Wohnen in Biesdorf : Platz für neue Gutsherren und Eisern-Union-Fans

Kleinteilige Bebauung, gute Infrastruktur: Planer zieht es nach Biesdorf.

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Die „Grüne Aue Biesdorf“ soll sich seinen Gartenstadtcharakter auszeichnen.
Die „Grüne Aue Biesdorf“ soll sich seinen Gartenstadtcharakter auszeichnen.Christoph Kohl | KK Architekten/KW-Development

Gleich zwei große Neubauvorhaben in Biesdorf zeigen, dass Berlin ernst macht mit der Verdichtung. Die kommunale Wohnbauten-Gesellschaft Stadt und Land stellte in dieser Woche ihr größtes Neubauvorhaben in Alt-Biesdorf vor, das mit der Kondor Wessels Wohnen Berlin GmbH als Generalunternehmerin realisiert werden soll. Und nur wenige Kilometer entfernt feierte die von Christoph Kohl | KK Architekten geplante und von der KW-Development entwickelte Gartenstadt „Grüne Aue Biesdorf" Richtfest. Beide Vorhaben können auf die Umgebung mit zahlreichen Parks und Seen, die fußläufig oder bequem mit dem Rad erreichbar sind, verweisen. Der Landschaftspark Wuhletal und der malerische Schlosspark mit dem 1868 erbauten Schloss Biesdorf sind sogar nur einen kurzen Spaziergang entfernt.

Während von KW-Development 80 Doppel- und Reihenhäuser für Eigentümer errichtet werden, geht es bei Stadt und Land um Mietwohnungen: Auf dem Areal des historischen Guts Alt-Biesdorf sollen bis 2020 mehr als 500 Mietwohnungen entstehen. Mehr als 1000 Menschen sollen hier künftig ein neues Zuhause finden.

Stadt und Land vermietet derzeit bereits rund 16 000 Wohnungen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, zu dem auch Biesdorf gehört. Auf rund 30 000 Mieterinnen und Mieter kann die kommunale Gesellschaft – eine der größten des Landes Berlin – bereits verweisen.

Klassische Wohnstadt für die bürgerliche Mittelschicht

Drei auf dem Grundstück vorhandene denkmalgeschützte Gebäude werden im Stadt-und-Land-Projekt in die Neubebauung eingebettet. Der historische Kuhstall wird dabei zu einem prägenden Element am zentralen Platz des Quartiers. Der ehemalige Vierseithof auf dem historischen Gutsgelände ist im 19. Jahrhundert entstanden und war lange Zeit im Besitz der Familie Siemens. Wegen seiner geringen Ertragsfähigkeit hat das Gut häufig den Besitzer gewechselt. Seit den 1950er Jahren, als die landwirtschaftliche Bewirtschaftung aufgegeben wurde, erfuhr es darüber hinaus wechselnde Nutzungen. Die Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf, Dagmar Pohle, betonte: „Den Gutshof Alt-Biesdorf mit Wohnungen und Einrichtungen zu ergänzen, heißt, ihn mit Leben zu erfüllen und dem Bezirk mit einer idealen Nutzung zurückzugeben, ohne den historischen Bestand preiszugeben. Die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner werden nicht nur diesen einmaligen Standort schätzen, sondern auch die guten Verkehrsverbindungen ins Zentrum der Stadt sowie in das grüne Umland.“

Der Gutshof Alt-Biesdorf soll von Kondor Wessels mit Wohnungen ergänzt werden, ohne den historischen Bestand preiszugeben.
Der Gutshof Alt-Biesdorf soll von Kondor Wessels mit Wohnungen ergänzt werden, ohne den historischen Bestand preiszugeben.Grafik: Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft

Rund 30 Prozent der neuen Mietwohnungen entstehen im Rahmen des geförderten Wohnungsbaus, die monatliche Nettokaltmiete beträgt damit anfangs 6,50 Euro pro Quadratmeter. Ingo Malter, Geschäftsführer der Stadt und Land, sagte: „Dieses Neubauvorhaben ist ein wichtiger Baustein bei der von uns angestrebten Bestandserhöhung auch im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Der Ortsteil Biesdorf zeichnet sich durch eine kleinteilige Bebauung und eine gute Infrastruktur aus, daher freuen wir uns, Flächenpotentiale wie den historischen Gutshof für das Wohnen nutzen zu können.“

Insgesamt wächst Stadt und Land nach Unternehmensangaben seit Anfang 2014 jährlich um durchschnittlich rund 1300 Wohnungen. In den nächsten Jahren will man rund 2,3 Milliarden Euro in den Neubau und Ankauf von Wohnungen investieren. Der Bestand soll bis 2026 durch Neubau und Ankauf auf insgesamt 55 500 Wohnungen wachsen.

Gute Lage und Anbindung

Dass die Lage in Biesdorf nicht besser sein könnte, findet auch Bauherr Jan Kretzschmar von der KW-Development. „Biesdorf ist ein klassischer Wohnort für die bürgerliche Mittelschicht. Das zeigt vor allem auch die enorme Beliebtheit der 80 Doppel- und Reihenhäuser, von denen nur noch 15 zu verkaufen sind“, sagte er. Die Beliebtheit des Gartenstadt-Konzepts bestätige die Nachfrage: Rund 65 Prozent aller Einheiten seien zum Richtfest bereits verkauft. Alle elf zur Wahl stehenden Haustypen verfügen über ein Kellergeschoss und haben standardmäßig ausgebaute Dachgeschosse.

Zur Auswahl stehen zudem Eigentumswohnungen in drei Stadtvillen. „Von den 36 Wohnungen sind noch 24 frei, die auch für Kapitalanleger interessant sind“, warb Kretzschmar. Sie haben zwei, zweieinhalb oder drei Zimmer und Flächen von zirka 57 bis zirka 80 Quadratmeter. Die 80 Reihen- und Doppelhäuser in der „Grüne Aue Biesdorf“ zu Kaufpreisen ab 389 000 Euro haben jeweils zwischen rund 111 und 180 Quadratmeter Wohn-/Nutzfläche und verfügen über eigene Stadtgärten. Die Häuser stehen auf real geteilten Grundstücken. Der erste Bauabschnitt soll ab Sommer 2018 bezugsfertig sein.

Zwei Buslinien und jeweils zwei U- und S-Bahnstationen sind fußläufig erreichbar, schreiben die Planer. Und die B1 sei – obschon nur zwei Häuserblocks entfernt – nicht zu hören. Alt werden darf man hier auch: Das renommierte Unfallkrankenhaus Marzahn ist nur 3,5 km entfernt. Und weil zudem auch noch das Stadion an der Alten Försterei in einer Viertelstunde mit dem Pkw zu erreichen ist, dürften die Lage des Ensembles für Fans des 1. FC Union Berlin unschlagbar sein.

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