Immobilien : Grüne Stadtoasen

Historische Gärten und Parks sind der Schwerpunkt beim diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“

Waltraud Hennig-Krebs

Wem kommen nicht sogleich weitläufige Grünflächen mit gepflegten Beeten, Villen, umgeben von schönen Gärten, oder liebevoll bepflanzte öffentliche Anlagen in den Sinn, wenn er das Thema zum „Tag des offenen Denkmals“ hört: „Rasen, Rosen und Rabatten – Historische Gärten und Parks“. Bundesweit werden an diesem Wochenende vielerorts neben Bau-Denkmalen vor allem Parkanlagen sowie unterschiedlich gestaltete Gärten vorgestellt. Bei Führungen oder in Ausstellungen besteht die Möglichkeit, die vielen Facetten der (Garten-)Denkmalpflege kennenzulernen, seien es laufende Projekte oder bereits rekonstruierte Anlagen.

Dass Berlin nicht nur viel Grün mit dem Grunewald oder am Müggelsee zu bieten hat, weiß jeder, der mit offenen Augen durch die Stadt streift. Doch dieses Wochenende gibt dem Landesdenkmalamt Berlin Gelegenheit, das hauptstädtische Grün einmal kompakt unter historischen Aspekten vorzustellen. Denn das Spektrum reicht vom privaten Garten bis zu den ausgedehnten Parkanlagen der Schlösser-Landschaft Berlin-Potsdam. Und auch bei den Siedlungen der Zwanzigerjahre (Schillerpark, Carl Legien, Ring-, Hufeisensiedlung, Falkenberg und die Weiße Stadt), für die die Bundesrepublik die Aufnahme in die Welterbeliste der Unesco beantragt hat, bilden die von Gartenarchitekten gestalteten Grünflächen einen integralen Bestandteil der denkmalgeschützten Gesamtanlagen.

Berühmte Namen sind mit Berliner Gartendenkmalen verbunden: beispielsweise mit Gustav Meyer (1816-1877), dem ersten Städtischen Gartendirektor Berlins und Schüler von Lenné, der ebenso wie Erwin Barth unter anderem „Volksgärten“ schuf, Erholungsstätten für die Bevölkerung, wie den Humboldt- und Friedrichshain oder den Treptower Park und den Volkspark Jungfernheide. Aber auch Wenzeslaus von Knobelsdorff und natürlich Peter Josef Lenné sowie Lieberecht Migge, Ludwig Lesser und Willy Alverdes hinterließen ihre grünen Spuren.

Insgesamt werden am Wochenende in Berlin über 350 Denkmale vorgestellt. Neben erhaltungswürdigen Objekten, wie Gutshöfen, Kirchen, Friedhöfen oder auch Industriebauten, werden vor allem die „grünen Schätze“ gezeigt und erläutert. Einige sind bereits wieder hergestellt, an anderen wird noch gearbeitet. Aus der Fülle des Angebots seien nur einige genannt.

So erfährt man beispielsweise, wie sich der Berliner Lustgarten im Laufe der Zeit verändert hat, bekommt während einer literarischen Führung den von Gustav Meyer angelegten Köllnischen Park nahegebracht und lernt den Volkspark am Weinbergsweg kennen. Nur wenigen dürfte auch bekannt sein, dass der Architekt des heutigen Hauses der Kulturen der Welt (ehemalige Kongresshalle), Hugh A. Stubbins, an dem von Hans Migge konzipierten Entwurf der Außenanlagen mit Natursteinmauern, Staudenbeeten und Sitzplätzen beteiligt war und die Auswahl der Materialien und Pflanzen vom ehemaligen Direktor des Tiergartens, Willy Alverdes, getroffen wurde. Auch den gesamten Verlauf der ehemaligen Wasserstraße Luisenstädtischer Kanal dürfte kaum jemand kennen. Wo dieser einst floss und wie er zum „Grünen Kanal“ wurde, bekommen die Besucher während eines Spaziergangs fachkundig erläutert.

