Trump-Saga : Vom Millionär zum Milliardär

Der neu gewählte US-Präsident Donald J. Trump wollte schon als Student Immobilien-König werden. War er später mit der Beton-Mafia verbandelt?

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Remake. Donald Trump präsentierte 2005 in New York das Modell "Twin Towers II". Die am 11. September 2001 zerstörten Türme sollten wieder aufgebaut werden. Es kam anders.
Remake. Donald Trump präsentierte 2005 in New York das Modell "Twin Towers II". Die am 11. September 2001 zerstörten Türme sollten...Foto: Timothy A. Clary / AFP

„Ich habe in einem vergleichsweise kleinen Immobilienunternehmen in Brooklyn begonnen und inzwischen mehr als zehn Milliarden Dollar verdient. Ich lebe heute in der Straße, die als das beste Stück Immobilie weltweit gilt – auf der Fifth Avenue zwischen der 56th und 57th Street, direkt neben dem Tiffany’s und mitten im Herzen von New York City.“ - Donald J. Trump in seinem 2016 erschienenen Buch „Great Again“.

Ich werde der Immobilien-König von New York“, verkündete der neue Student selbstbewusst im Seminar an der feinen Wharton Business School der Universität von Pennsylvania. Wie man ihn heute kennt, fackelte „The Donald“ nicht lange. Während seine Kommilitonen gegen den Vietnam-Krieg demonstrierten, begann er seine Laufbahn zum Tycoon, indem er alte Häuser in seinem Studienort Philadelphia kaufte und weiterveräußerte.

Seine Hochschule, die „Penn“, gehört noch heute zur Ivy League der Eliteuniversitäten. Besser kann man nicht studieren in den USA. Das Geld dafür kam vom Herrn Papa, Fred Trump junior, der selbst schon mit Immobilien reich geworden war. Zehntausende Wohnungen hatte er im Lauf seines Lebens in Brooklyn und Queens gebaut.

Den Geschäftssinn hatte der Junior offenbar von seinem Vater, Frederick Trump senior geerbt. Der war ursprünglich Friseur und aus Kallstadt in der Pfalz nach Amerika ausgewandert. Nach mehren vergeblichen Anläufen hatte er ein Vermögen während des Goldrauschs gemacht. Nicht mit Nuggets, sondern mit einem Hotel, wo die Goldgräber im Restaurant gutes Essen und Alkohol bekommen und im Obergeschoss Prostituierte treffen konnten.

Er ist stolz darauf, seinen Vater überholt zu haben

Nach seinem Tod hinterließ Frank Senior seinem Sohn und seiner Frau ein ansehnliches Vermögen, das sie mit der Bautätigkeit rasch vermehrten. Über die Summe, die Donald Trump wiederum von seinem Vater bekam, um als Unternehmer zu starten, kursieren unterschiedliche Angaben. Der „Boston Globe“, der auch die Anekdote aus dem Wharton-Seminar recherchierte, nennt zwei Millionen Dollar. Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten fing also nicht als Tellerwäscher an, brachte es aber vom Millionärssohn zum Milliardär.

Dass er seinen Vater Fred C. Trump in wirtschaftlicher Hinsicht überholte, darauf ist Trump junior stolz. „Wir haben zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Größenordnungen gearbeitet“, schreibt der künftige US-Präsident in einem seiner Bücher: „Er baute gute Häuser und ich habe große Gebäude und Anlagen in New York City und auf der ganzen Welt gebaut.“

Glaubt man der Trump-Saga begann und gelang der erste Schritt auf dem Weg zum reichsten Bauunternehmer der Welt 1974. „28 Jahre alt war ich, als ich mein erstes großes Bauprojekt in Angriff nahm“, erzählte Trump später. „Das Commodore Hotel, direkt neben der New Yorker Grand Central Station gelegen, war einst ein großartiges Haus gewesen, nun aber völlig heruntergekommen.“ Trump machte aus der Bauruine das Grand Hyatt und überholte die Außenfassade der Grand Central Station gleich mit. Wer so erfolgreich ist, dem fliegen auch Herzen zu.

Taj Mahal Casino in Atlantic City trieb ihn beinah in den Ruin

Donald Trump hatte schon früh ein Faible für schöne Frauen, zum Beispiel Candice Bergen, damals Schönheitskönigin, später Schauspielerin. Sie erinnert sich an einen weinroten Anzug ihres Bewunderers, den er passend zu seiner weinroten Limousine trug.

Doch Trump war eben nicht nur Lebemann, sondern auch Geschäftsmann. Im Alter von 35 Jahren kaufte er seine erste private Villa mit beinah 2000 Quadratmetern Wohnfläche am Long Island Sound bei New York. Eingerichtet hat sie Trumps damalige Frau Ivana mit viel Blattgold, wie es sich für das Haus eines echten Baulöwen gehört. Nach der Scheidung von Trump verkaufte sie die Immobilie, die er für knapp vier Millionen gekauft hatte, für rund 15 Millionen Dollar.

