Immobilien : Ein Zuhause für den Ruhestand

Wer jenseits der 50 noch mal neu bauen will, sollte frühzeitig planen – und einige Prinzipien beachten.

Wolfgang Becker
Richtfest für den Neustart. Unbedingt sollten Bauherren jenseits der 50 die Grundsätze des barrierefreien Bauens berücksichtigen. Entscheidend ist auch die Infrastruktur – etwa wie weit Ärzte, Geschäfte und kulturelle Einrichtungen entfernt sind. Foto: dpa
Richtfest für den Neustart. Unbedingt sollten Bauherren jenseits der 50 die Grundsätze des barrierefreien Bauens berücksichtigen....Foto: dpa-tmn

Irgendwann sind die Kinder aus dem Haus und die Rente ist in Sicht. Dann können sich die Ansprüche an das Wohnen ganz erheblich ändern. Viele Menschen jenseits der 50 wagen sich daran, die letzte Phase des Lebens völlig neu zu gestalten – mit einem Neubau. Aber mehr noch als beim ersten Bau muss mit 50 plus in jeder Hinsicht vernünftig geplant werden.

Im fortgeschrittenen Alter geht es beim Wohnen nicht allein um Hilfen für den Alltag und barrierefreie Räume, sondern auch um den Standort. „Die soziale Einbindung als Schutz vor Isolation spielt im Alter eine größere Rolle als der Blick ins Grüne“, sagt die Architektin Antje Bernier von der Hochschule Wismar. Wichtig sei die Anbindung an den Nahverkehr, die gute Erreichbarkeit von Geschäften, Ärzten sowie Bildungs- und Kulturangeboten. Breite Fußwege, Querungen mit Ampeln und vom Fußweg deutlich getrennte Radwege seien für Senioren besonders in einer Stadt mit viel Verkehr wichtig.

„Die Grundsätze des barrierefreien Bauens sind von vornherein wichtig, um eine lange Nutzung der Wohnung oder des Hauses allein und ohne fremde Hilfe zu ermöglichen“, erläutert Antje Bernier die wichtigste Vorgabe für den Neubau im Alter. Das Leben auf einer Ebene oder die schwellenfreie Erreichbarkeit aller Ebenen sei entscheidend, wenn der altersschwache Körper nicht mehr jede Bewegung wie etwa das Treppensteigen mitmachen kann.

Sie nennt beispielsweise ausreichende Bewegungsflächen, breite Türöffnungen und tiefe Fensterbrüstungen ein „Muss“. Aber auch eine kontrastreiche Gestaltung der Räume zur Entlastung der Augen gehöre dazu. „Die wenigsten Menschen landen im Alter im Rollstuhl, aber die meisten sind sehbehindert“, sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. Daher brauchen ältere Menschen auch gute Lichtverhältnisse im Haus. Das bedeutet: Weniger direkte Sonneneinstrahlung, aber mehr Beleuchtung und klare Kontraste.

Auf solche Fragen für älteres Klientel haben sich einige Architekten spezialisiert, wie Corinna Seide von der Bundesarchitektenkammer in Berlin erklärt. Eine Suchhilfe nach Architekten mit dem Schwerpunkt Barrierefreies Bauen bietet der Bund Deutscher Architekten (www.bda-bund.de), wo Mitglieder gefiltert nach Bauaufgabe oder Fachgebiet sowie nach Bundesland gesucht werden können.

Sind die Kinder mal weg, bleiben leere Räume zurück. Aber zu klein sollte ein Neubau auch nicht sein, findet Reinhold-Postina. Denn: „Je älter man mit dem Partner wird, desto wichtiger ist auch eine Rückzugsmöglichkeit in den eigenen vier Wänden.“ Auch die Größe des Gartens sollte im Alter nicht in allen Fällen geschmälert werden: Zwar werde über den Pflegebedarf eines großen Gartens oft gestöhnt, aber er könne auch ein Ort des Rückzugs und ein Hobby sein. „Gerade mit abnehmender Mobilität gewinnt ein Garten an Attraktivität“, sagt Reinhold-Postina. Vorteilhaft sei hier aber weniger ein englischer Rasen als ein naturnaher Garten, der weniger Pflege braucht.

Auch der späte Hausbau muss finanzierbar sein. „Nicht einfach nur hoffen, dass es geht, sondern sich rechtzeitig darum kümmern“, rät Reinhold-Postina. Wichtig sei es vor allem, sich frühzeitig über die Finanzierung eines späten Neubaus Klarheit zu verschaffen und dessen zeitige Abbezahlung zu bedenken. „Beim Eintritt ins Rentenalter sollte man genug angespart haben, damit das eigene Haus kein Klotz am Bein wird. Was habe ich davon, erst im Alter von 80 Jahren schuldenfrei zu sein?“, fragt Reinhold-Postina. Dabei haben viele Ältere zumindest etwas Geld für Baumaßnahmen auf die Seite gelegt: „Jeder dritte neue Bausparer ist über 50“, sagt Andreas J. Zehnder, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Privaten Bausparkassen in Berlin. Klassischerweise diene der Bausparvertrag in diesem Alter aber als Vorsorgevertrag für Modernisierungen und für eine energetische Sanierung.

„Aber nicht nur die Häuser kommen ins Alter. Auch die Menschen, die darin wohnen. „An später denken“ sollte deshalb bei einem Bau oder Kauf die Devise lauten“, betont Zehnder. Denn schon allein die vorhandene Immobilie nur altersgerecht umzubauen, könnte leicht zwischen 25 000 und 35 000 Euro verschlingen, zum Beispiel für den Aufbau einer Rampe mit Plattenbelag, die Verbreiterung der Eingangstür, für Schwellenabsenkungen, den Umbau des Badezimmers und den Einbau eines Treppenliftes. dpa

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