Immobilien : Feuchte Mauerwerke auf Entzug

Wie lange dauern Austrocknungsprozesse, wenn Kelleraußenwände nachträglich abgedichtet werden?

WAS STEHT INS HAUS?

Ich wohne in einem Altberliner Mietshaus. Da die Kelleraußenwände nass und salzverkrustet waren, hat unser Vermieter im vergangenen Jahr durch eine Sanierungsfirma Abdichtungsmaßnahmen nachträglich ausführen lassen. Dabei wurde die Kelleraußenwandfläche rasterförmig durchbohrt und ein Gel zwischen Mauerwerk und Erdreich injiziert, das sich flächig vor der Wand verteilen soll. Die Wände sind aber noch nass, und es sind sichtbare Ausblühungen vorhanden. Da der Kellerfußboden auch nach wie vor noch feucht ist, frage ich Sie, ob da nicht gepfuscht wurde?

WAS STEHT IM GESETZ?

Bei dem von Ihnen geschilderten Zustand der Kellerwand muss man nicht zwangsläufig davon ausgehen, dass es sich um Pfusch handelt. Kann bei Altbauten eine nachträgliche Abdichtung nicht nach den anerkannten Regeln der Technik der DIN 18195 ausgeführt werden, kann man nur alternative Abdichtungen anwenden. Die Merkblätter der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e. V. (WTA) enthalten diese Alternativen. Die an Ihren Kellerwänden ausgeführte Sanierungsart wird Gel- oder auch Schleierinjektion genannt. Dabei wird das Mauerwerk durchbohrt und ein Gel injiziert, das sich ähnlich einem Schleier zwischen Wandoberfläche und angrenzendem Erdreich verteilen soll. Diese alternative Abdichtung ist für erdanliegende Wände geeignet, die nicht von außen abgegraben werden können. Ist die Abdichtung fachgerecht hergestellt, wird der Wandquerschnitt nicht sofort trocken sein. Er kann nur nach innen austrocknen. Jahrzehntelang zuvor eingetragene Salze aus dem angrenzenden Erdreich werden bis zur Wandinnenseite transportiert und kristallisieren aus. Dieser chemische Prozess ist sowohl bei fachgerechter Sanierung als auch bei nicht abgedichteten Teilflächen sichtbar möglich und daher kein Hinweis darauf, dass die Sanierung nicht erfolgreich war und Abdichtungsleckagen bestehen könnten. Die Austrocknung dauert Jahre. Die sichtbaren Anzeichen müssen Sie somit akzeptieren.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Die Schleierinjektion ist eine geeignete und gängige Abdichtungsalternative im Altbau. Um den Erfolg der Instandsetzung zu prüfen, sollte man Langfristigkeitsmessungen des Feuchtegehaltes an den instand gesetzten Wänden durchführen. Da Ihr Altbau wahrscheinlich keine Abdichtung im Fußboden besitzt, kann es wie zuvor bei entsprechenden hydrologischen Bodenverhältnissen zum Feuchtigkeitseintrag am Kellerfußboden kommen. Die Ausführung der Schleierinjektion der Wand hat darauf keinen Einfluss. Eine umfassende Abdichtung auch des Kellerfußbodens ist häufig in Altbauten nicht herstellbar oder nur mit unangemessen hohen Kosten möglich. Sollte die Schleierinjektion in Teilflächen unwirksam sein, müsste sie nachinjiziert werden, was jedoch dem alternativen Verfahren geschuldet ist. Pfusch ist es deshalb noch nicht.

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