Immobilien : Mit Qualitätsgarantie

Bei „verschulten“ Pflanzen gibt ein Etikett Auskunft über die Güteklasse

Tassilo Wengel

Wenn im Frühjahr die Pflanzsaison beginnt, bietet der Handel wieder ein üppiges Angebot von Ziergehölzen an. Leider ist die Qualität nicht immer befriedigend, so dass oft spätere Enttäuschungen die Folge sind. Denn billige Angebote bergen häufig die Gefahr, dass es sich um Pflanzen minderer Qualität handelt. Oberstes Gebot beim Kauf von Gehölzen ist es daher, darauf zu achten, dass die Krone gut entwickelt ist und dass das Wurzelsystem dicht und nicht vertrocknet ist.

Gut beraten ist man, wenn man so genannte „verschulte“ Pflanzen kauft, die von weiträumigen Anzuchtflächen stammen. Solche Gehölze kosten zwar einige Euro mehr, weisen dafür aber eine Qualitätsprüfung nach den „Gütebestimmungen für Baumschulpflanzen“ auf. Zu erkennen sind sie unter anderem an einem Etikett, aus dem der Käufer eindeutige Informationen entnehmen kann: beispielsweise zur Gattung, Art beziehungsweise Sorte und wie oft „verschult“, also eine Verpflanzung mit Ballen vollzogen wurde. Auch Einzelheiten zur Sortierung, wie Größe, Stärke und Anzahl der Triebe sind dem Etikett zu entnehmen.

Ziergehölze sind mit und ohne Erdballen sowie im Container zu haben. Erwirbt man Jungpflanzen, sind das vor allem ein- und zweijährige Veredlungen ohne Erdballen. Immergrüne Laubgehölze, Koniferen sowie empfindliche Gehölze mit naturgemäß schwachen Trieben wie Blumenhartriegel (Cornus florida), Seidelbast (Daphne), Scheinhasel (Corylopsis) und Zaubernuss (Hamamelis) sind oft älter. Sie sind entweder mit Erdballen oder im Container im Angebot. Größere, ältere Pflanzen werden immer mit Ballen geliefert, der von einem Ballentuch umgeben ist. Hängt das Tuch mitsamt dem Substrat locker wie ein Sack herab, lässt man diese Pflanze besser liegen, denn dann ist der Ballen nicht qualitätsgerecht. Ausschlaggebend für die Qualitätssicherung ist das mehrmalige Verpflanzen (Verschulen) in der Baumschule. Dabei zwingt man die Pflanze, ein kompaktes, gut verzweigtes System von zahlreichen feinen Wurzeln zu bilden, wodurch ein optimaler Ballen erzielt wird. Ob mit oder ohne Erdballen – das Anwachsergebnis im Garten hängt davon ab, wie dicht und kräftig das Wurzelwerk ist. Sind die Wurzeln nur schwach entwickelt oder sichtbar vertrocknet, sollte man sie auch bei einem noch so verlockenden Preis nicht nehmen. Das gilt in besonderem Maße für Moorbeetpflanzen wie Rhododendren, Eriken oder Kamelien, die nach dem Austrocknen des Wurzelballens kaum noch Chancen haben, zu überleben. Bei Containerpflanzen sollten die Wurzeln aus den Wasserabzugslöchern herauswachsen. Denn das ist bei eiligst für den Verkauf in Gefäße gestopfte Pflanzen nicht der Fall.

Doch nicht nur das Wurzelsystem ist wichtig, sondern auch der Gesamteindruck der Pflanze. Bei den meisten Sträuchern kann man davon ausgehen, dass sie zwei Mal verpflanzt wurden. Allgemein sollten drei bis vier gut entwickelte Triebe vorhanden sein. Nur bei wenigen Arten wie zum Beispiel Tamariske (Tamarix), Ölweide (Eleagnus), Pfaffenhütchen (Euonymus), Kornelkirsche (Cornus mas) oder Sanddorn (Hippophae rhamnoides) genügt es, wenn zwei Basistriebe vorhanden sind. Das gilt auch für die meisten Kletterpflanzen. Lediglich bei Waldreben (Clematis) und dem Wilden Wein (Parthenocissus tricuspidata) ist auch ein Trieb akzeptabel. Die Höhe der Sträucher beträgt in den meisten Fällen 60 bis 80 Zentimeter, bei schwachwüchsigen Ballenpflanzen 20 bis 40 Zentimeter.

Ein Trugschluss ist es, dass reich mit Knospen besetzte Jungpflanzen von Gehölzen von besserer Qualität sind. Das Gegenteil ist der Fall, denn schwach entwickelte Pflanzen setzen oft früher und viel mehr Blüten an als wüchsige. Da die Gehölze im ersten Jahr vor allem wachsen sollen, empfiehlt es sich, bei starken Jungpflanzen die meisten Blüten auszubrechen und nur einige zur Kontrolle der Blütenfarbe zu belassen. Denn erst im zweiten oder dritten Jahr sollten die Sträucher kräftig blühen.

Noch ein Wort zu den Rosen. Sie werden am Wurzelhals durch Okulation veredelt und müssen einjährig sein. In der Güteklasse A werden sie mit mindestens drei normal entwickelten und gut ausgereiften Trieben und bei der Güteklasse B mit zwei kräftigen Trieben gehandelt. Bei den Stammrosen soll der Stamm gerade sein und unter den Veredlungsstellen mindestens einen Durchmesser von neun Zentimetern haben.

Nach dem Kauf ist es besonders wichtig, darauf zu achten, dass die Wurzeln nicht austrocknen. Und bevor die Gehölze endgültig in die Erde kommen, müssen sie gründlich gewässert werden.

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