Gewitter : Immer mehr Blitze - da hilft nur sichern und versichern

Gewitter führen jedes Jahr zu Milliardenschäden. Optimal geschützt sind nur wenige Häuser.

Veronika Csizi

Sie sind dünner als Besenstiele. Gleichzeitig jagen Stromstärken von bis zu 400000 Ampere durch sie hindurch und sie können viermal heißer werden als die Oberfläche der Sonne: Mehr als 2,5 Millionen Blitze sind im vergangenen Jahr über Deutschland eingeschlagen. Die meisten davon in den Sommermonaten Juni bis August.

Die Schäden, die Blitzeinschläge an Häusern und Wohnungen anrichten können, sind gewaltig: Die Ströme können dünne Drähte schmelzen oder Gegenstände so erwärmen, dass entzündliche Stoffe in Gebäuden in Brand geraten. Schlimmstenfalls kann das ganze Haus abbrennen. Sucht sich ein Blitz seinen Weg über feuchte Wände oder Balken, wird schlagartig Wasserdampf gebildet, der explosionsartig Dach- und Wandteile auch ohne Brand zerstören kann.

Weit häufiger noch sind Überspannungsschäden, die selbst ein Blitz in zwei Kilometern Entfernung noch anrichten kann. Überspannungen dringen über die Leitungen für Strom, Telefon, Daten oder Kabelfernsehen ins Haus ein und können Geräte wie Fernseher, Computer oder Telefonanlagen beschädigen oder zerstören. Eine Milliarde Euro mussten deutsche Versicherer in den letzten fünf Jahren für solche Schäden zahlen – Tendenz steigend. Denn aufgrund des Klimawandels sei „mit einer Zunahme der Blitzaktivität in Deutschland und damit auch mit einer Zunahme der Überspannungsschäden zu rechnen“, befürchtet Klaus Ross vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. Allein zwischen 2004 und 2007 ist die Zahl der über Deutschland georteten Blitze von 1,75 auf 2,66 Millionen gestiegen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Blitzdichte gar nahezu verfünffacht.

Haus- und Wohnungsbesitzer können sich zwar nicht vor Einschlägen, aber vor deren zerstörerischen und finanziellen Folgen schützen: Die Installation eines kompletten Blitzschutzsystems ist zwar bei privaten Bauten meist freiwillig, macht aber vor allem bei Häusern Sinn, die ihre Umgebung überragen, also beispielsweise auf Hügeln stehen oder besonders hoch sind, Dacheindeckungen aus Holz oder innen eine wertvolle elektronische Ausstattung besitzen. Beim Neubau eines Einfamilienhauses ist nachVerbandsangaben mit Kosten ab 2200 Euro oder etwa einem Prozent der Bausumme zu rechnen. Dafür erhält das Haus einen äußeren Schutz, der den Blitz abfängt, in die Erde umleitet und damit die Brandgefahr beseitigt – eben den bekannten Blitzableiter. Hinzu kommt ein innerer Schutz, der Bewohner und Elektronik vor Stromschäden schützt. Auch ein nachträglicher Einbau ist möglich, wenn auch deutlich teurer. Kernstück des inneren Blitzschutzes zum Schutz vor Überspannungsschäden ist der Blitzstromableiter, der am Stromzählerkasten beziehungsweise an der zentralen Stromversorgung eines Hauses installiert wird. Außerdem werden Überspannungsableiter an den Punkten montiert, an denen der Strom weiter im Haus verteilt wird und zusätzliche Geräte direkt zwischen Steckdose und Elektrogerät geschaltet. Hier sind auch kombinierte Module für den Schutz von Strom- und Datenleitungen erhältlich.

Alle Blitzexperten raten Hausbesitzern jedoch dringend, beim Einbau eines Blitzschutzes einen Fachmann zu Rate zu ziehen. Speziell ausgebildet sind vor allem Betriebe aus dem Verband deutscher Blitzschutzfirmen, der bundesweit knapp 150 Mitglieder hat. Daneben gibt es die Gütegemeinschaft für Blitzschutzanlagen mit 26 Firmen.

Haben die Naturgewalten dennoch zugeschlagen und den Dachstuhl angeschmort oder die Sat-Anlage ruiniert, schlägt die Stunde der Versicherungen. Grundsätzlich helfen zwei Policen bei Gewitterschäden: Zum einen die Gebäudeversicherung, zum anderen die Hausratversicherung. Erstere schützt das Gebäude und alle fest damit verbundenen Teile, die zweite das Innenleben, greift also beispielsweise, wenn ein Blitzeinschlag den PC ruiniert hat. Doch Vorsicht: In den meisten Fällen ist die Regulierung von Überspannungsschäden auf fünf Prozent der versicherten Summe beschränkt. Manche Gebäudeversicherungen zahlen auch nur, wenn ein direkter Blitzeinschlag nachweisbar ist. Auch bei Hausratversicherungen ist der Leistungskatalog sehr unterschiedlich. Verbraucherschützer raten hier, den Vertrag genau zu überprüfen und gegebenenfalls zu einem anderen Anbieter zu wechseln oder durch Zahlung einer höheren Prämie den Versicherungsschutz exakt dem Wert von Haus und Hausrat anzupassen.

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