Immobilien : Ökobilanz auf Pump

Auch für Erd- oder Luftwärme braucht man Strom. Und der kann Kosten- und Umweltrechnung durcheinanderbringen

Kai Althoetmar

„Öko“ ist in Mode – doch nicht immer stimmen die vollmundigen Versprechungen. Was dem Autofahrer der Ethanol-Biosprit, der öfters aus urwaldfressender Plantagenwirtschaft stammt, das ist den Heizungsbauern die Wärmepumpe. Ökologisch, sauber und billig sei das Wunderding, das aus der Wärme von Außenluft, Grundwasser und Erdreich mittels Strom flauschige Wohnwärme macht, so die Argumente der Branche. Allerdings stimmt das nicht immer.

Dabei wächst der Markt für Wärmepumpen. Im Bauboomjahr 2006 hat sich der Absatz der Technik zur Raumheizung gegenüber 2005 bundesweit auf 44 980 Anlagen mehr als verdoppelt. 2007 wurden laut Bundesverband Wärmepumpe (BWP) 45 300 Geräte abgesetzt – und das bei deutlich weniger Neubauten. Rund 300 000 Wärmepumpen sind nun in Deutschland installiert.

Vor allem für Neubauten mit Fußboden- oder Wandheizung eignen sich die Pumpen. Hier muss das Heizwasser nur 30 bis 35 Grad warm sein. Daher muss die Wärmepumpe die Umweltwärme nur wenig aufheizen. Weitere Vorteile: Kein Schornstein, kein Öltank, kein Brennstoffvorrat, kein Schornsteinfeger.

Wärmepumpen sind aber umstritten, weil sie mit Strom betrieben werden. Der Käufer macht sich so vom Strompreis abhängig – und zwar in der Regel dem des örtlichen Netzbetreibers, denn nur der bietet den billigen Nachtstrom. Wärmepumpen arbeiten mit diesem Strom zum Subventionspreis. Der kostet nur rund 14 statt 20 Cent je Kilowattstunde.

Mit niedrigeren Energiekosten argumentieren die Befürworter der Technik unter anderem. Dagegen stehen aber die höheren Anschaffungskosten gegenüber Gas- oder Brennwertkesseln – und damit Finanzierungskosten und Abschreibung. Die Verbraucherzentrale NRW urteilt zum Beispiel: „Ob sich eine solche Investition wirklich lohnt, hängt von vielen Faktoren ab.“ Dazu zählen Dimensionierung und Effizienz der Anlage sowie die Entwicklung der Strompreise.

Die Kosten für eine Luftwärmepumpe erreichen schnell samt Montage 14 000 Euro. Bei Erdwärmepumpen kommen rund 7 000 Euro für die Bohrung und eine Sonde hinzu. Die Verbrauchskosten gelten dafür als gering. Für ein neues Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche sind bei einer Erdwärmepumpe jährlich 500 bis 600 Euro realistisch, bei Luftwärmepumpen sind es 150 bis 200 Euro mehr – je nach Region, Heizverhalten und verwendeter Dämmung. Doch Vorsicht: Die Angaben der Hersteller zu Effizienz und Kosten beruhen meist auf Optimalbedingungen. Im Neubau sind die Kosten wegen der Baufeuchte außerdem anfangs höher.

Und: „Tiefe Temperaturen des Mediums sowie hohe Temperaturen der Nutzenergie können die Bilanz deutlich verschlechtern“, schreibt das Fachmagazin „Haus & Energie“. Kalte Winter, Heizkörper statt Fußbodenheizung, Heißwasser über 50 Grad Celsius – das zieht die Pumpenbilanz in den Keller. Auch im Altbau gelten Wärmepumpen als unwirtschaftlich. Denn in Gebäuden, die keine Niedertemperaturheizung haben, muss das Heizwasser deutlich wärmer sein. Das Geld investiert man besser in Dämmung.

Ausgerechnet an strengen Wintertagen sinkt aber auch im Neubau die Wirtschaftlichkeit der Pumpe: Bei tiefen Temperaturen wird bei Bedarf ein elektrischer Wärmeerzeuger zugeschaltet. Bei Luftwärmepumpen ist das ein Elektroheizstab, der mit Strom pur heizt – wie eine alte Elektroheizung. Zwei bis sieben Prozent des Heizbedarfs leistet die Pumpe über das Jahr per E-Stab. Ob sich mit ihr Geld sparen lässt, wird da zur Aufgabe für scharfe Rechner.

Und was bei der Ökobilanz oft vergessen wird: Auch stromerzeugende Kohle- oder Gaskraftwerke stoßen Abgase und CO2 aus. Und damit der Verbraucher eine Kilowattstunde zur Verfügung hat, muss das E-Werk drei erzeugen. Grund sind Übertragungsverluste. Luftwärmepumpen mit einer Jahresarbeitszahl von drei (eine Einheit Strom wird genutzt, um drei Einheiten Wärme aus der Umwelt zu gewinnen) gleichen diesen Verlust gerade mal aus. Der Bundesverband Wärmepumpe unterschlägt das auf seiner Website, wenn er schreibt: „Circa 75 Prozent der bereitgestellten Wärme stammt aus der Umwelt“ – aus Luft, Wasser, Erde. Der Verband legt Jahresarbeitszahlen von vier zugrunde, rechnet aber die Übertragungsverluste der Stromwerke nicht ein.

Die Umweltbilanz hängt deshalb vor allem vom Strommix des Versorgers ab – bei konventionellem Strom beträgt der Anteil erneuerbarer Energien nur gut zehn Prozent. Greenpeace fordert deshalb: „Wärmepumpen sollten nur mit Ökostrom betrieben werden.“ „Haus & Energie“ rechnet aber vor: Wer eine Wärmepumpe mit Ökostrom betreibt, zahle – verglichen mit einer neuen Ölheizung – pro Jahr 1 000 Euro drauf, berücksichtigt man Investitionsmehrkosten, Finanzierung und Abschreibung über 15 Jahre.

Das Problem ist: Mit Ökostrom lässt sich die Pumpe meist nur über den Tagstromzähler versorgen, für in der Regel rund 20 Cent pro Kilowattstunde. Nachtstrom zu 13 oder 14 Cent ist nicht aus erneuerbaren Energien zu haben. Ausnahme: Der Düsseldorfer Ökostromanbieter Naturstrom, der ökologischen Wärmepumpenstrom für 17,5 Cent je Kilowattstunde anbietet. Wer eine Wärmepumpe umweltfreundlich betreiben will, muss also Ökostrom statt Nachtstrom wählen – und zahlt dann je nach Anbieter und Verbrauch 200 bis 500 Euro im Jahr mehr für den Strom.

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