Immobilien : "Eine Frage der Vernunft"

CHRISTOF HARDEBUSCH

Hierzulande verbinden viele das Wort Ökologie mit Ökosteuer, Mehrausgaben, Arbeitsplatzverlusten.Nicht so in der Schweiz.Die dort ansässige UBS, eine der zweitgrößte Bank der Welt, will ihren Energieverbrauch bis zum Jahr 2000 um 30 Prozent senken.Davon können hierzulande selbst die Grünen nur träumen.Wie gut sich Geld und Umweltschutz vertragen können, zeigt "Suglio", ein Bürokomplex der UBS bei Lugano.Er konsumiert nur halb soviel Heizenergie und Trinkwasser und 70 Prozent weniger Strom als konventionelle Bürogebäude.Christof Hardebusch sprach mit dem zuständigen Bauchef der UBS, Paul Lampert.

TAGESSPIEGEL: Ihre Bank hat Büroflächen von mehr als 200 000 Quadratmeter unter ökologischen Kriterien erstellt.Hätte für den Anfang ein kleineres Gebäude nicht gereicht?

LAMPERT: Natürlich.Aber "Suglio" hat sich angeboten, weil es vollkommen neu zu planen war.

TAGESSPIEGEL: In Deutschland gelten Bürogebäude bereits als ökologisch, wenn sie auf die Klimaanlage verzichten.Geht "Suglio" darüber hinaus?

LAMPERT: Ja.Wir haben schon in der Planungsphase die Themen Energie und Architektur gleichwertig behandelt.In einem Pflichtenheft haben wir vorab vom Strombedarf bis zu den Baukosten alle Rahmendaten festgelegt.Bereits die Baustoffe sind auf ihre Umweltverträglichkeit hin ausgewählt.Den Schwerpunkt legen wir aber auf den Energiesektor.Sparmaßnahmen und innovative Techniken gehen dabei Hand in Hand: Zum Beispiel Computer, die wenig Strom verbrauchen, plus Solarstrom.

TAGESSPIEGEL: Rechnen sich diese Maßnahmen?

LAMPERT: Die Mehrzahl ist wirtschaftlich, andere noch nicht.Zum Beispiel kühlen wir im Sommer Büros, indem wir in der Decke kaltes Wasser durchleiten.Im Vergleich zu einer Klimaanlage spart das ein Drittel der Investitionskosten.Das dafür nötige Wasser kühlen wir im Grundwasser.An das kommen wir in Lugano leicht heran, weil es nur drei Meter unter der Erdoberfläche steht.

TAGESSPIEGEL: Brauchen Ihre ökologischen Büros den ökologischen Mitarbeiter?

LAMPERT: Auch das raffinierteste Gebäude funktioniert nur, wenn die Benutzer mitspielen.Die größte Umstellung ist vermutlich die fehlende Klimaanlage.Im Hochsommer kann die Bürotemperatur schon mal statt auf die üblichen 22 Grad auf 25 Grad ansteigen.

TAGESSPIEGEL: Hatten Sie Angst, daß die Mitarbeiter das Gebäude ablehnen?

LAMPERT: Wir haben es darauf nicht ankommen lassen.In einem Testgebäude haben wir 18 Monate lang alle technischen Neuerungen unter Praxisbedingungen erprobt.Die Ergebnisse gingen maßgeblich in die Gestaltung von "Suglio" ein.Das hat uns auch von einer für Planer von Bürobauten typischen Angst befreit: der Angst, zu wenig Leistung für Beheizung, Kühlung und Strom einzubauen.Überall auf der Welt werden aus dieser Angst heraus Anlagen mit viel Leistung installiert.Das ist weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll."Suglio" ist dagegen so gebaut, daß fehlende Leistung jederzeit nachgerüstet werden kann.Das wird aber wohl nie nötig werden.Denn neue Bürotechnik verbraucht zumeist weniger Energie als die Vorgängergeneration.

TAGESSPIEGEL: UBS will bis zum Jahr 2000 30 Prozent weniger Energie verbrauchen."Suglio" ist da nur ein Schritt.Sparen Sie den Rest, indem Sie Mitarbeiter entlassen, oder wird die Schweiz jetzt von Suglio-Kopien übersäht?

LAMPERT: Das Einsparziel geht von stabilen Beschäftigungszahlen aus.Tatsächlich beschäftigen wir heute mehr Leute als 1990.Wir erreichen unser Ziel auch nicht durch Neubauten.Sondern vor allem mit Verbesserungen in unseren bestehenden Bürogebäuden.Wir kommen schon ein großes Stück weiter, wenn wir einfach die EDV auswechseln.Computer und zugehörige Haustechnik sind die größten Stromverbraucher im Büro.Sicher ist: Ökologie und Ökonomie sind keine Gegensätze.Wer für seine Baumaßnahmen sorgfältig Kriterien und Kostenmargen festlegt, kann sogar Geld sparen.Außerdem darf ökologisches Bauen nicht nur vom Geld abhängen.Das ist eine Frage der Vernunft.

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