Vorgestellt wird auch die höchste natürliche innerstädtische Erhebung Berlins, der Kreuzberg. Um ihn herum wurde der romantische Viktoriapark Ende des 19. Jahrhundert angelegt und später erweitert. Jugendliche geben Auskunft zur Geschichte des Parks, die sie in einem Workshop erarbeitet haben.

Völliges Neuland ist für viele vermutlich die Erich-Weinert-Siedlung in Niederschönhausen. Dort liegt das Wohnhaus mit Garten des Malers und Widerstandskämpfers Max Lingner. Der Entwurf stammt aus den 1950er-Jahren und ist in seiner ursprünglichen Gliederung erhalten. Aber auch so bekannte Anlagen wie der Lietzenseepark, die Schlossgärten von Bellevue und Charlottenburg oder der Garten des Georg-Kolbe-Museums werden von Fachleuten aus gartendenkmalpflegerischer Sicht erklärt.

Das gilt auch für den in landschaftlich schöner Lage am Havelufer gelegenen Garten der Villa Oeding. Sein besonderer Reiz liegt nicht nur in der einzigartigen Terrassenanlage mit Stauden- und Wassergarten, sondern auch in der Verwendung von Elementen des japanischen Teegartens. Als letztes Zeugnis des Schaffens von Erwin Barth wird seit einigen Jahren der an einem Steilhang gelegene Landhausgarten Fränkel wiederhergestellt. Barth hatte den von der Gartenbaufirma Ludwig Späth einstmals formal gestalteten Garten in den Jahren 1925-1930 um eine landschaftliche Partie erweitert. Die halbstündigen Führungen bieten einen Überblick über den Stand der Rekonstruktionsarbeiten.

Besonders bemerkenswerte „grüne Schätze“, die besichtigt werden können, bietet Zehlendorf, sei es der Jugendstil-Garten des Krankenhauses Waldfriede, die Gärten der Mies-van-der-Rohe-Villen oder die Anlagen der Häuser Werner, de Buriet, Kretzschmar, Liebermann oder die Colonie Alsen am Großen Wannsee.

Erhaltungswürdige und sehenswerte Gartendenkmale gibt es aber auch in Neukölln. So wurde beispielsweise im alten Rixdorf der Comenius-Garten errichtet, der den Lebensweg des Menschen nachzeichnet – von der Geburt bis zum Tod. Bekannter dürfte jedoch der Körnerpark sein. Die im neobarocken Stil gehaltene Anlage liegt rund sechs Meter tiefer als die sie umgebenden Wohnstraßen und ist streng axial gegliedert. Elementarer Bestandteil ist die Brunnenanlage. Und auch das kleine, aber feine, aufwendig restaurierte Schloss Britz mit Herrenhaus, Park und Gutshof kann sich sehen lassen und lädt zu einem Besuch ein.

Natur pur dagegen erwartet die Besucher im Landschaftspark Johannisthal/Adlershof. Ein etwa zwei Kilometer langer Promenadenweg umschließt das unter Naturschutz stehende ehemalige Flugfeld, das nun den „kleinen Flugkünstlern der Natur“ vorbehalten ist. Vergangenheit ist auch die Ära Friedrichshagens als Kurort. Führungen durch den 1880 angelegten Park mit dem 1936/37 geschaffenen Senkgarten sollen an diese Zeit erinnern und auch daran, dass auf den Tennisplätzen deutsche Meisterschaften ausgetragen wurden und im 1930 errichteten Naturtheater Walter Felsenstein seine ersten Inszenierungen zeigte. Doch nicht nur in Berlin gibt es viel zu sehen, auch Potsdam und Brandenburg zeigen ihre kulturellen Schätze.

Informationen: Im Internet unter www.tag-des-offenen-denkmals.de. Aktuelle Auskünfte: Hotline 25 79 67-71/-72, Internet: www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/denkmaltag. Das Programm für Berlin gibt es in den Edeka-Geschäften.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben