Immobilien : "Eine Lücke geschlossen"

Erdgas und Sonnenenergie sollen sich künftig ergänzen.Der Berliner Energieversorger Gasag läßt sich das sogar etwas kosten: 2000 DM erhält jeder Besitzer eines gasbeheizten Ein- oder Zweifamilienhaus, wenn er eine thermische Solaranlage zur Unterstützung von Heizung und Warmwasserbereitung einbaut.Anlagen für Mehrfamilienhäuser fördert der Energieversorger in Sanierungsgebieten, wenn die Kollektorfläche mindestens 50 Quadratmeter groß ist.Eine Million DM gibt die Gasag für dieses Programm aus.Über die Bedeutung des neuen Förderprogramms sprach Christof Hardebusch mit dem Geschäftsführer der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS), Carsten Körnig.

TAGESSPIEGEL: Wer seine Erdgasheizung mit einer Solaranlage kombiniert, erhält künftig Zuschüsse von der Gasag.Ist das der Durchbruch für Ihre Branche?

KÖRNIG: Die Förderung macht den Einsatz von Sonnenenergie für den Endverbraucher lukrativer.Wir verbinden mit dem neuen Gasag-Programm aber auch die Hoffnung, daß von nun an mit jeder Heizungsumstellung auf Erdgas und jeder Modernisierung von alten Gasheizungen auch der Einsatz von Solarenergie ein Thema für den Bauherren wird.Auch sollte die Gasag Heizungsinstallateure dazu ermuntern, aktiv von sich aus solarthermische Anlagen anzubieten und nicht nur auf Kundenanfragen hin zu reagieren.

TAGESSPIEGEL: Das Gasag-Programm ist nicht der einzige Topf für Solaranlagen.Paßt er in die Berliner Förderlandschaft?

KÖRNIG: Ja, und er füllt sogar eine seit Jahren bestehende Lücke.Bislang hatten thermische Solaranlagen in Berlin nur dann Aussicht auf Förderung, wenn sie auf Altbauten installiert wurden.Nun können zumindest die Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern ihr Haus unabhängig vom Gebäudealter mit Sonnenkollektoren bestücken, wenn sie eine Gasheizung haben.Der Gasag-Zuschuß macht bei einer konventionellen Einfamilienhausanlage 15 bis 20 Prozent der Gesamtkosten aus.Wenn diese Mittel wie von der Gasag angekündigt mit den Landeszuschüssen für die Altbaumodernisierung kombiniert werden können, bekommen Eigentümer älterer Ein- und Zweifamilienhäuser sogar einen Zuschuß von 50 Prozent ihrer Investition.Leider ist die Berliner Förderlandschaft aber etwas unübersichtlich.Für Bauherren wäre es ein deutlicher Fortschritt, wenn sie eine einzige Anlaufstelle hätten statt vier oder fünf.Mindestens ebenso wichtig wie die Höhe der Förderung und die Bündelung der Kräfte ist meines Erachtens das Marketing.Deshalb werde ich mich mit Nachdruck für eine Imagekampagne stark machen.Ich hoffe, daß wir hier mit der Gasag und der Stadt an einem Strang ziehen können.

TAGESSPIEGEL: Umweltsenator Peter Strieder (SPD) hat in diesem Zusammenhang Informationsblätter versprochen, die als Wurfsendung in Einfamilienhaussiedlungen verteilt werden sollen.Ist das der richtige Weg?

KÖRNIG: Nur wenn es kombiniert würde mit einer großangelegten Medienkampagne und einer Plakataktion, so daß das Thema Solarenergie im Stadtbild präsent ist.Wenn die Umweltverwaltung das nicht leisten kann, müssen die großen Energiedienstleister Gasag und Bewag einspringen.Andere Kommunen, zum Beispiel Bonn oder Nürnberg, machen uns vor, wie wirksam solche Kampagnen sein können.Sicher lassen sich dafür auch Sponsoren finden.Für unsere aktuelle Verlosung von Solaranlagen haben wir ja auch problemlos Unterstützung gefunden.

TAGESSPIEGEL: Große solarthermische Anlagen bezuschußt die Gasag nur in Sanierungsgebieten.Bekommt dort tatsächlich auch jedes Mietshaus eine Solaranlage?

KÖRNIG: Das wäre schön, zumal die Wohnungswirtschaft ähnliches in einer freiwilligen Selbstverpflichtung zugesagt hat.Bei Mietshäusern stellt sich oft das Problem, daß nicht der Vermieter von eingesparter Energie profitierten, sondern nur der Mieter.Innovative Finanzierungsmodelle würden hier weiterhelfen.Deshalb begrüßen wir, daß die Gasag sich stärker für Energiesparpartnerschaften durch Contracting engagieren will.Contracting bedeutet, daß ein Energiedienstleister, und da ist die Gasag nur einer von vielen, die komplette Energieversorgung von Gebäuden einschließlich der Wartung der Heizung übernimmt.Der Dienstleister stellt dem Eigentümer eine moderne Heizzentrale in den Keller und verdient daran, daß der Nutzer Energie spart.In dem Fall bietet sich die Kombination von Erdgas und Sonnenenergie natürlich an.Im Contracting steckt ein riesiger Zukunftsmarkt mit vielen neuen Arbeitsplätzen und viel Schubkraft für die Verbreitung von Solaranlagen.

TAGESSPIEGEL: Die Umweltverwaltung will Berlin zur Solarhauptstadt machen.Wie lang ist der Weg dahin?

KÖRNIG: Das neue Gasag-Programm ist ein weiterer Stein auf dem Weg dorthin.So schnell wie erhofft wird es aber nicht gehen.Die Berliner Wohnungswirtschaft versprach, bis 1998 rund 3500 Quadratmeter Sonnenkollektorfläche zu installieren.Tatsächlich sind es unseres Wissens aber erst 1500.Zwar haben die Wohnungsverbände die aktuellen Zahlen noch nicht auf den Tisch gelegt, aber ich sehe die Gefahr, daß die zugesagten Größenordnungen nicht erreicht werden.

TAGESSPIEGEL: Das klingt, als ob es ihrer Branche schlecht ginge.

KÖRNIG: Das nicht, aber andere Städte und Gemeinden sind uns voraus.Bundesweit wächst die Branche in diesem Jahr voraussichtlich um mehr als 30 Prozent.Die Berliner Firmen werden diesen Wert nicht erreichen.Wir hoffen aber in diesem Jahr auf den Absatz von 1000 Kleinanlagen.Dazu bedarf es weiterer Anstrengungen.Nur wenn es gelingt, aus der weitverbreiteten Sympathie für Solarenergie eine wirtschaftliche Nachfrage zu erzeugen, kann Berlin ein bedeutender solarer Wirtschaftsstandort werden und seine Ziele im Klimaschutz erreichen.

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