Ökologisch Wohnen : Ausgezeichnet aufgezeichnet

Stichwort Nachhaltigkeit: Ein Zertifikat belohnt jetzt Gebäude, deren Planung und Betrieb ökologischem Denken genügen

Veronika Csizi
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Schön sparsam. Der Neubau des Spiegel-Verlags in der Hamburger Hafencity ist zertifiziert dafür, dass bei ihm energetische und...

Gold, Silber, Bronze: Wie im Sport werden jetzt auch am Bau besondere Leistungen besonders gewürdigt. Gebäude, die wenig Energie verbrauchen, ein gesundes Raumklima haben, leicht zu reinigen sind und auch sonst wenig Folgekosten verursachen, dürfen sich seit dem Anfang des Jahres mit einer Art Öko-Siegel schmücken – vergeben von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB). Bisher gibt es dieses Zertifikat in einer sechsmonatigen Pilotphase zwar nur für Gewerbeimmobilien, eine abgespeckte Version für Privathäuser allerdings ist bereits in Arbeit. Experten schätzen die Mehrkosten des „grünen Bauens“ auf zwei bis fünf Prozent der Bausumme.

Arnold Schwarzenegger hat es vorgemacht. In Kalifornien dürfen Behörden des Bundesstaates nur noch in Gebäuden Flächen anmieten, die mit einem entsprechenden Siegel ausgezeichnet sind. Auch die Idee des „grünen Bauens“ kommt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten: Nachdem dort vor mehr als 20 Jahren Tausende von Beschäftigten ihre Arbeitgeber verklagt hatten, weil sie wegen ausgasender Schadstoffe in billig hochgezogenen Bürotürmen unter Kopfschmerzen, Asthma oder allergischen Reaktionen litten, wurden die ersten Zertifizierungsverfahren für Immobilien entwickelt. In Deutschland gehören die Universität der Künste in Berlin und der Spiegel-Verlag zu den Pionieren des nachhaltigen Bauens. Der Neubau der Zeitschrift in der Hamburger Hafencity hat als erstes Gebäude dort ein goldenes Gütesiegel erhalten. Und die Berliner Hochschule spart seit der Modernisierung jedes Jahr mehr als 20 000 Euro an Energiekosten. Anders als bei dem im vergangenen Jahr eingeführten Energieausweis hängt die Vergabe eines Öko-Siegels nicht nur vom Strom-, Gas- oder Wasserverbrauch eines Hauses ab. Die Gutachter der DGNB nehmen vielmehr den ganzen Lebenszyklus eines Gebäudes unter die Lupe: Welche Baustoffe wurden verwendet, mit welchen Reparaturkosten ist zu rechnen, wie aufwendig ist das Haus zu reinigen, welche Kosten produziert die Klimaanlage? Reizvolle Glasfassaden sorgen zwar für Licht im Haus und eine angenehme Grundwärme im Winter. Im Sommer allerdings frisst die Klimaanlage dafür umso mehr Strom. Im Fall des Spiegel-Hauses heißt das, zum Beispiel: Die Temperatur im neuen Gebäude wird zentral geregelt, in den einzelnen Büros gibt es keine Heizkörper oder Klimaanlagen mehr.

Nach einer Umfrage der Union-Investment-Gruppe wollen zwei von drei europäischen Immobilienunternehmen künftig verstärkt in nachhaltige Gebäudekomplexe investieren – ein Trend, der über kurz oder lang auch den privaten Wohnungsbau erreichen dürfte. Schließlich verursacht eine Immobilie einen Großteil ihrer Kosten nicht während der Bauphase, sondern erst nach dem Bezug. Werner Sobek, der Präsident der DGNB, ist sich deshalb sicher: „Kreditinstitute werden künftig nicht nur nach der Bonität eines Kunden oder der Standortqualität fragen, sondern auch nach der Nachhaltigkeit eines Gebäudes.“ Mit den steigenden Energiekosten rückt die Werthaltigkeit eines Hauses fast zwangsläufig wieder stärker in den Mittelpunkt. So rechnet jeder zweite der von Union Investment befragten Investoren damit, dass sich mit nachhaltigen Immobilien auf lange Sicht höhere Preise erwirtschaften lassen als mit konventionellen. Angenehmer Nebeneffekt: Nach einer Studie der Deutschen Bank standen bei Büroimmobilien mit Nachhaltigkeitssiegel Ende 2007 in den USA nur knapp sieben Prozent der Fläche leer, bei Gebäuden ohne Zertifikat waren es mehr als elf Prozent.

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