Immobilien : Rosen ohne Dornen

Die buschig wachsenden Sorten der Paeonien sind ein dekorativer Ersatz für Blütengehölze

Tassilo Wengel

Paeonien gehören zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Der Kaiser von China liebte und kultivierte die Staude bereits im 7. Jahrhundert. Allerdings gönnte der Herrscher im Reich der Mitte die Edelpfingstrose (Paeonia lactiflora) nur den Reichen und Mächtigen seines Landes. Erst als er seine Gunst den Strauchpaeonien (Paeonia suffruticosa) zuwandte, durfte das Volk die „Milchblütige“, wie die Übersetzung des lateinischen Artnamens der Paeonia lactiflora lautet, in die heimischen Gärten holen. Seit mehr als 2000 Jahren gilt jedoch die Strauchpäonie in China als Symbol für alles Positive im Leben. Und auch heute noch zieren ihre Abbildungen Gegenstände des täglichen Bedarfs. In den Gärten hier zu Lande sind vor allem Kulturformen von Staudenpaeonien anzutreffen, wie die bereits erwähnte P. lactiflora und P. officinalis, die so genannte Bauernpfingtsrose.

Während bei Staudenpäonien die Stängel im Winter absterben, verholzen sie bei den buschigen Sorten. Besonders für kleine Gärten können Strauchpäonien ein dekorativer Ersatz für Blütengehölze sein, denn sie erreichen im Laufe der Jahre eine Höhe von gut einem Meter. Beste Pflanzzeit ist Ende August bis einschließlich September.

Hängende Köpfe

Nach Europa kam die erste Strauchpaeonie 1787. Damals schickte Alexander Duncan – Arzt der britischen Ostindien-Gesellschaft – eine Pflanze an Sir Joseph Banks vom Royal Botanic Garden Kew in London, die allerdings nicht überlebte. Robert Fortune, eigens von der Royal Horticultural Society 1834 nach China gesandt, gelang es 30 bis 40 Sorten zu erwerben und nach England zu senden. Eine besonders große Kollektion japanischer Sorten führte 1844 Philipp Franz von Siebold, der in „königlich niederländischen Diensten“ stand, nach Holland ein. Erst nach dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn kamen weitere ostasiatische Sorten nach Europa.

Durchsetzen konnten sich diese Sorten aber nicht. Die vorwiegend stark gefüllten, schweren Blüten auf dünnen Stängeln neigten in dem regenreichen europäischen Klima schnell die Köpfe. So begann man Mitte des 19. Jahrhunderts in Belgien und Frankreich mit der Züchtung besser angepasster Strauchpaeonien-Sorten und kreuzte vom Jahr 1890 an vor allem die gelb blühende Paeonia lutea und die dunkel karminrot blühende Paeonia delavayi mit chinesischen Pflanzen. Ende des 20. Jahrhunderts wurden Formen von Paeonia rockii, einer robusten Art, die in mehreren Provinzen Chinas wild wächst, in die Züchtung einbezogen. Die Pflanze entfaltet große, weiße Blüten mit dunklen braunroten Basalflecken und ist von großer Schönheit.

Seit Jahrzehnten entstehen durch Kreuzung von Paeonia rockii mit anderen Wildarten immer wieder Aufsehen erregende Neuzüchtungen mit neuen Farbnuancen und vor allem neuen Blütenformen. Beispiele dafür sind Paeonia-Rockii-Hybriden, wie ,Maiden of Lanzhou‘ (Blüte in Rosenform, rot mit bläulichem Hauch, schwarze Basalflecke), ,Robust Man of Gansu‘, (Blüte in Hortensienform, tiefes bläuliches Rosa, dunkle Basalflecke), ,Red Line Lady‘, (Blüte in Kronenform, rosa, innere Blütenblätter mit auffallender Linie, dunkle Basalflecke), ,Blue and Black Shine‘, (Blüte halbgefüllte Lotusform, bläuliches Rosa, schwarze Basalflecke).

In den Gartencentern, aber auch in Baumschulen und Spezialgärtnereien werden viele ältere Sorten europäischer Züchter von Strauchpaeonien als Paeonia-Suffruticosa-Hybriden und Paeonia-Delavayi-Hybriden angeboten. Diese Pflanzen von einem bis eineinhalb Meter Höhe haben einfache bis gefüllte Blüten in Weiß, Gelb, Rosa, Rot oder Violett mit interessanten Farbnuancen. Von den zahlreichen Sorten sind einige besonders schön und empfehlenswert.

Beispielhafte Sorten

Hier einige Beispiele: ,Athlete‘ (Blüten lilaweiß, im Grunde purpurrosa, stark gefüllt), ,Elisabeth‘ (rosa, gefüllt), ,Hans-Günther Mohr‘ (einfach, weiß, gefleckt), ,Illinois‘ (halbgefüllt, karminrosa) ,Jeanne de Arc‘, (lachsrosa, zum Rand silbern, Pflanze starkwüchsig), ,Madam Stuart Loo‘, (leuchtend lachsrosa, halbgefüllt, sehr frühblühend), ,Nigricans‘, (dunkelrot mit goldgelben Staubgefäßen), ,Robert Fortune‘ (karminrosa).

Beste Pflanzzeit für Strauchpaeonien ist der zeitige Herbst, sobald das Laub fällt. Sie wurzeln dann besser ein und kommen gut über den Winter. Da es sich in den meisten Fällen um veredelte Pflanzen handelt, kommen sie etwas tiefer in den Boden, als sie vorher standen. Das Edelreis bildet dann selbst Wurzeln, wodurch die Pflanzen kräftiger werden. In den ersten Jahren empfiehlt sich eine Bodendecke aus Laub oder Reisig.

Als Standort wählt man einen sonnigen Platz in einem warmen, windgeschützten Gartenbereich, damit die Triebe im Herbst gut ausreifen und reichlich Blüten ansetzen. Der Boden soll sandig-lehmig bis leicht lehmig, nahrhaft und tiefgründig gelockert sein und keine stauende Nässe aufweisen. Optimal ist ein ph-Wert von sechs bis sieben. Um den kräftigen Austrieb zu unterstützen, empfiehlt sich im Frühjahr eine Gabe Volldünger oder das bedecken der Pflanzfläche mit gut verrottetem Kompost. Da die Strauchpaeonien wegen der frühen Blüte oft Spätfrösten ausgesetzt sind, sollten sie gegebenenfalls mit Leinen abgedeckt werden.

Um die Schönheit der Pflanzen besonders gut zur Geltung zu bringen, lässt man sie möglichst ohne Begleitpflanzen wirken. Ideal sind Plätze in Hausnähe oder an der Terrasse, aber auch vor einer Trockenmauer oder warmen Wänden kommen die großen Blüten der Strauchpaeonie gut zur Wirkung. Vor einem dunklen Hintergrund heben sich besonders die helleren Blütenfarben sehr gut ab, weshalb eine Hecke aus Nadelgehölzen eine ideale Kulisse ist.

Bezugsquellen: Stephan Tetzlaff, Kleinenbroicher Straße 85, 41352 Korschenbroich, Telefon / Fax: 021 61 / 46 53 99, E-Mail Stephan.Tetzlaff@gno.de . Neuer Katalog mit über 200 Farbabbildungen; Gärtnerei Simon, Staudenweg 2, 97828 Marktheidenfeld, E-Mail: info@gaertnerei-simon.de ; Paeonien Garten L. M. Parlasca, Am Steinberg 11, 60437 Frankfurt / M., Telefon: 061 01 / 54 14 66, E-Mail: PG@Parlasca.de .

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