen Euro gut geschrieben. Die LBB hat ebenso davon profitiert wie wir, weil wir weniger Steuern zahlen mussten. Das hat uns unter dem Strich mehr eingebracht, als wir in die Immobiliengesellschaften im Laufe der Jahre hineinstecken mussten.

Das geht aber nur so lange gut, wie die Immobilien noch nicht abgeschrieben sind. Die Steuervorteile dürften heute, knapp zehn Jahre nach Erwerb, verbraucht sein, und nun befürchtet die Bank, dass die Immobilien Ihren Gesellschaften nicht genügend Mieteinnahmen einbringen, um die fälligen Kreditraten zu bezahlen.

Die Mieten aus unseren Immobilien reichen aus, um die Zinsen für die Kredite zu bezahlen. Das zeigt, wie gesund unsere Gesellschaften sind. Das Geld, das wir zusätzlich aufbringen müssen, dient zur Rückzahlung der Schulden. Es ist also unser Eigenkapital. Einige bringen das Eigenkapital beim Erwerb der Immobilien auf, andere erst später. Wir haben den zweiten Weg gewählt, weil das steuerliche Vorteile hatte.

Als gesund betrachtet die LBB die Gesellschaften nicht. Die Wirtschaftsprüfer schreiben, sie seien überschuldet und die Firmen nichts mehr wert. Demnach ist das bisher investierte Geld weg.

Das ist Unsinn. Denn dieselben Wirtschaftsprüfer haben auch festgestellt, dass die Gesellschaften über stille Reserven in erheblichem Umfange verfügen. Anders ausgedrückt, wenn wir die Immobilien verkaufen würden, dann könnten wir nicht nur die Schulden zurückzahlen, sondern dann bliebe auch noch Geld übrig. Aber wir fangen erst gar nicht an mit dem Ausverkauf. Darin sind wir uns einig mit den neuen Vorständen der Bankgesellschaft.

Und deshalb müssen alle noch einmal tief in die Tasche greifen?

Wir werden 17 Millionen Euro in die Gesellschaften stecken, um einen Teil der Kredite zurückzuzahlen, und damit ist das Problem dann endgültig gelöst, weil die Mieten dann ausreichen, um die Annuitäten zu zahlen.

Und Sie kommen dieser Verpflichtung nach?

Selbstverständlich. Und ich bin auch in der Vergangenheit allen meinen Verpflichtungen nachgekommen.

Wirtschaftsprüfer monieren, dass Sie Ihre Einkommensverhältnisse nicht vollständig offenlegt hatten. Riskierte die Bank rund 200 Millionen Euro, ohne sich vorher genau nach der Solvenz ihres Partner informiert zu haben?

Natürlich nicht, ich habe der Bank regelmäßig die entsprechenden Unterlagen eingereicht. Seit kurzem gelten jedoch schärfere Bankgesetze. Wir haben in der vergangenen Woche der LBB nun auch noch meine Einkommenssteuererklärungen vorgelegt. Das Thema ist damit erledigt.

Wie kam es überhaupt zur Gründung der gemeinsamen Gesellschaften?

Meine Familie ist seit über 25 Jahren Kunde bei der LBB. Anfang der Neunziger bekam ich das Angebot, dieses Immobilienpaket zu übernehmen. Ich habe die Objekte geprüft und bei der LBB wegen eines Kredites angefragt. Nachdem ich bereits die Zusage erhalten hatte, bin ich vor dem Schuldenberg zurückgeschreckt. Als ich der LBB erklärte, ich würde verzichten, ergab sich das Interesse der LBB, in das Projekt einzusteigen.

Dann kam Ignatz Bubis hinzu.

Richtig.

Und Ignatz Bubis stieg im Jahr 2000 wieder aus der gemeinsamen Gesellschaft aus. Er bekam eine Abfindung. Die bankinternen Kontrolleure können sich deren Höhe nicht erklären. Haben Sie ihn mit einem goldenen Handschlag verabschiedet?

Nein, ein Gutachter hat den Wert der Gesellschaft abgeschätzt, und diese Summe haben wir nach oben abgerundet. Es war der Wunsch der LBB und auch unserer, die Trennung rasch und zugleich fair zu vollziehen. Das ist auch gelungen. Warum die Abfindung nicht ausreichend dokumentiert sein soll, kann ich mir nicht erklären.

Auch die LBB mag nicht mehr. Sie möchte lieber heute als morgen ihre Anteile an den gemeinsamen Gesellschaften verkaufen...

Die Bankgesellschaft und ihre Töchter haben die Nase voll von Immobilien. Das kann man nach allem, was man über die Fonds und die Immobilientöchter des Konzerns gehört hat, verstehen. Aber das ist kein Grund, unsere Investition schlecht zu reden.

Die Fragen stellte Ralf Schönball

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