Immobilien : Sonniger Wedding

Bei der Sanierung von Berliner Altbauten entstand die größte rentable Solaranlage Deutschlands – und auch die Mieter profitieren

Bernd Hettlage

Fast ein Jahr ist sie störungsfrei in Betrieb, Deutschlands erste wirtschaftlich arbeitende Solaranlage – und die Leiter des Projektes können sich über mangelnde Beachtung nicht beklagen: Der Eigentümer, die Wohnungsbaugesellschaft Degewo, wurde zum „Klimaschutzpartner des Jahres 2002“ gekürt. Die Firma Parabel aus Pankow, die die Anlage installierte, erhielt den „Deutschen Solarpreis 2002“. Und der Kollektorenhersteller Solvin gewann den „Europäischen Solarpreis 2002“.

Die vielen Auszeichnungen verdanken die Firmen einer 165 Quadratmeter großen Solaranlage, die im Zuge der Sanierung von 137 Wohnungen in der Stralsunder Straße im Wedding entstand. Die Arbeiten an dem 1969 errichteten Häuserblock waren überfällig, eine acht Millimeter dicke Wärmedämmung war erforderlich, um die Energieverluste zu senken. Auch die Ölheizung war veraltet. Die Degewo stellte die Anlage auf Gas um und ergänzte sie um eine Solaranlage zur Herstellung von warmem Wasser ein.

Dabei gilt der besondere Stolz der Eigentümer der neuen Energiezentrale im Keller des Gebäudes. Dort werden Gas- und Solarenergie miteinander gekoppelt. Scheint die Sonne, dann fangen die auf den Hausdächern installierten Kollektoren deren Strahlen ein und heizen damit Wasser auf. Damit werden die Haushalte versorgt und die Heizung betrieben. Überschüssige Wärme speichert die Anlage; in trüben Tagen wird sie in den Wasserkreislauf eingespeist. Ist der Vorrat an Solarwärme verbraucht, dann springen zwei konventionelle Gasbrenner an.

Eine herkömmliche Sanierung mit neuen Fenstern und Fassadendämmung hätte 850000 Euro gekostet, so Degewo-Vorstand Klaus-Peter Engelbrecht: „Wir haben aber nur 350000 Euro investiert.“ Der Einbau der solarthermischen Anlage sei die wirtschaftlich effizienteste Art gewesen, das Haus zu sanieren und zugleich die in der neuen Energieeinsparverordnung vorgeschriebenen C02-Werte zu erreichen. Nach dem Probebetrieb prognostizierten die Techniker eine Einsparung von 30 Prozent der Heizenergie und von über 60 Prozent des früheren C02-Ausstoßes. Diese Prognosen haben sich fast ein Jahr nach Inbetriebnahme erfüllt. Davon profitieren auch die Mieter. Sie zahlen seit der Sanierung zwar sechs Cent mehr Kaltmiete pro Quadratmeter; sie sparen jedoch ein Drittel der bisherigen Betriebskosten für die Heizung: 15 Cent pro Quadratmeter.

„Das ist eine winwin-Situation“, freut sich Carsten Körnig, der Geschäftsführer der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS). Die Anlage rechne sich nicht nur für die Mieter und die Umwelt, sondern auch für den Eigentümer. Körnig bedauert, dass der Berliner Senat jegliche Solarförderung im letzten Jahr eingestellt hat. Die Anlage in der Stralsunder Straße war noch großzügig von der Investitionsbank Berlin (IBB) bezuschusst worden – mit 500 Euro pro Wohnung. Damit dieses Geld floss, brauchte die Degewo die Zustimmung der Hälfte aller betroffenen Mieter.

Das war kein Problem: Mehr als drei Viertel aller Bewohner der Altbauten sprachen sich für eine Sanierung mit Solarenergie aus. Siegfried Rehberg vom Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen (BBU) glaubt, dass dieses Ergebnis repräsentativ ist: „Mieter honorieren eine Sanierung mit Solarenergie.“ Es gebe keinen Leerstand in Häusern, in denen solarthermische Anlagen eingebaut wurden.

Platz für weitere Anlagen gibt es noch reichlich auf Berlins Dächern. Gerade mal 30000 Quadratmeter thermische Solaranlagen sind installiert worden, so Carsten Körnig von der UVS. Ihr Anteil an der Warmwasserversorgung der Stadt liege bei weniger als ein Prozent. Um die Erzeugung von Strom aus der Kraft der Sonne stehe es noch schlechter: Vier Megawatt Strom würden in Berlin durch Photovoltaik-Anlagen erzeugt; das seien gerade mal 0,2 Prozent des jährlichen Gesamtverbrauchs (2000 Megawatt).

Gut, dass da wenigstens der Bund die Zuschüsse für Sonnenenergie erhöht hat: Seit 1.Februar gibt es 30 Prozent mehr Fördermittel für solarthermische Anlagen. In Berlin fördern immerhin noch Gasag und Bewag die Solaranlagen.

Ermutigt durch ihren Erfolg setzt die Degewo auch in Zukunft auf Sonnenenergie: Ende September gingen zwei weitere Anlagen für 74 Wohnungen in der Swinemünder Straße in Betrieb.

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