Villa in Schönholz : Zutritt nur mit besonderer Genehmigung

Exklusivität kennzeichnet das Anwesen „Straße vor Schönholz 23“ seit der Jahrhundertwende um 1900.

Klaus Grimberg

Über die Historie des Gebäudes in Schönholz lassen sich in den Archiven nur bruchstückhafte Informationen finden. Denn der Großteil der Pankower Bauakten ging im Zweiten Weltkrieg verloren. Vermutlich stammt die Villa aus der Zeit der Jahrhundertwende um 1900. Damals nahm die Kolonie Schönholz mit der Anbindung an Reinickendorf durch die Provinzstraße (Ende der 1880er Jahre) und den mehrfach erweiterten Bahnhof an der Nordbahn (seit 1877) einen gewissen Aufschwung. Nach den Berliner Adressbüchern jener Zeit, so Jörg Schulz vom Verein Freundeskreis der Chronik Pankow, gehörte das betreffende Grundstück 1911 einer Terraingesellschaft Bahnhof Schönholz GmbH, für 1912 ist lediglich ein Neubau vermerkt.

Im Pankow-Archiv lagert eine akribisch angefertigte „Kleine Ortschronik Schönholz“, zwischen 1982 und 1984 erarbeitet von einer Kreis-AG „Junge Historiker“. Das Anwesen Straße vor Schönholz 23 wird darin als „Villa des Mühlenbesitzers Bollenbach“ beschrieben. Tatsächlich lässt sich ein „Heinrich Bollenbach, Ingenieur, Maschinenfabrik und Mühlenbauanstalt“ in der Buddestraße 6 in Reinickendorf-Ost aus den einschlägigen Adressbüchern nachweisen, später ist eine Witwe M. Bollenbach als Eigentümerin vermerkt. Jene Buddestraße lag direkt am fraglichen Grundstück, durch ihre spätere Lage im Mauerstreifen ist sie heute nur noch in Rudimenten erhalten.

Die Vermutung liegt demnach nahe, dass ein aufstrebender Industrieller seinem Unternehmenserfolg durch die auffällige Villa Ausdruck verlieh. Dafür sprächen auch die architektonischen Merkmale des Gebäudes in der Tradition des Neoklassizismus. „Das Absetzen des rustizierten Erdgeschosses gegen ein mit Ziegeln verblendetes Obergeschoss gehört zu den in dieser Zeit beliebten Gestaltungsmitteln, die auch im Mietshausbau zu finden sind. Es ist auf akademische Bestrebungen zurückzuführen, Material gegenüber dem Stuckieren der Fassaden sichtbar zu machen“, so die Einschätzung von Christina Czymay, Baudenkmalinventarisatorin vom Landesdenkmalamt Berlin.

Nach Ende des Krieges wird das Gebäude dann sehr bald als Altersheim genutzt, ab 1945/46 bis etwa 1975. In den darauffolgenden Jahren richtet sich in der Villa eine Dienststelle der Volkspolizei ein, nach persönlichen Erinnerungen alter Schönholzer ist hier – zumindest vorübergehend – auch ein Musterungsstützpunkt der Nationalen Volksarmee NVA und eine Anlaufstelle der „Gesellschaft für Sport und Technik“ untergebracht. Derlei „staatsnahe“ Nutzungen leuchten allein schon deshalb ein, weil das Grundstück im geteilten Berlin unmittelbar an die Hinterlandmauer im Osten grenzte und damit im Sperrgebiet lag.

Nach dem Mauerfall zieht vorübergehend das Pankower Gewerbeamt in die über die Jahrzehnte heruntergewirtschaftete Villa ein. Im April 1992 berichtet der „Berliner Kurier“ von mehreren Bränden im „Wirtschaftsamt“, in deren Folge das Gebäude „abrissreif“ sei. Die Brände sind auch der Grund dafür, dass der für den Ortsteil Schönholz sehr untypische Bau nicht in die Denkmalschutzliste aufgenommen wird. Die ausgebrannte Ruine modert einige Jahre vor sich hin, dann findet sich doch noch ein Investor, der Ende der 1990er Jahre zunächst ein neues Dach aufsetzen lässt, sich an der Sanierung aber finanziell offenbar überhebt. 1999 erwirbt die Republik Sambia die Liegenschaft.

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