Wohnen im Alter : Hürden abbauen, nicht reißen

Wenn im Alter die Wohnung zum Hindernisparcours wird, ist es höchste Zeit, an einen Umbau zu denken.

Nicola Menke
Ein Treppenlift schlägt mit rund 10 000 Euro zu Buche. Man kann ihn aber auch gebraucht kaufen oder – nach einer größeren Einmalzahlung – mieten.
Ein Treppenlift schlägt mit rund 10 000 Euro zu Buche. Man kann ihn aber auch gebraucht kaufen oder – nach einer größeren...Foto: Thyssen Krupp Treppenlif/dpa/tmn

Senta H. freut sich schon auf ihren 100. Geburtstag. Denn es geht ihr gut in ihrem kleinen Haus. Einkäufe und Botengänge erledigen die Kinder der langjährigen Nachbarn, kochen kann sie noch bestens selbst und einmal in der Woche kommt eine Putzhilfe. Wenn nur die Hüfte noch richtig mitmachen wollte. Und wenn die steile Treppe zum Schlaf- und Badezimmer im Obergeschoss nicht wäre. Ihre Selbstständigkeit will sie jedoch nicht aufgeben. Sie muss sich also etwas einfallen lassen.

Fit und selbstbestimmt ins hohe Alter gehen und den Lebensabend nicht im Heim, sondern den eigenen vier Wänden verbringen – wer wünscht sich das nicht? Doch selbst bei guter Gesundheit wächst mit den Jahren die Gebrechlichkeit, man sieht und hört schlechter, verliert an Kraft oder hat Probleme beim Gehen. Manche Wohnung wird da zum Hindernisparcours. Die Lösung: ein altersgerechter Umbau.

„Es geht darum, das Wohnumfeld an die Einschränkungen, die im Alter auftreten, anzupassen, so dass der Betroffene möglichst lange komfortabel dort leben kann“, erklärt Katrin Hodler von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungsanpassung in Hannover. Wichtig sei vor allem, Barrierefreiheit zu schaffen – sprich Schwellen zu beseitigen, Stufen durch Lift oder Rampe überwindbar zu machen und Türen so zu verbreitern, dass sie auch im Rollstuhl gut durchgängig sind.

Dazu kommen eine seniorengerechte Umgestaltung des Badezimmers mit ebenerdiger Dusche, Haltegriffen und eventuell einem Badewannenlift – und kleinere Umbauten wie das Anbringen von Lichtschaltern auf Sitzhöhe. All das ist nicht billig: „Alleine der Umbau eines Bades kann 10 000 bis 15 000 Euro kosten, und ein Treppenlift schlägt mit rund 10 000 Euro ebenfalls ordentlich zu Buche“, gibt Hodler zwei Beispiele. Wobei man die langlebigen Lifts durchaus gebraucht kaufen kann. Das hat auch Senta H. schon gehört und ihren Enkel im fernen Bayern gebeten, sich mal zu erkundigen.

Der Preis für eine Komplettsanierung nach altersgerechten Kriterien variiert je nach Ausgangssituation: Er kann moderat sein, jedoch auch im mittleren bis oberen fünfstelligen Bereich liegen. So viel Geld aufzubringen ist für viele unmöglich. Da der Bedarf an altersgerechten Wohnungen mit der steigenden Lebenserwartung der Menschen wächst, sind aber mittlerweile verschiedene Förderungen und Zuschüsse erhältlich.

So gewähren etwa die Pflegekassen Unterstützung in Höhe von bis zu 2557 Euro für einen Umbau. Auch von anderer Seite, etwa dem Sozialamt, dem Rehaträger oder den kommunalen Wohnungsbauförderungsstellen, werden oft Gelder zur Verfügung gestellt. Ist die maximale Fördersumme relativ niedrig, eignet sich die Finanzierungshilfe eher für Einzelanpassungen wie den Umbau der Dusche.

„Will man die Wohnung komplett altersgerecht gestalten und hat kein ausreichendes Eigenkapital, benötigt man zusätzliche Mittel, etwa einen Kredit der Förderbank KfW“, erklärt Peter Burks, Autor eines Ratgebers zum altersgerechten Umbauen der Stiftung Warentest. Mit bis zu 50 000 Euro würden Arbeiten durch das Programm „Altersgerecht Umbauen“ gefördert. Jedoch sei die Zahlung an strenge Standards gebunden.

„Entspricht der fertige Umbau den Standards nicht – und das können Kleinigkeiten wie ein ungenauer Niveauausgleich sein –, kann es sein, dass der Bauherr den Kredit am Ende doch nicht erhält“, warnt Burks. Als mögliche Alternative bietet sich das KfW-Programm „Wohnraum modernisieren“ an: Zwar ist hier der Zinssatz höher, doch das Programm ist nicht an so detaillierte Vorgaben gebunden und hat mit 100 000 Euro sogar eine höhere Fördersumme.

Kredit freilich bleibt Kredit – man weiß nicht, ob man ihn bekommt, und muss sich überlegen, ob man ihn abzahlen kann. Da Letzteres mit steigendem Alter unwahrscheinlicher wird, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Hausbank den Kredit nicht bewilligt. Wer seinen Lebensabend zu Hause verbringen will, sollte also frühzeitig umbauen.

In jedem Fall sollte man sich vor der altersgerechten Sanierung von einem Experten beraten lassen. Dieser kann genau ermitteln, welche Arbeiten im konkreten Fall sinnvoll sind. „Wenn der Umbau hingegen so aufwendig ist, dass die Kosten komplett in den Himmel schießen, ist es oft sinnvoller, sich nach einer Wohnung umzusehen, die bereits altersgerecht ist“, sagt Irmtraud Swoboda vom Verband Privater Bauherren. Dies gilt besonders, wenn man zur Miete wohnt – investiert man hier doch in fremdes Eigentum und hat im Fall des Auszugs kein Anrecht auf Rückzahlung der Kosten.

Will man dennoch umbauen, sollte man dies unbedingt in Absprache mit dem Eigentümer tun. Er kann zwar in der Regel kein Veto einlegen – außer in wenigen Ausnahmen (Denkmalschutz) haben Mieter Anspruch auf altersgerechtes Wohnen –, doch darf man auch nicht ohne seine Zustimmung loslegen.

Senta H. hat Glück mit ihrem Haus, sie muss keinen Vermieter fragen. Darauf, dass sie in ihrem Alter noch einen Kredit bekommt, spekuliert sie allerdings nicht. Sie muss also ihr „Erspartes fürs Alter“ angreifen, um den hilfreichen Sitzlift einbauen zu lassen. Wie wär’s mit einem Mietmodell?, schlägt der Enkel vor. Da würde eine Einmalzahlung von rund 3000 Euro fällig sowie zunächst drei Jahre lang monatlich knapp 100 Euro. „Na, das werde ich wohl machen“, sagt die nahezu Hundertjährige. „Ein Kauf lohnt vielleicht nicht, denn wer weiß, ob ich überhaupt noch 30 Jahre lebe.“ (dpa)

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