Immobilienkredite : EU-Kommission will Hauskäufer besser absichern

Kreditrisiken sollen deutlich benannt werden. Banken sehen sich benachteiligt.

Auch Banken können sich übernehmen. Die deutschen Verbraucher müssen sich langfristig auf ein steigendes Zinsniveau einstellen.Foto: dpa
Auch Banken können sich übernehmen. Die deutschen Verbraucher müssen sich langfristig auf ein steigendes Zinsniveau...Foto: ZB

Hauskäufer in der Europäischen Union sollen besser gegen die Risiken von Immobilienkrediten geschützt werden. Wer in Zukunft einen Kredit zum Kauf eines Hauses aufnimmt oder eine Immobilie mit einer Hypothek belastet, soll Vorschlägen der EU-Kommission zufolge besser über die Bedingungen und Risiken informiert werden.

Der Richtlinienvorschlag deckt alle von Verbrauchern aufgenommenen Kredite für den Erwerb einer Wohnimmobilie sowie bestimmte Kredite für die Renovierung von Wohnimmobilien ab. Erfasst werden ferner alle Verbraucherkredite, die durch eine Hypothek oder in vergleichbarer Weise gesichert sind. Während Verbraucherschützer das Vorhaben begrüßten, äußerte sich die Branche kritisch. Der Vorschlag wird jetzt dem Europäischen Parlament und dem Ministerrat zur Erörterung vorgelegt.

Die Kommission will die Verbraucher besser schützen und die Anzahl von Krediten verringern, die nicht zurückgezahlt werden können. Die Pläne sehen ein Verbot für Werbungen vor, die falsche Erwartungen über die Verfügbarkeit und Kosten von Krediten wecken. Banken und andere Kreditgeber sollen außerdem verpflichtet werden, Verbraucher vor Abschluss eines Vertrags besser zu informieren. Kreditnehmer sollen das Recht erhalten, ihren Kredit unter bestimmten von den Mitgliedstaaten festzulegenden Bedingungen vor Ablauf des Kreditvertrags zurückzuzahlen.

Geplant ist ein europaweit einheitliches Informationspapier, das aufgrund personalisierter Angaben die wichtigsten Bedingungen eines Kredits auflistet und Verbrauchern einen Vergleich mit den Krediten anderer Anbieter erleichtert.

Kreditvermittler sollen sich in Zukunft zudem registrieren lassen und dürfen mit dieser Erlaubnis dann EU-weit tätig sein. Den Plänen zufolge müssen die Banken in Zukunft die Fähigkeit eines Kunden zur Rückzahlung des Geldes prüfen. Die Kommission bemängelt, dass etwa in Großbritannien in den Jahren 2006 und 2007 rund 45 Prozent aller Immobilienkredite vergeben worden seien, ohne das Einkommen der Kreditnehmer zu prüfen. Immobilien- und Hypothekenkredite sind ein riesiger Markt in Europa, der im Jahr 2008 der Kommission zufolge rund die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts in der EU sowie 70 Prozent der Privatschulden ausmachte. Die Kommission erwartet, dass durch die neuen Regelungen Kreditausfälle in Höhe von bis zu 1,9 Milliarden Euro im Jahr verhindert werden können. Der massenhafte Ausfall von Immobilienkrediten in den USA hatte die weltweite Finanz- und Bankenkrise angefeuert. US-Banken hatten massenhaft Geld an Hauskäufer verliehen, die sich jedoch mit den Krediten finanziell übernahmen und diese nicht zurückzahlen konnten. Die Banken saßen dadurch auf faulen Krediten in Milliardenhöhe. In Europa waren die Folgen nicht so dramatisch, aber Immobilienblasen in Ländern wie Spanien und Irland trugen zum Absturz der dortigen Wirtschaften bei.

In den guten Jahren seien Banken und Kreditnehmer davon ausgegangen, dass diese Zeiten nie endeten, kritisierte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Verbraucher seien aufgrund „unverantwortlicher Praktiken“ der Kreditgeber nicht ausreichend über die Folgen ihres Handelns informiert worden.

Die europäische Verbraucherschutzorganisation BEUC begrüßte die Pläne, denen noch die EU-Staaten sowie das Europaparlament zustimmen müssen. Der Kauf oder der Bau eines Hauses sei in den Leben vieler Menschen die wichtigste finanzielle Entscheidung, „da können sie es sich nicht leisten, ein schlechtes Geschäft verkauft zu bekommen“.

Aus der Hypothekarbranche regte sich Widerstand. Mit den Regeln würden Kreditgeber benachteiligt. Letztlich werde die Kreditgewährung eingeschränkt. Betroffen seien etwa erstmalige Käufer einer Immobilie, Selbstständige oder Geringverdiener, erklärte der Verband EMF. In Deutschland bemängelte die Branche die Absicht der EU-Kommission, Verbrauchern die vorzeitige Rückzahlung von Hypothekarkrediten zu ermöglichen. Der Zentrale Kreditausschuss erklärte, damit seien Festzinskredite in Deutschland gefährdet. Der Verband warnte vor einer deutlichen Verteuerung von Darlehen.

Die Europäische Bausparkassenvereinigung kritisierte, das Vorhaben widerspreche dem erklärten Ziel der Kommission, die Konkurrenz sowie die Vergleichbarkeit auf dem europäischen Binnenmarkt zu fördern. Für die Berechnung des effektiven Jahreszinses sollten in Zukunft etwa Kosten eingerechnet werden, die in den EU-Staaten sehr unterschiedlich seien.

Die „comdirect bank AG“, die nach eigenen Angaben als Vermittlerin von Baufinanzierungen mit mehr als 200 Finanzierungspartnern zusammenarbeitet, wollte sich auf Nachfrage dieser Zeitung noch nicht eindeutig zu dem Vorstoß der EU-Kommission positionieren: „Wir prüfen derzeit noch, ob und wie mögliche Auswirkungen auf unser Geschäftsmodell aussehen könnten“, sagte eine Sprecherin der Direktbank-Tochter der Commerzbank. AFP/rtr/Tsp

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