Pulverfabrik in der Kleinen Eiswerderstraße : Wohnen am Wasserturm

Düsseldorfer Projektentwickler möchte neben Artur Brauners CCC Filmstudios 150 Wohnungen errichten.

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Der Wasserturm der Neuen Pulverfabrik an der Kleinen Eiswerderstraße 14.
Der Wasserturm der Neuen Pulverfabrik an der Kleinen Eiswerderstraße 14.Foto: Promo 6B47

Der Düsseldorfer Projektentwickler 6B47 Germany GmbH hat nach eigenen Angaben das Erweiterungsgelände der ehemaligen königlichen Pulverfabrik in der Kleinen Eiswerderstraße 14 in Berlin gekauft. Es sei das erste Projekt des Unternehmens in der Bundeshauptstadt, hieß es.

Auf dem gut 11500 Quadratmeter großen Grundstück in unmittelbarer Nähe zum Spandauer See sollen in Haselhorst mehr als 15000 Quadratmeter Wohn- und gut 800 Quadratmeter Gewerbeflächen entstehen. Nach den Planungen sollen sechs Bauteile errichtet werden, in denen voraussichtlich 150 Wohneinheiten realisiert werden. Sie sollen im Einzelvertrieb auf den Markt kommen. Die Bauarbeiten auf dem Grundstück sollen voraussichtlich Anfang 2018 beginnen; einen Bauantrag gibt es allerdings noch nicht, ebenso wenig liegen Projektzeichnungen vor.

Über 700 Filme und Serien wurden am Standort von der Firma CCC-Film produziert

Bereits wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte der legendäre Filmproduzent Artur „Atze“ Brauner sein Unternehmen CCC-Film neben dem Areal mit dem markanten – und denkmalgeschützten – Wasserturm gestartet, das heute noch für die Auffahrt zum Studiogelände genutzt wird.  1946 hatte Brauner eine amerikanische Lizenz für die Filmproduktion Central Cinema Company GmbH erhalten. 1949 begann er, auf dem 35000 Quadratmeter großen Gelände einer ehemaligen Versuchsanstalt für Kampfstoffe in Spandau, sein Filmstudio aufzubauen.

Der Wasserturm der Neuen Pulverfabrik an der Kleinen Eiswerderstraße 14.
Der Wasserturm der Neuen Pulverfabrik an der Kleinen Eiswerderstraße 14.Foto: Promo 6B47

Zunächst beginnt die Arbeit in zwei Hallen von 400-500 Quadratmeter Fläche. 1954 wurde in zwei neue, moderne Hallen investiert (658,83 und 1309 Quadratmeter), die von den Architekten Karl Schneider und Lothar Wloch entworfen werden und nicht Teil des aktuellen Grundstücksdeals sind.

Über 700 Filme und Serien wurden am Standort von der Firma CCC-Film produziert. Darunter waren auch ein Teil der Dr.-Mabuse-, Karl-May- und Edgar-Wallace-Streifen. Anfang der 1970er-Jahre endete auf den von CCC Film gepachteten Flächen rund um den Wasserturm die Ära der Filmstudios, deren Hauptgebäude sich an der östlichen Uferseite der Havel befanden, während auf der gegenüberliegenden Insel Eiswerder weitere Produktionshallen standen.

Alice Brauner: "Den CCC-Filmstudios geht es wirtschaftlich so gut, wie seit Jahren nicht mehr"

Das Areal mit dem Wasserturm – hier befand sich auch die Kantine - gehörte nicht mehr zu CCC-Film. Das Gelände wurde in den vergangenen Jahren mehrfach verkauft. Ein Verwalter der Ateliers sprach auf telefonische Anfrage von acht Vorbesitzern, darunter die Helaba, die Landesbank Hessen-Thüringen.

 Im September 2016 wurden die legendären CCC-Studios (Filmatelier Haselhorst) in Spandau 70 Jahre alt. Brauners Tochter Alice, die das Unternehmen auf dem Nachbargrundstück seit 2006 führt, befürchtete anlässlich des Jubiläums öffentlich, dass ihr möglicherweise Wasser und Strom gekappt werden: Die Leitungen laufen nämlich über das nun erneut verkaufte Grundstück.

Doch dieses Problem konnte unterdessen gelöst werden, wie Alice Brauner dem Tagesspiegel auf Anfrage sagt: „Wir konnten von der Berliner Immobilien Management GmbH (BIM) weitere 4000 Quadratmeter für einen Zeitraum von 39 Jahren pachten und 200 Quadratmeter hinzukaufen. Wir haben also ausreichend Platz für die Versorgungsleitungen, die nun nur noch umgelegt werden müssen.“ Man habe sich mit dem Bezirk über alle Modalitäten geeinigt. Seit der Sanierung gehe es den CCC-Filmstudios „wirtschaftlich so gut, wie seit Jahren nicht mehr, was die Auslastung betrifft“, sagte Alice Brauner.

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