Immobilien : Solartechnik vor dem Durchbruch

CHRISTOF HARDEBUSCH

Nun hat auch Berlin eine internationale Fachmesse für Solartechnik.Nach drei Tagen schloß Sonnabend die "Solar Energy" ihre Pforten.Unter dem Funkturm zeigten 130 Aussteller Neues und Bewährtes aus den Bereichen solare Stromerzeugung und Warmwasserbereitung.Eine besondere Rolle spielte Ökotechnik für den Baumarkt.

Vor allem die Integration von Solaranlagen in Dächer und Fassaden reizt die Branche derzeit zu Innovationen.Als Weltneuheit im Bereich solare Warmwasserbereitung stellte Alligator Sunshine Technologies aus Berlin-Adlershof ihren neuen Solardachziegel vor.Das "Cuadro" genannte Produkt ist in ein Dachpfannenprofil aus Leichtbeton eingefaßt und läßt sich so leicht wie konventionelle Dachziegel verlegen.Und: Der Solarziegel ist kombinierbar mit den sogenannten Frankfurter und Heidelberger Dachpfannen; zusammen decken sie ein Drittel aller deutschen Dächer.Diese neue Technik erspart dem Bauherren Installationskosten und unansehnliche Dachaufbauten.

Architektur und Ästhetik rücken auch für die Hersteller von Solarstromanlagen in den Vordergrund.Mittelständische Unternehmen wie die Berliner Solon AG und das Solarwerk aus Teltow konzentrieren sich auf Designermodule, große Konzerne auf günstige Standardprodukte.

Viele Aussteller hoffen darauf, daß Solarstrommodule bald zum festen Repertoire modernen Bauens zählen."Die Architekten sind dabei unser Haupthindernis", kritisiert Lars Podlowski, Geschäftsführer des Solarwerks Teltow, den Berufsstand der Baumeister.Andere aus seiner Branche sehen das ähnlich.Zum Beispiel Dirk Stahf, Prokurist der Berliner Solarfirma Energiebiss: "Leider kennen viele Architekten die Einsatzmöglichkeiten dieser Technik nicht und befassen sich auch nicht damit."

Die "Solar Energy" ist bemüht, die Kluft zwischen Solarbranche und Architekten durch Aufklärung zu überbrücken.Begleitend zur Messe organisierten die Veranstalter eine Fachtagung für Architekten und Ingenieure.Fachvorträge und gelungene architektonische Beispiele sollten den Baumeistern die Solarmodule als Baumaterial für Fassaden und Dächer schmackhaft machen - trotz der nach wie vor hohen Preise.

Ausgerechnet der Ölmulti Deutsche Shell AG will die Preise senken.Fritz Varenholdt, Vorstandsmitglied und ehemaliger Umweltsenator Hamburgs, stellte auf der Messe das Modell einer neuen Shell-Solarfabrik in Gelsenkirchen vor.Nach Fertigstellung wird sie weltweit die größte ihrer Art sein."Wir wollen die Herstellungskosten jährlich um sechs Prozent senken", sagte Varenholdt.Bis zum Jahr 2050 werde Solarenergie weltweit 15 Prozent des Gesamtenergiebedarfs decken.Auch andere multinationale Konzerne mischen im Solargeschäft mit.Auf der "Solar Energy" waren außer Shell auch BP und Siemens vertreten.Die Branche wächst, und mit ihr wohl auch ihre neue Fachmesse in Berlin.

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