Nachbarschaft : So klappt’s auch mit den Nachbarn

Wie findet man heraus, in welchem Umfeld das neue Heim liegt? Und wie kommt man gut an?

Eva Neumann

Ein Haus- oder Wohnungskauf ist meist eine Investition für viele Jahre. Deshalb spielen bei der Suche nach der Wunschimmobilie nicht nur die richtige Größe, ein sonniger Balkon und der kurze Weg zu Supermarkt und U-Bahn eine Rolle. Auch die Nachbarschaft sollte stimmen, damit das Traumheim nicht zum Alptraum wird. Diese Tatsache mit in die Immobiliensuche einzubeziehen, ist allerdings nicht ganz einfach – vor allem dann, wenn aus der Ferne gesucht wird.

„Formelle Informationsmöglichkeiten oder Statistiken, die Auskunft über das Gefüge einer Nachbarschaft geben, gibt es nicht“, sagt Reinhard Luderer, Leiter des Amtes für Soziales und Wohnen der Stadt Duisburg. „Es gibt jedoch viele Hilfsmittel, durch die man sich ein Bild machen kann.“ Luftaufnahmen zum Beispiel auf der Internetseite der Kommune sowie der Stadtplan helfen bei der Orientierung: Liegt das mögliche künftige Heim mitten in einer Einfamilienhaus-Siedlung? Am Rande eines Gewerbegebietes? Handelt es sich um eine Wohneinheit in einem Block, der von fünf weiteren großen Gebäuden umgeben ist? „Im Sozialbericht der Stadt ist zu erfahren, wo Problem-Quartiere liegen“, erläutert Luderer. „Auch ein Blick in den Mietspiegel kann hilfreich sein: Je kleiner eine Wohnanlage ist, umso besser ist die Nachbarschaft und umso höher ist meist die Miete.“ Auf diese Weise lässt sich das in Frage kommende Wohngebiet zumindest eingrenzen. Bei der Besichtigung kann dann die Nachbarschaft hinterfragt werden: Was für Menschen leben im Umfeld? Gibt es häufige Wechsel unter den Bewohnern? Warum? Gibt es nachbarschaftliche Projekte wie eine Hofbegrünung? Ein jährliches Nachbarschaftsfest? Eine Bürgerinitiative? Eine Spielplatzpatenschaft oder eine rege Mutter-Kind-Gruppe? Nicht jeder Vorbesitzer, nicht jeder Makler und nicht jedes Wohnungsunternehmen ist bei solchen Fragen gleich auskunftsfähig oder -willig. Aber Nachfragen schadet nicht. Versuchen kann man sein Glück auch bei Jugendamt, Kirchengemeinde oder einer sozialen Einrichtung in der Nähe.

Auch bei Spaziergängen im möglichen Wohnumfeld lassen sich Eindrücke sammeln, wie die Bewohner im Alltag miteinander umgehen. Minimal-Signale für eine freundliche Nachbarschaft sind, dass sich Leute auf der Straße anschauen und grüßen. „Wenn sie zum Gespräch stehen bleiben, wenn Kinder aus verschiedenen Häusern gemeinsam zur Schule gehen oder Nachbarinnen zusammen joggen, dann sind das Zeichen dafür, dass nähere Kontakte unter den Nachbarn bestehen“, zählt Nicola Müller auf, Geschäftsführerin des Eigentümerverbandes Haus & Grund.

Ist die Entscheidung für ein neues Heim getroffen, liegt es auch an den neuen Bewohnern, Nachbarschaft zu gestalten. Uwe Wetter, Psychotherapeut aus Euskirchen rät: „Das fängt schon damit an, dass Sie jeden freundlich grüßen.“ Eine große Vorstellungsrunde ist nicht zwingend notwendig und auch nicht überall gern gesehen. „In einem Mehrfamilienhaus macht es sich jedoch gut, wenn Sie Ihren Einzug zum Beispiel durch einen Aushang im Treppenhaus oder durch Zettel in die Briefkästen ankündigen: So stellen Sie sich selbst schon mal vor. Außerdem machen Sie darauf aufmerksam, dass es im Zuge des Einzugs auch zu Unannehmlichkeiten kommen kann.“ Im Laufe der ersten Wochen im neuen Heim gilt es, die Atmosphäre in der Nachbarschaft zu erspüren und sich einzufügen. „Jede Gemeinschaft hat ihre eigenen Regeln. Diese sind für den Außenstehenden nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Durch falsche Erwartungen oder Signale kann leicht eine Schieflage entstehen“, warnt Wetter.

Deshalb ist Fingerspitzengefühl erforderlich. Ein guter, unverbindlicher Anfang können Kontakte sein, die sich aus Alltagssituationen ergeben. „Nutzen Sie Gesprächsmöglichkeiten an der Kasse im Supermarkt und im Fahrstuhl“, schlägt Müller vor, wie man Kontakt zu den neuen Nachbarn knüpfen kann. „Oder setzen Sie sich auf dem Spielplatz auf die Bank neben eine andere Mutter.“

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