Immobilien : Wohnen mittenmang

Die Bavaria plant Wohnungen im KPM-Gelände im Tiergarten

NAME

Von Bernd Hettlage

Das Gelände der Königlichen Porzellan Manufaktur (KPM) gilt als eines der letzten großen Filetgrundstücke mitten in Berlin. Es liegt zwischen Landwehrkanal und Spreebogen, direkt am S-Bahnhof Tiergarten. Von hier aus erreicht man in wenigen Minuten sowohl mit dem PKW als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln das Regierungsviertel, Potsdamer Platz und Bahnhof Zoo.

Das Areal gehört zur historischen „Spreestadt Charlottenburg“, einem Industriequartier, auf dem vor über 130 Jahren Siemens und eben die KPM Produktionsstätten errichteten. Im frühen 20.Jahrhundert siedelte sich hier auch Daimler Benz an. Heute unterhält DaimlerChrysler am Salzufer unweit der KPM seine Berliner Hauptniederlassung.

600 Wohnungen sollen nach dem Willen des Senats in der Spreestadt in den nächsten Jahren entstehen, dazu eine Mischung aus Dienstleistung und Gewerbe. 140 Wohnungen sollen es allein auf dem KPM-Gelände werden, so hieß es jedenfalls noch im Frühjahr auf der internationalen Immobilienmesse Mipim in Cannes. Doch wer auf dem „Filetgrundstück“ wohnen will, muss noch eine ganze Weile warten, genauer gesagt: Jahre. Denn zunächst einmal wird der Eigentümer des Geländes, die Bavaria Objekt- und Baubetreuung GmbH, dort Büros und ein Hotel errichten.

Die Bavaria, eine Tochter der Bankgesellschaft Berlin, hatte das Areal 1998 für 61 Millionen Mark von der damals Not leidenden Porzellanmanufaktur erworben. Die KPM zog sich an den Rand des Areals zurück in einige historische Gebäude, die mittlerweile umgebaut und saniert werden. So erhielt ein Kubus aus den sechziger Jahren eine dunkle Fassade aus Glas und Stein, auf der jetzt das KPM-Logo prangt. Auf dem restlichen Gelände wird seit einiger Zeit gebaggert. 16 Nachkriegsgebäude der KPM hat die Bavaria bereits abreißen lassen, so dass das über 30000 Quadratmeter umfassende Areal nun eine einzige große Baugrube ist. Noch in diesem Herbst soll hier gebaut werden. Rund 200 Millionen Euro will die Bavaria investieren und damit insgesamt 97000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche errichten.

Baubeginn aufgeschoben

Doch Wohnungen werden hier wohl erst in den Jahren 2005 oder 2006 entstehen, so die Bavaria-Projektleiterin Jutta Brosza. „Im Augenblick ist die Situation im Wohnungsbau ja wenig berauschend“, sagt der Geschäftsführer der Gesellschaft, Harald Müller. Von den drei geplanten Gewerbeimmobilien sei dagegen eine bereits komplett vergeben. In das so genannte Verbändehaus, geplant von den Berliner Architekten Heinle, Wischer&Partner mitten auf dem Gelände werden auf insgesamt 30000 Quadratmetern die Bundesärztekammer (BÄK), die deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) einziehen.

Auch für das zweite Gebäude, einen 64 Meter hohen Turm direkt an der Straße des 17. Juni, hat man bereits einen Hauptmieter gefunden. Der Hotelbetreiber Accor wird dort ein Sofitel-Hotel öffnen. Die Vier-Sterne-Herberge wird auf 18000 Quadratmetern rund 290 Zimmer anbieten. Eröffnung soll im Oktober 2004 sein, im nächsten Sommer soll zumindest schon der Rohbau stehen. Das Sofitel zieht in den sechsgeschossigen Sockel ein. „Daraus wächst dann“, so Projektleiterin Brosza, „ein elfstöckiger Turm.“ Auf der 4500 Quadratmeter Nutzfläche sollen Büros entstehen, mit der Vermarktung will man noch in diesem Herbst beginnen. Langfristig, so Brosza, wolle die Bavaria das Gebäude aber verkaufen, an einen Immobilienfonds oder andere institutionelle Anleger.

Ein weiteres Bürohaus mit rund 10000 Quadratmetern Nutzfläche soll anschließend an der englischen Straße entstehen, hinter den bei der Porzellan-Manufaktur verbliebenen Gebäuden. Die Mieten dort, sagt Brosza, sollen „vergleichsweise günstig werden und deutlich unter 20 Euro liegen“. Wie hoch sie in den anderen Gebäuden liegen und was Accor für sein Hotel bezahlt, will sie aber nicht verraten.

Erst wenn das alles gebaut ist, will man die Wohnungen angehen. Nicht nur wegen der besagten „wenig berauschenden“ Lage am Immobilienmarkt, sondern auch weil die Wohnungen, überwiegend an Eigennutzer verkauft werden sollen. Und wer möchte schon auf eine Großbaustelle ziehen?

Ein Wohnturm mit Panoramablick

Drei Türme voller Wohnungen mit einer Gesamtfläche von rund 16000 Quadratmetern sollen entstehen. Die Blöcke sind auf die Spree ausgerichtet. Allerdings stehen sie in der zweiten Reihe. Zwischen Wohnturm und Spree liegt noch ein Gebäude der Technischen Universität. Doch ab dem sechsten Stock, schwärmt Brosza, „hat man einen Blick über ganz Berlin.“ Ganz oben werde es die „Highlight-Wohnungen“ geben, 150 Quadratmeter groß. Die Bavaria könne sich auch vorstellen, ein ganzes Stockwerk mit einer einzigen Wohnung zu füllen. Dort gäbe es dann einen Panoramablick. Es werde aber auch kleinere Wohnungen mit 120 Quadratmetern und wohl auch Zwei-Zimmer-Appartements mit einer Fläche von 70 bis 90 Quadratmetern geben. Auf jeden Fall seien vielseitige Grundrisse vorgesehen.

Der angestrebte Verkaufspreis für die Wohnungen beträgt 3000 Euro pro Quadratmeter aufwärts. Allerdings könne man Preise, fügt Brosza schnell hinzu, eigentlich noch gar nicht genau beziffern. Man müsse abwarten was der Markt hergibt, wenn die Bavaria mit dem Bau des Projektes beginnt.

Zukunftsmusik sie sie also, die Wohnungen mit Berlin-Blick ebenso wie deren Preise. Derzeit steht noch nicht einmal der Architekt fest. Allerdings entspreche die Nutzung mit Wohnungen an dieser Stelle dem Bebauungsplan der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, so formuliert es Brosza. Nur verhält es sich hier anders als andernorts in der Stadt: Der Bauträger muss keine Wohnungen errichten, wenn er die Gewerbeflächen baut. Aber: Etwas anderes als Wohnungen darf die Bavaria an dieser Stelle nicht bauen - es zwingt sie jedoch niemand, dort überhaupt zu bauen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben