Immobilien : Kein Ende des Booms

STEFAN LOIPFINGER

Geschlossene Fonds mit Anlagerekord / Gefahren lauernVON STEFAN LOIPFINGER Selbst Optimisten haben sich verschätzt: Das Eigenkapital, das Sparer in Geschlossene Immobilienfonds, Leasingfonds und Schiffsbeteiligungen investierten, stieg um über 50 Prozent.Eingesammelt wurden 20,7 Mrd.DM, die zusammen mit Bankdarlehen Gesamtinvestitionen von über 41 Mrd.DM lostraten.Dieses Ergebnis könnte in diesem und im kommenden Jahr sogar noch übertroffen werden: Rund 22 Mrd.DM will die Steuersparbranche in diesem Jahr einsammeln, im kommenden sollen es sogar 23 Mrd.DM werden. Mit etwa 12 Mrd.DM flossen dabei deutlich mehr als die Hälfte der Gelder in geschlossene Immobilienfonds.Allein der Branchenführer, die Fondstochter der Landesbank Berlin, sammelte mehr als eine Milliarde Mark ein.Fast vier von zehn DM wurden in Fonds von der Initiatoren-Top-Ten angelegt.Dazu zählen neben der LBB (Eigenkapital 1996: 1.059 Mill.DM), die Kapital-Consult (830 Mill.DM), Dr.Ebertz (491 Mill.DM), Dr.Görlich (460 Mill.DM), Deutsche Immobilien Anlage (382 Mill.DM), Doba Grund (341 Mill.DM), Fundus (291 Mill.DM), BVT (239 Mill.DM), Groth und Graalfs (229 Mill.DM) sowie Wert-Konzept (220 Mill.DM). Nur zwei dieser Initiatoren sind eine Bankentochter.Damit wurde der Trend hin zu den Bankeninitiatoren gestoppt; sie hatten im Jahr 1996 rund ein Drittel des Marktes auf sich vereint.Anders ist es im Bereich der Leasingfonds.Fast das komplette Eigenkapital in Höhe von 5,3 Mrd.DM wurde 1996 von Banken eingesammelt.Bei den Schiffsbeteiligungen dagegen plazierten fast nur freie Initiatoren, die insgesamt rund 3,4 Mrd.DM Eigenkapital.In den nächsten drei Jahren dürften vor allem Modernisierungsfonds eine Rolle spielen, die nach Fördergebietsgesetz bis Ende 1998 weiterhin steuerlich sehr stark begünstigt werden.Mindestens jeder vierte Initiator will in diesem Jahr erstmals Altbauten mit Anlegerkapital modernisieren.Daß diese steuerlich induzierte Tendenz für viele Anleger allerdings eine Katastrophe werden könnte, ist programmiert. Über das Know-How für hochwertige Modernisierungen verfügen allerdings nur wenige Anbieter.Außerdem dürften reihenweise unseriöse Fondsinitiatoren mit sogenannten Pinselsanierungen Anleger nachhaltig schädigen.Der Trend hin zu den Auslandsfonds als zweite große Tendenz wird zu ähnlichen Problemen führen.Mindestens jeder siebte Initiator plant erstmals 1997 einen Auslandsfonds - Anfänger müssen aber bekanntlich Lehrgeld zahlen.Anleger sollten sich deshalb vor allem bei neuen Anbietern die Kompetenz in den jeweiligen Teilbereichen sehr deutlich aufzeigen lassen, um das Risiko unangenehmer Überraschungen in Grenzen zu halten.

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