Immobilien : Wasserpreise lassen Nebenkosten steigen

Mieter müssen sich auf höhere Vorschüsse einstellen, wenn im Vertrag die Umlage der tatsächlichen Betriebskosten vereinbart wurde

Jutta Burmeister

Die meisten Mieter erhalten in den kommenden Tagen oder Wochen ihre Betriebskostenabrechnung für das vergangene Jahr, und dann werden sie sich wundern. Zusammen mit der Abrechnung für das Jahr 2003 verschicken die meisten Vermieter nämlich auch eine neue Berechnung der in diesem Jahr fälligen Vorschüsse. Und diese dürften wesentlich höher ausfallen als im Jahr zuvor. Der Grund liegt in den gestiegenen Wasserpreisen. Um immerhin 15,2 Prozent haben die Berliner Wasserbetriebe (BWB) ihre Preise zum 1.Januar 2004 erhöht. Nach Angaben des Berliner Mietervereins macht Wasser je nach Haus zwischen 30 und 50 Prozent der gesamten Betriebskosten aus und bildet damit den weitaus größten Posten in der Betriebskostenabrechnung.

Kostete ein Kubikmeter Wasser im vorigen Jahr noch 4,37 Euro, so sind jetzt 5,03 Euro zu zahlen. Damit liegt Berlin nach Angaben von BWB-Sprecher Stefan Natz auf dem Niveau von Hamburg oder Stuttgart. Im Berliner Umland, zum Beispiel in Potsdam, werde erheblich mehr für Wasser und Abwasser berechnet, sagte Natz. In München oder Köln lägen die Preise dagegen deutlich darunter. Natz weist außerdem darauf hin, dass es seit 1996 in Berlin keine Erhöhung der Wasserpreise mehr gegeben habe. Bei einem mittleren Pro-Kopf-Verbrauch von 121 Litern bedeuten die neuen Preise eine Mehrbelastung von jährlich 29,10 Euro. Eine vierköpfige Familie muss also rund 120 Euro mehr für den Wasserverbrauch zahlen.

Allerdings kann der Vermieter nur dort, wo dies im Mietvertrag vereinbart ist, die im gesamten Haus entstandenen Betriebskosten auf die Mieter umlegen. Abrechnungszeitraum ist üblicherweise das Kalenderjahr, sodass die Abrechnungen in der Regel im Laufe der Monate März oder April versandt werden, und zwar zeitgleich mit einer neuen Vorschussberechnung für das laufende Jahr. Von der Erhöhung vorerst nicht betroffen sind all jene Mieter, in deren Mietvertrag eine Nettokaltmiete inklusive einer Betriebskostenpauschale vereinbart ist. Dies ist besonders häufig in älteren Mietverträgen der Fall. Die Betriebskostenpauschale ist im Mietspiegel festgeschrieben und für den Vermieter bindend. Dabei ist es unerheblich, ob die tatsächlich im Haus entstandenen Betriebskosten über oder unter dieser Pauschale liegen. In dem einen Fall profitiert der Vermieter, im anderen die Mieter. Jedoch ist damit zu rechnen, dass Preiserhöhungen bei Wasser oder Strom zu einer Erhöhung der Betriebskostenpauschale führen werden.

Mehr zahlen müssen auch Besitzer von Eigentumswohnungen. Hier musste der Hausverwalter die höheren Preise bereits im Wirtschaftsplan für das Jahr 2004 berücksichtigen. Dieser wurde den Eigentümern meist bereits vorgelegt, sodass die Eigentümergemeinschaft rückwirkend zum 1.Januar 2004 ein höheres Wohngeld beschließen konnte.

Stabil geblieben sind in diesem Jahr die Preise bei Bewag und Gasag. Bei der Gasag liegen die Grundpreise je nach Tarif zwischen 4,06 und 26,68 Euro, die Verbrauchspreise zwischen 4,8 und 6,6 Cent je Kilowattstunde. Eine Erhöhung ist nach Angaben des Unternehmens vorerst nicht geplant. Strom- oder Gaskosten fallen zwar wegen ihrer geringen Höhe bei den Betriebskosten sowieso kaum ins Gewicht. Was die vom Mieter selbst zu zahlenden Stromkosten angeht, kann ein Preisvergleich zwischen verschiedenen Stromversorgungsunternehmen jedoch sinnvoll sein. Je nach Haushaltsgröße und Wohnort sind unterschiedliche Anbieter am preisgünstigsten. So kommt zum Beispiel eine vierköpfige Familie in Wilmersdorf mit der Bewag am billigsten davon: Im Tarif „MultiConnect“ sind neben der Grundgebühr von 138 Euro jährlich 14 Cent je Kilowattstunde zu zahlen. Bei einem Jahresverbrauch von 4100 Kilowattstunden sind dies 692,32 Euro – immerhin rund 18 Euro weniger als beim zweitgünstigsten Anbieter. Nicht immer fährt man jedoch mit der Bewag so gut: Bei einem Single-Haushalt in Kreuzberg sind immerhin sechs Anbieter, darunter Yello und die Energie AG, preiswerter als die Bewag.

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