Noch viel prachtvoller ist der herrschaftliche Sommersitz Mar-A-Lago in Palm Beach, Florida. Das 118-Zimmer-Schloss ließ die Cornflakes-Erbin Marjorie Merriweather Post in den 20er Jahren erbauen. Trump kaufte es 1985 und machte es zu einem seiner 18 exklusiven Golf-Resorts, die er rund um den Globus besitzt.

Doch auch wenn ihm das Image eines Midas anhaftet, der alles zu Gold macht, was er berührt, gab es auch Pleiten. Weder den Trump Steaks noch der Trump Airline noch dem Trump Vodka waren Erfolg beschieden. Monumental gestaltete sich in den 80-er Jahren der Bankrott von Trumps Casino Taj Mahal in Atlantic City. Von Anfang an zu groß geplant, konnte das Taj Mahal nie wirtschaftlich sein. Das Projekt trieb Trump beinah komplett in den Ruin, er musste seine Yacht und zahlreiche seiner Immobilien verkaufen oder beleihen.

Doch was ein echter amerikanischer Businessman ist, der steht immer wieder auf.

Ein Gewerkschaftsboss soll ein Apartment für seine Geliebte kriegen

Hoch über Manhattan residiert Trump in den obersten drei Stockwerken des bronzefarbenen Trump Tower an der Fifth Avenue. Der Journalist Wayne Barrett bezeichnet das Hochhaus in seiner Biographie „Trump: The Greatest Show on Earth“ als „Monument für die Mafia“. Warum sollte Trump das Gebäude ausschließlich aus Beton und nicht aus Stahlbeton gebaut haben, wie es in den 80-ern üblich war, wenn er nicht mit der Mafia verbandelt gewesen wäre? Denn damals sei die Betonbranche fest in deren Händen gewesen, schreibt Barrett.

Ihm zufolge fiel die Entscheidung für Beton auch deshalb, weil Trump dem Gewerkschaftsboss John Cody für einen streikfreien Bauverlauf ein Apartment für dessen Geliebte versprochen hatte. Cody wurde wegen seiner Mafia-Verbindungen zu mehreren Jahren ins Gefängnis verurteilt.

Etwa anders erzählt der Journalist David Cay Johnston die Geschichte: Bauen mit Beton sei billiger gewesen. Aber dadurch wäre für jeden Projektentwickler eine Abhängigkeit von der Beton-Mafia entstanden. Denn der Baustoff muss schnell gegossen werden, jede Verzögerung hätte die Bauarbeiten gefährdet. Trump sagt zu alledem: „Ich bin der sauberste Typ, den es gibt.“ Juristisch wurden ihm damals auch keine Verfehlungen nachgewiesen.

Trump weiß, wie man das richtige Pokerface aufsetzt

Und heute? „Die Immobilienwirtschaft in Deutschland wird trotz, ja sogar gerade wegen der Wahl von Donald Trump zum neuen Präsidenten der USA grundsätzlich profitieren“, teilt der Deutsche Anlage-Immobilien-Verbund mit. Denn sicherheitsorientierte Anleger würden ihr Kapital aufgrund von Trumps wirtschaftspolitischen Plänen nun erst recht in Immobilien anlegen. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirschaftsforschung, sieht keine Gründe, vor dem neuen starken Mann im Weißen Haus Angst zu haben: „Ein Präsident Trump, der versuchen würde wilde Politiken durchzusetzen, wird das nicht können“, sagte Fratzscher kurz vor der Wahl in Berlin: Die Amerikaner hätten gute „Checks and Balances“.

Trump indes hat von sich (noch) ein ganz anderes Bild, folgt man seiner im Plassen-Verlag im Mai dieses Jahres erschienenen Programmatik „Great again. Wie ich Amerika retten werde“. Den Einband schmückt eine entschlossen dreinblickende Kämpfernatur. „Great again“ ist eine autobiografische Bekenntnissammlung, die aus den Fundamenten des erworbenen Immobilienreichtums erwächst: „Auch als Anführer weiß ich, dass es Zeiten gibt, an denen man sich nicht ins Blatt schauen lassen sollte. Ein Beispiel: Als ich Grundstücke für den Bau eines Wolkenkratzers erwarb, musste ich viele kleine Grundstücke kaufen, um sie dann zu einem sehr großen und wertvollen Stück Land bündeln zu können. Dafür war strengste Geheimhaltung von allerhöchster Priorität. Hätten die Eigentümer dieser Immobilien herausgefunden, was ich vorhatte, hätten sie mir deutlich mehr Geld für ihr Stück Land abknöpfen können.“

Wer Freunde wie Trump hat, braucht sicher keine Feinde mehr, so steht zu befürchten.

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