Immobilien : Umsicht und Vorsicht reichen nicht aus

Brandschutz ist Privatsache, doch Rauchmelder können Leben retten

Waltraud Hennig-Krebs

Während Rauchmelder in vielen Ländern gesetzlich vorgeschrieben sind, haben hier zu Lande nur sieben Prozent der Haushalte die nützlichen Frühwarner installiert. In Schweden sind es beispielsweise 70 Prozent, und in Kanada, Großbritannien, Norwegen und den USA sind die kleinen „Lebensretter“ sogar Pflicht.

Jährlich brennt es in Deutschland 200 000 Mal – mit schlimmen Folgen: 600 Tote und rund 6000 Verletzte zeigt die Statistik. 95 Prozent aller Brandtoten in Deutschland sind nicht Opfer der Flammen, sondern sterben an einer Rauchvergiftung. Deshalb wären all diejenigen gut beraten, die noch keinen Rauchmelder installiert haben, ihre Wohnungen mit den kleinen Dosen an der Decke auszurüsten.

Noch immer unterliegen viele Menschen einer gefährlichen Fehleinschätzung. Sie meinen, ausreichend Zeit zu haben, um ihre brennende Wohnung zu verlassen. Nach Erfahrungen der Feuerwehr bleiben im Durchschnitt lediglich vier Minuten zur Flucht. Schon nach zwei Minuten kann eine Rauchvergiftung zum Tode führen. Denn zuerst brennt die Wohnungseinrichtung: Kunststoffe, Kleber, Textilien und Tapeten geben giftige Dämpfe ab. Der hohe Kohlenmonoxidgehalt im Rauch lässt schlafende Personen bewusstlos werden. Häufig tritt der Erstickungstod schon ein, bevor die Feuerwehr alarmiert ist.

Auch das Argument, man lasse genügend Umsicht und Vorsicht walten, um ein Feuer zu verhindern, ist nicht stichhaltig. Denn nicht immer ist es der leichtsinnige Umgang mit offenem Feuer bei Kerzen, Kaminen oder beim Rauchen im Bett, der einen Brand verursacht. Brandherde entstehen auch durch schadhafte elektrische Leitungen, falsch benutzte Elektrogeräte, und Überhitzung von Steckdosen durch Mehrfachstecker. Diese Schwelbrände werden dann häufig zu spät entdeckt.

Da bislang alle Bemühungen von verschiedenen Feuerwehrverbänden in der Bundesrepublik für eine gesetzliche Grundlage zum Einbau von Rauchmeldern scheiterten, bleibt der Brandschutz in den eigenen vier Wänden weiterhin Privatsache. Doch wer sich zum Einbau eines Frühwarngerätes entschließt, stellt sich natürlich die Frage, ob es im Notfall auch zuverlässig arbeitet. Hilfe bei der Auswahl bietet die Novemberausgabe der Zeitschrift „test“. Erstmals wurden Rauchmelder auf Zuverlässigkeit, Alarm und Handhabung untersucht. Geprüft wurden 18 Geräte zu Preisen zwischen zehn und 60 Euro. Sie haben eine 9-Volt-Batterie. Ist es an der Zeit, diese auszuwechseln, piepst das Gerät. Alle getesteten Rauchmelder arbeiten nach dem gleichen Prinzip: der so genannten Lichtstreuung. Durch eine bestimmte Konzentration der Rauchpartikel löst das Gerät einen schrillen Ton aus, der 85 Dezibel betragen muss.

Die Tester entfachten verschiedene Feuer, wobei der Flüssigkeitsbrand wegen der wenigen, großen Rauchpartikel am schwierigsten zu entdecken ist. Und so blieben die beiden teuersten Geräte „auf der Strecke“. Sie reagierten beim Flüssigkeitsbrand zu spät und bekamen dafür ein „Mangelhaft“. Sieben der 18 Rauchmelder bekamen ein „Gut“, doch nur zwei überzeugten auch in der Handhabung: Ei Home (El 2105 B) für 15 Euro 30 und REV (0023510) für zehn Euro.

Wer seine Wohnung mit Rauchmeldern ausstatten will, sollte sie nicht in Räumen anbringen, in denen es schnell zu einem Fehlalarm kommen kann, wie etwa Küche, Bad oder an staubigen Orten – etwa der Keller. Idealerweise installiert man die Geräte im Flur sowie im Schlaf- und Kinderzimmer.

Informationen: „test“-Novemberheft (3 Euro 60), Tipps zum Brandschutz im Internet unter www.berliner-feuerwehr.

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