Immobilien : Stachelig, aber saftig: Aloe ferox

Beat Ernst Leuenberger

Nachstehend veröffentlichen wir die vom Botanischen Garten für diese Woche herausgegebene Zusammenstellung besonders sehenswerter Pflanzen, die im Freigelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet sind. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr.

Gewächshäuser. Beschrieben wurde Aloe ferox formell 1768. Die älteste Abbildung in Europa geht auf das Jahr 1703 zurück, und ein früher Bericht über Ihre Nutzung in Südafrika ist mit 1772 datiert. In einem älteren Werk ist sie unter dem Namen „Gefährliche Aloe“ zu finden, im neuesten Zander, Handwörterbuch der Pflanzennamen, dagegen als „Kap-Aloe“. Ein großes, altes Exemplar dieser als „Pflanze der Woche“ ausgewählten Art steht seit 1987 im Gewächshaus „H“ unter der vom botanischen Namen Aloe ferox abgeleiteten Bezeichnung „Starkbewehrte Aloe“. Gelegentlich wird sie auch „Bittere Aloe“ genannt, was auf den in Südafrika in der Volksmedizin von alters her verwendeten, bitteren Saft Bezug nimmt.

Ihr Verbreitungsgebiet reicht von der südwestlichen Kapregion über rund tausend Kilometer ostwärts bis nach Kwazulu-Natal. Sie bildet im Alter einen Stamm und wird mit ihrer Rosette zwei bis drei Meter hoch. Die meist rötlichen Stacheln auf den Blättern geben besonders Jungpflanzen ein bizarres und attraktives Aussehen. Bei Aloe ferox sind die Blütenstände kandelaberförmig, die Teilblütenstände stehen aufrecht und sind ringsherum mit Blüten besetzt. Bei der sonst sehr ähnlichen Aloe marlothii stehen sie schräg und die Blüten sind einseitswendig. Auch diese wächst und blüht im Sukkulentenhaus. Die Blütenfarbe von Aloe ferox ist variabel, die meisten Abbildungen in der Literatur zeigen stärkere Rot-Töne. In Südafrika blühen diese Aloen von Mai bis August, das heißt im Südwinter.

Aloe ferox ist nicht nur als Zierpflanze beliebt. Sie hat auch erheblichen wirtschaftlichen Wert. Die dick fleischigen, sukkulenten Blätter liefern zwei verschiedene, wertvolle Produkte. Der bittere gelbe Saft wird schon seit zweihundert Jahren in traditioneller Form von Wildpflanzen geerntet, indem jeweils nur die ältesten Blätter abgeschnitten werden. Der Saft tropft aus den Schnittstellen der aufeinander gestapelten Blätter ab. Der eingedickte Saft wird lokal vor allem für Abführmittel, ferner in Mixturen von so genannten Lebenselixieren verwendet.

Von ganz anderer Zusammensetzung ist das wasserspeichernde Gewebe im Inneren des Blattes. Daraus werden wie bei der „Echten Aloe“ gelartige Substanzen gewonnen. Diese finden in der Medizin und in der Kosmetik Verwendung, was zu einer Überbeanspruchung der Bestände dieser Aloe-Art führen könnte.

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