Günstig gelegen : Riesengewerbegebiet entsteht am Betriebsbahnhof Schöneweide

Das Gelände des Rangierbahnhofs in Schöneweide wird in ein Gewerbegebiet umgewandelt. Mit Produktionsstandorten an der "Gleislinse" will das Land die Abwanderung von Gewerbe verhindern. Dafür werden Tausende Zauneidechsen umgesiedelt und die S-Bahnstation bekommt einen neuen Namen.

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Der alte Betriebsbahnhof Schöneweide bekommt Anschluss an Adlershof. Die Deutsche Bahn will ab 2017 mit dem Verkauf von Gewerbegrundstücken beginnen.
Der alte Betriebsbahnhof Schöneweide bekommt Anschluss an Adlershof. Die Deutsche Bahn will ab 2017 mit dem Verkauf von...Foto: 2015 Adlershof Projekt GmbH, D. Laubner

Auf dem Gebiet des ehemaligen Rangierbahnhofs und Bahnbetriebswerkes Schöneweide soll ein rund vierzig Hektar großes Gewerbegebiet entstehen. Es liegt im Südosten Berlins in unmittelbarer Nachbarschaft zum Technologiestandort Adlershof. Dies teilten Berlins Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG, Alexander Kaczmarek mit.

Das Areal der sogenannten Gleislinse wird mit einer Länge von knapp zwei Kilometern und einer Breite von bis zu 500 Metern eines der flächenmäßig größten Gewerbestandorte Berlins. Zum Vergleich: Die Länge des neuen Gewerbegebietes entspricht in etwa der Distanz zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule.

Die Erschließungsarbeiten sollen im Herbst beginnen. Das Entwicklungsgebiet soll bis 2020 fertig gestellt werden; der S-Bahnhof „Betriebsbahnhof Schöneweide“ soll in „Adlershof-Johannisthal“ umbenannt und zur Seite des Areals der Gleislinse hin geöffnet werden. Drei S-Bahn-Haltestellen lassen sich bequem vom Gelände aus erreichen: Berlin-Schöneweide im Norden, Johannisthal in der Mitte und Adlershof im Süden.

Das Investitionsvolumen für die Beräumung und Erschließung des gesamten Geländes wird von der Deutschen Bahn AG mit zirka 35 Millionen Euro angegeben. Davon trägt das Land Berlin rund 16 Millionen und die Deutsche Bahn AG etwa 17 Millionen Euro.

Die inzwischen abgeschlossene Verlegung der Gleisanlage vom südlichen zum nördlichen Rand des Areals habe die Deutsche Bahn AG sieben Millionen Euro gekostet, teilte der DB-Konzernbevollmächtigte Alexander Kaczmarek mit. Dieser rund drei Kilometer lange Gleisarm der Fernbahn wurde nach Norden verlegt, um das Gelände zur Johannisthaler Seite hin zu öffnen. Bahnflächen werden künftig etwa noch ein Zehntel des Gesamtareals ausmachen.

Die Nachfrage der Nutzer nach Logistikflächen ist weiterhin hoch

Das geplante Gewerbegebiet kommt zum richtigen Zeitpunkt. Die Hauptstadt Berlin ist nach Angaben des international tätigen Immobiliendienstleistungsunternehmens Savills derzeit mit rund zwei Milliarden Euro Umsatz deutschlandweit vorn und zieht internationale Investoren an. Der Nachfrageboom werde weiter anhalten, glauben die Analysten. Doch das Angebot könne bei Weitem nicht mit der gestiegenen Nachfrage Schritt halten. Die Nachfrage nach Logistikflächen – und nach Büroflächen – ist weiterhin hoch.

Grafik: Tagesspiegel/Gitta Pieper-Meyer

Das Areal ist verkehrstechnisch ideal angebunden. Es gibt einen S-Bahnanschluss und auf Wunsch von Investoren sogar an das Gleisnetz der Deutschen Bahn. Das Gelände ist über das Adlergestell und die Autobahn schnell zu erreichen; auch Regionalbahn- und Straßenbahnschienen liegen unmittelbar an. Die Deutsche Bahn AG wolle im kommenden Jahr mit dem Verkauf von Grundstücken beginnen, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit.

Rund um die S-Bahnhaltestelle sind ein kleinteiliger Einzelhandel sowie Dienstleistungen und Gastronomie geplant. Neben Büroraum auf etwa neun Hektar sollen auch „große Flächen für ein breites Spektrum an produzierendem Gewerbe“ bereitgestellt werden. Rund 26 Hektar sind dafür vorgesehen. Ergänzt wird die Planung durch eine öffentlich zugängliche Grünanlage, die auf etwa drei Hektar angelegt werden soll.

Das Gebiet selbst soll über zwei öffentliche Straßen erschlossen werden. Ab 2017/18 soll als Entree für das Entwicklungsgebiet der zukünftige Gustav-Hertz-Platz gebaut werden. Eine Fuß- und Radwegebrücke verbindet die Gleislinse laut Planung ab zirka 2020 mit den Wohn- und Erholungsgebieten östlich des Adlergestells.

Die Dampflokfreunde freuen sich über die Erhaltung des Lokschuppens

Stadtentwicklungs- und Bausenator Andreas Geisel will mit dem Gebiet die Abwanderungen von Gewerbebetrieben aus Berlin verhindern. Mit der Eröffnung des Flughafens BER werde der Südosten Berlins eine ganz neue Bedeutung für das Arbeiten und Wohnen bekommen – eine Entwicklung, die bereits rund um die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) zu beobachten ist.

Die Wiederbewirtschaftung von Brachen wie in Schöneweide ist einer der Gründe, warum Zauneidechsen ihre Lebensräume verlieren.
Die Wiederbewirtschaftung von Brachen wie in Schöneweide ist einer der Gründe, warum Zauneidechsen ihre Lebensräume verlieren.Foto: mauritius images

Der auf dem Gebiet der Gleislinse ansässige Verein der Dampflokfreunde kann seine Anlagen auch in Zukunft weiter nutzen, darunter den denkmalgeschützten Gebäudebestand. „Wir sind froh, dass der denkmalgeschützte Lokschuppen seinen Platz im Bebauungsplan gefunden hat und damit als inzwischen einmalige technische Anlage in Berlin erhalten bleibt“, sagt Wolfgang Hilprecht vom Verein Dampflokfreunde Berlin zu dem Vorhaben. Der Verein hat rund 150 Mitglieder und lässt von diesem Standort aus rund fünfzig Mal im Jahr historische Züge starten.

Während die Dampflokfreunde bleiben dürfen, müssen andere Lebewesen umgesiedelt werden. Bis Ende September sollen in einer ersten Phase insgesamt mehrere tausend Zauneidechsen in die fertig gestellten Habitate im Landschaftspark Herzberg umgesiedelt werden. Es handelt sich dabei um eine der europaweit größten Maßnahmen zur Umsiedlung der streng geschützten Zauneidechsen.

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