Immobilien : Zur Hälfte kaufen, zur Hälfte mieten

Existenzgründer wollen Familien den Immobilienerwerb erleichtern

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Deutschland ist in Europa das Land mit der niedrigsten Wohneigentumsquote. Dabei wünschen sich Umfragen zufolge 90 Prozent der jüngeren Paare eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus. Doch für Menschen mit geringem Einkommen sowie Familien mit Kindern bleibt dies häufig nur ein Traum, denn es fehlt an Eigenkapital. Dieses Problem will die Ravensburger Yappadoo AG mit ihrem Ein-mal-Eins-Haus lösen.

Und das funktioniert so: Eine vierköpfige Familie nutzt zwei angrenzende, zusammengelegte Wohnungen, die eine mit zwei-, die andere mit drei Zimmern. Da das Geld knapp ist, erwirbt die Familie nur die günstigere Zweizimmer-Wohnung. Die angrenzende Drei-Raum-Immobilie mietet die Familie von einem Kapitalanleger. Der Mietvertrag läuft zehn Jahre. Später, wenn die beiden Kinder das Elternhaus verlassen, trennt der Verwalter die beiden Immobilien. Die Eltern behalten ihre Zwei-Zimmer-Wohnung, und der Kapitalanleger kann die Drei-Raum-Wohnung verkaufen.

Der Vorteil: Die Familie braucht weniger Eigenkapital und zahlt weniger Zinsen, weil sie ja nur eine Zwei-Zimmer-Wohnung finanziert. Sie erhält dennoch die staatlichen Eigenheim- und Kinderzulagen. Laut Peter Harald Stotz, Gründer der Yappadoo AG und Erfinder des Ein-mal-eins-Hauses, liegen die monatlichen Kosten 30 Prozent niedriger als beim Erwerb einer Fünf-Zimmer-Wohnung. Dadurch sei Wohneigentum schon für Haushalte mit einem Jahreseinkommen von 50000 Euro erschwinglich.

Steuervorteile locken

Auch der Kapitalanleger, also der Eigentümer der vermieteten Drei-Raum-Wohnung, profitiere. Er profitiere von Steuervorteilen, weil er Wohneigentum erwirbt und dieses vermietet. Außerdem sei die Gefahr, dass Mieteinnahmen ausfallen, durch den langjährigen Mietvertrag mit der Familie gering. Andererseits könne der Vermieter in dieser Zeit nicht kündigen und seine Wohnung selbst nutzen.

Das Konzept des Ein-mal-Eins-Hauses erhielt beim „Innovationswettbewerb Immobilien 2001“ in der Kategorie Finanzen und Marketing den ersten Preis. Eine Fachjury des Branchenblattes „Immobilienmanager“ sowie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vergibt diese Auszeichnung. Monatlich rund 40000 Besucher auf der Homepage „ www.yappadoo.de“ ; ermutigen die Unternehmer ebenfalls. Interessant sei die Innovation auch für die Bauwirtschaft. Die Branche komme trotz historisch niedriger Kreditzinsen – sie liegen anderthalb Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der neuziger Jahre - nicht aus ihrem Tief heraus. Das neue Geschäftskonzept verspreche Aufschwung. Stotz hat jedenfalls rechnete schon einmal hoch: Wenn 200000 Haushalte ein Ein-mal-Eins-Haus bestellen, dann winken der Bauwirtschaft Aufträge im Wert von rund 40 Milliarden Euro.

Derzeit sucht die Yappadoo AG Partner aus der Immobilienbranche, Bauträger und Makler, aber auch Banken sowie Investoren. Die Hilfe benötigt sie, um die Eigentumsmaßnahme bundesweit bekannt machen. „Unser Ziel ist es, ein umfassendes Partnernetz unter dem n Ein-mal-Eins-Haus Partnerring in Deutschland aufzubauen“, sagt Stotz. Die Yappadoo stelle den Mitgliedern des Partnernetzes ihre Organisationsform und ihr Know-how zur Verfügung.

Erste Erfolge hätten sie bereits erzielt, so die Unternehmensgründer: Die Dresdner Bank Bauspar AG sei unter anderem dem Netz beigetreten. Bis Ende dieses Jahres will Stotz die Zahl der Partner auf 500 ausbauen. Er hofft große, finanzkräftige Partner, wie beispielsweise die Hochtief AG, für sein Unternehmen zu gewinnen. Ein bundesweit tätiger Baukonzern sei am ehesten in der Lage, das Konzept überregional zu vertreiben.Meike Horn

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