Wohnungsmarkt in Potsdam : „Mehr Geld für sozialen Wohnungsbau“

Rainer Radloff, stellvertretender Vorsitzender des Mietervereins Potsdam und promovierter Jurist, fordert wegen des angespannten Wohnungsmarkts in Potsdam, den Bau günstiger Wohnungen stärker zu fördern.

Der Markt macht dicht. In Potsdam werden günstige Wohnungen immer knapper.
Der Markt macht dicht. In Potsdam werden günstige Wohnungen immer knapper.Foto: imago/chromorange

Herr Radloff, wie angespannt ist die Mietsituation in Potsdam?
Menschen mit gutem Einkommen finden ohne große Probleme eine gut ausgestattete, relativ teure Wohnung. Bei günstigen und preisgebundenen Wohnungen hingegen ist der Markt zu, und die Zahl dieser Wohnungen wird immer geringer.

Wie sollte die Politik reagieren?
Die Stadt hat das Problem erkannt und eine fünfköpfige Expertengruppe beauftragt, unter dem Begriff „Potsdam 22“ wohnungspolitische Vorschläge zu erarbeiten. Aufgrund der Empfehlungen dieser Experten, zu denen auch ich gehörte, hat die Stadtverordnetenversammlung die Erstellung eines wohnungspolitischen Konzepts beschlossen, das 2015 vorliegen soll.

Was schlagen Sie konkret vor?
Bund, Land und Kommune müssen mehr Geld für die Förderung des sozialen Wohnungsbaus in die Hand nehmen. In Potsdam und anderen Gemeinden im Berliner Umland braucht es mehr preisgebundenen Wohnungsbau. Zudem erwarten wir, für diese Gemeinden die Mietpreisbremse einzuführen, sobald die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen.

Die Stadt baut über ihre Wohnungsbaugesellschaft Pro Potsdam Wohnungen und hat Konzepte für günstige Wohnungen im Bestand entwickelt. Reicht das nicht?
Selbst die Pro Potsdam muss für ihre Neubauwohnungen mindestens 8,50 Euro pro Quadratmeter Miete verlangen, wenn sie rein wirtschaftlich vermieten will. Deshalb braucht es die Unterstützung durch die öffentliche Hand.

Wie beurteilen Sie die Bautätigkeit im Bereich der gehobenen Wohnungen?
Wir haben nichts gegen die Erstellung von Wohnungen im oberen Segment. Auch Besserverdienende brauchen ein ausreichendes Angebot an Wohnungen. Und wenn sie in eine Neubauwohnung ziehen, wird oft eine günstigere Wohnung frei – wobei die Vermieter bei der Wiedervermietung leider häufig kräftig zulangen. Deshalb fordern wird, dass die Landesregierung so schnell wie möglich die Mietpreisbremse beschließt. Und in Potsdam müssen ausreichend preiswerte Wohnungen errichtet werden.

Warum ist Potsdam so attraktiv?
Wir sagen immer im Spaß: Wenn schon Berlin, dann Potsdam. Die Potsdamer schätzen die landschaftliche Schönheit, die Infrastruktur, die Historie und Kunst, die gute Arbeitsplatzsituation und die vielen Wissenschaftseinrichtungen.

Das Gespräch führte Christian Hunziker.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben