Wettbewerb : Der große Entwurf

Architektenwettbewerbe haben bei vielen Bauherren nicht den besten Ruf. Zu teuer und zu aufwendig seien sie, hört man, und am Schluss wähle das Preisgericht womöglich einen Entwurf aus, den der Investor gar nicht wolle.

 Umso mehr lässt es aufhorchen, wenn der Bauherr eines privaten Einfamilienhauses ganz und gar freiwillig einen Architektenwettbewerb auslobt – und mit dem Ergebnis höchst zufrieden ist.

Lange und intensiv hatte der Bauherr, der nicht genannt werden will, eine angemessene architektonische Lösung für das 2000 Quadratmeter große Grundstück in bester Dahlemer Lage gesucht. Auf Empfehlung seines Beraters entschied er sich schließlich, in Zusammenarbeit mit dem Organisationsbüro Phase 1 einen veritablen Architektenwettbewerb mit Jury und Preisgeld durchzuführen. Eingeladen wurden sechs namhafte Büros aus dem deutschsprachigen Raum. Darunter war das Berliner Büro Graft, das selbst Leser bunter Blätter durch seine Zusammenarbeit mit Brad Pitt kennen, das Wiener Büro Delugan Meissl, das zuletzt mit dem Porsche-Museum in Stuttgart für Furore sorgte, und der vor allem mit Museumsprojekten hervorgetretene Berliner Volker Staab.

Dass sich Stars der Branche auf ein vergleichsweise kleines Bauvorhaben einlassen, ist laut Thomas Kaup, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten (BDA) Berlin, nicht erstaunlich. „Der Bau einer Villa ist noch immer die Königsaufgabe für einen Architekten“, erklärt er. „Hier kann der Architekt ein Statement abgeben und exemplarisch Entwurfsideen umsetzen.“

Billig ist ein solcher Wettbewerb natürlich nicht. Honorare für die teilnehmenden Architekten und die Jury sowie Kosten für die Organisation belaufen sich auf mehrere zehntausend Euro. Allerdings dürfte das Investitionsvolumen für die 650 Quadratmeter Nutzfläche aufweisende Dahlemer Villa im deutlich siebenstelligen Bereich liegen, so dass die Ausgaben für den Wettbewerb nur einen kleinen Anteil ausmachen.

Dennoch rät der BDA-Vorsitzende Kaup nun nicht allen Häuslebauern, einen solchen Wettbewerb durchzuführen. Ausgesprochen sinnvoll auch bei kleineren privaten Bauvorhaben ist es seiner Ansicht nach jedoch, in einem frühen Stadium professionelle Berater hinzuzuziehen und so den Blick auf den Entwurf des Architekten zu schärfen. „Am Anfang kann ein Bauherr am meisten falsch machen“, argumentiert Kaup. „Deshalb ist es sehr vernünftig, gerade am Anfang einen professionellen Rahmen zu finden.“ Zudem hätten private Bauherren aufgrund des „enormen Erfahrungsgefälles“ oft Schwierigkeiten, gleichberechtigt mit ihrem Architekten zu sprechen. Das Preisgericht beim Dahlemer Wettbewerb entschied sich für den Entwurf von Delugan Meissl, der als Einziger ein eingeschossiges Gebäude vorsieht. ch

Eine Ausstellung mit den Wettbewerbsentwürfen gibt es in der BDA-Galerie, Mommsenstraße 64. Sie ist noch bis zum 22. November von 15 bis 19 Uhr geöffnet.

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