Immobilien : Grazile Schönheiten

Die vielen Arten der Akelei haben nur eines gemeinsam: den eigenartigen Blütenbau

Tassilo Wengel

Jeder kennt sie, die zarten Blüten der Akelei, die auf manchen Staudenrabatten oder in naturnahen Bereichen der Gärten auffallen. Schon seit dem Mittelalter wurden diese alten und beliebten Gartenblumen in Kloster- und Bauerngärten angepflanzt. Damals nutze man vor allem die heimische blaublütige Waldakelei (Aquilegia vulgaris) zu Heilzwecken und verwendete den gepressten Saft der zerkleinerten Pflanze gegen Hautausschläge. Heute hat die Akelei keine Bedeutung mehr als Heilpflanze, sondern ist ausschließlich eine formen- und farbenreiche Zierpflanze. Während die Pflanzen in der Natur vollkommen geschützt sind, bieten Gartencenter vom Frühjahr bis zum Herbst Pflanzen aus kultivierten Beständen an, zu denen neben dieser Waldakelei auch andere Arten und Sorten gehören.

Die Gattung Akelei (Aquilegia) umfasst – je nach Auffassung – 120 bis 200 Arten, die auf die gemäßigten Gebiete der nördlichen Halbkugel beschränkt sind und nicht nur recht unterschiedliche Standorte besiedeln, sondern auch in Größe und Habitus abweichen. Allen gemeinsam ist allerdings der grazile, eigenartige Blütenbau, der den Pflanzen einen Schwung Leichtigkeit verleiht. Die überhängenden Blüten erscheinen am Ende eines Stängels und bestehen teilweise aus trichterförmigen Blütenblättern, die am Ende einen hakenförmigen Sporn haben. Im Grunde dieses Sporns liegt das Nektarium, eine Nektar absondernde Drüse, die vor allem Hummeln anlockt. Sie beißen oft von außen diesen Nektar führenden Sporn an, um an den Honig zu kommen und sorgen beim Besuch der Blüte gleichzeitig für die Bestäubung.

Die Länge dieses Sporns ist ein wesentliches Merkmal zur Unterscheidung von Arten verschiedener Herkünfte. Während bei den europäischen und asiatischen Arten der Sporn kürzer ist, zeichnen sich einige amerikanische Arten wie zum Beispiel Aquilegia canadensis, Aquilegia chrysantha und Aquilegia caerulea, durch einen sehr langen Sporn aus.

Aus diesem Grund haben sie einen besonderen Anteil an der Züchtung attraktiver Gartensorten, deren Markenzeichen neben dem langen Sporn auch große Blüten in den Farben Blau, Gelb, Rosa, Karmin und Weiß sind. Zu dieser Sortengruppe gehören die prächtigen Mc Kana-Hybriden, die 70 bis 90 Zentimeter Höhe erreichen und als farbenprächtige Pflanzen auf sonnige bis halbschattige Rabatten passen. In diese Gemeinschaft lassen sich auch andere Akelei-Sorten fügen, die vor allem von der Waldakelei abstammen und sich durch kleinere Blüten mit kurzem Sporn unterscheiden.

Empfehlenswerte Nachbarn können Rittersporne, Flammenblumen, Sonnenhüte und Funkien sein.

Breit ist das Spektrum der Wildarten, die nicht nur in ihrer Größe, sondern auch hinsichtlich der Ansprüche sehr unterschiedlich sind. Es reicht von hohen Arten für Naturgärten bis hin zu kleinen, heiklen Arten, die sich für Steingärten oder Tröge empfehlen.

