Immobilien : Ein Haus, drei Generationen – und viele Fragen

Wir wollen mit unseren Eltern und Schwiegereltern zusammen bauen. Was ist dabei zu beachten?

WAS STEHT INS HAUS?

Meine Frau und ich möchten ein Haus bauen. Da wir uns mit den Eltern und Schwiegereltern sehr gut verstehen, spielen wir mit dem Gedanken, gemeinsam ein Haus zu errichten, in dem wir alle wohnen können. Da wir bisher in verschiedenen Berliner Stadtbezirken wohnen, hätte dies verschiedene Vorteile für alle. Oma und Opa könnten unsere Kinder intensiver aufwachsen sehen und auch deren Umsorgung im Krankheitsfall wäre einfacher. Die Investition könnte gemeinsam getragen und damit verträglicher gestaltet werden. Was ist bei einem solchen Vorhaben zu beachten?

WAS STEHT IM GESETZ?

Planen Sie, in einem Gebäude mehr als zwei Wohnungen unterzubringen, ist es in baurechtlicher Hinsicht ein Mehrfamilienhaus. Bereits bei der Grundstückssuche ist das zu berücksichtigen. Eine Baugenehmigung für die Errichtung eines Mehrfamilienhauses erhalten Sie nur dann für das Grundstück, wenn es nach Paragraph 34 der Bauordnung dafür bebaubar ist oder ein Bebauungsplan existiert. Unabhängig von der baurechtlichen Genehmigungsfähigkeit sind bei einem Mehrfamilienhaus technische Details zu beachten, die zum Beispiel bei einem Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung unbeachtlich sind. Es gelten besondere Anforderungen an Bauphysik und Brandschutz, um jede Wohnung in sich abgeschlossen funktionsfähig zu gestalten. Bereits beim Grundstückskauf sollten Sie sich entschieden haben, welche Eigentumsform Sie wählen. Es ist ein Unterschied, ob Sie Alleineigentümer von Grundstück und Haus werden und zwei Wohnungen an Ihre Eltern vermieten oder alles gemeinschaftlich mit den Eltern erwerben und grundbuchlich aufteilen. Beide Eigentumsformen haben Vor- und Nachteile im Alltag und fiskalische Auswirkungen, angefangen von der Einkommenssteuer bis zum Erbschaftsfall. Die Wohnungen sollten auf die Bedürfnisse der Generationen zugeschnitten, aber dennoch in Qualität und Ausstattung vergleichbar sein. Die Außenanlagen sollten Individual- und Gemeinschaftsbereiche haben, damit ein gemeinsames Familienleben ermöglicht wird.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Die Wohnform des Mehrgenerationenhauses ist eine historische Art des familiären Zusammenlebens in vorwiegend ländlichen Gebieten Mittel- und Südeuropas. Sie ist in den letzten hundert Jahren durch Konzentration der Städte und die Industrialisierung als Wohnform in den Hintergrund getreten. Sie bietet den Generationen der Familie die Möglichkeit, an einem örtlich festgelegten Lebensmittelpunkt gemeinsam Lebensabschnitte zu erleben. Berufliche Bindungen und Entwicklungen sollten Sie bei der Abwägung der Vor- und Nachteile beachten. Das Zusammenleben aller Familienmitglieder erfordert jedoch ein extrem hohes Maß an Toleranz und Verständnis für die anderen Generationen. Sie sind Voraussetzung für das dauerhafte Funktionieren dieser Wohnform. Bautechnische Belange sind für Ihre Entscheidung nahezu unbedeutend.

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