Neben der schon erwähnten Wald-Akelei gedeihen vor allem Arten wie Aquilegia alpina, Aquilegia atrata, Aquilegia caerulea oder Aquilegia chrysantha problemlos. Sie benötigen tief gründige, humus- und nährstoffreiche Böden mit ausreichender Feuchtigkeit und kommen am besten in naturnahen Pflanzungen am Rande von Gehölzen zur Geltung. Sie lassen sich gut mit niedrigen Arten wie Kaukasus-Vergissmeinnicht, Frauenmantel oder Storchschnabel kombinieren. Da Akelei jedes Jahr reichlich Samen ansetzen, stellt sich schnell üppiger Nachwuchs ein. Empfehlenswert ist, ordnend einzugreifen und einen Teil der Pflanzen zu entfernen.

Mehr Sonne und weniger feuchten Boden benötigt dagegen Aquilegia canadensis. Diese anspruchslose Art erreicht etwa 20 bis 30 Zentimeter Höhe und besticht durch sehr schmale, graziöse Blüten in Rot-Gelb.

Diese zierlichen Arten werden seltener im Handel angeboten und gelten daher eher als Liebhaberpflanzen. Gelegentlich erhältlich ist Aquilegia akitensis aus Japan und von den Kurilen. Diese Art wird 15 bis 20 Zentimeter hoch und trägt über blau bereiften, schön geschnittenen Blättern blauweiße, kurz gespornte Blüten. Sie wird auch als Aquilegia akitensis var. kurilensis oder ,Ministar‘ angeboten. Dazu gibt es eine sehr schöne rosafarbene Form, die als ,Rosea‘ verbreitet wird. Sehr dekorativ ist auch die Fächerblättrige Akelei (Aquilegia flabellata) mit blauweißen Blüten, von der man am häufigsten die Sorte ,Nana Alba‘ mit reinweißen Blüten findet.

Von den europäischen Arten eignet sich für Steingärten die violettblaue, einfarbige Aquilegia pyrenaica aus den Pyrenäen und Nordspanien. Sie wird ebenfalls 20 Zentimeter hoch und bildet große Blüten über grüner Blattrosette. Niedriger bleibt Aquilegia bertolonii aus den italienischen Meeralpen und den angrenzenden Gebieten Frankreichs, die mit rein violettblauen Blüten aufwarten kann.

Eine sehr zierliche Art ist die Kalifornische Zwergakelei (Aquilegia schokleyi ,Nana‘). Sie wird zehn bis 15 Zentimeter hoch, ist sparsam verzweigt und hat dreiteilige Blätter. Die Blüten hängen herab, haben einen roten Sporn und sind innen gelb gefärbt.

Schließlich soll noch die Jones-Akelei (Aquilegia jonesii) aus den Big Horn Montains erwähnt werden. Sie gilt als Juwel unter den klein bleibenden Akeleien. Ihre Blätter sind weißlich grau, sehr fein geteilt, darüber sitzen die straff nach oben gerichteten dunkelblauen Blüten mit einem langen Sporn. Sehr durchlässige, schotterige Mischungen und der Schutz vor Winternässe sind nötig, damit diese sehr anspruchsvollen Pflanzen erhalten bleiben.

Alle niedrigen Arten benötigen durchlässigen, mit Humus angereicherten Boden und Schutz vor Mittagssonne. Man pflanzt sie am besten in Nischen im Steingarten oder vor Zwerggehölze, auch für Pflanztröge lassen sie sich mit anderen alpinen Arten gut verwenden

Die Anzucht aller Akelei erfolgt vor allem durch Aussaat im Frühjahr oder Sommer in Töpfe oder Schalen. Dazu verwendet man am besten keimfreie Aussaaterde, sät möglichst dünn und bedeckt die Samen nur leicht. Nach zwei bis drei Wochen keimen die meisten Arten und können einzeln in Töpfe gepflanzt werden. Im Herbst oder im folgenden Frühjahr erhalten sie ihren endgültigen Standort.

Bezugsquellen für Samen und Pflanzen: Uwe Knöpnadel, Husumer Weg 16, 26441 Jever, Telefon: 044 61/37 63, Fax: 044 61/23 07

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