Wirtschaft : In deutschen Firmen wächst die Kriminalität

Unternehmen erleiden jedes Jahr Milliardenschäden

Bernd Hops

Berlin - Die deutsche Wirtschaft leidet unter der Kriminalität in den Unternehmen. Jedes zweite große Unternehmen war in den vergangenen drei Jahren Opfer von Wirtschaftskriminalität. Das geht aus einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG, die am Dienstag veröffentlicht wurde, hervor. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen befürchten sogar, dass es in nächster Zeit noch schlimmer wird. Dabei geht das Bundeskriminalamt schon für 2005 von einem volkswirtschaftlichen Schaden durch Wirtschaftskriminalität von rund 4,2 Milliarden Euro aus.

Erstmals befragte KPMG für seine Studie, die seit 1997 zum fünften Mal durchgeführt wurde, nicht nur große Firmen mit mehr als einer halben Milliarde Umsatz, sondern auch kleinere und mittlere Unternehmen. Insgesamt wurden bei der Umfrage die Antworten von 420 Führungskräften ausgewertet.

Besonders häufig berichteten die Firmen von Diebstahl und Unterschlagung (82 Prozent). Bei jeder zweiten gab es Untreuefälle und bei 40 Prozent Betrügereien. Gefälschte Finanzinformationen, Korruption oder Verstöße gegen das Kartellrecht kamen laut der KPMG-Studie zwar seltener vor, verursachten aber dafür meist höhere Schäden. Die Wirtschaftskriminalität kostete die Firmen im Einzelfall sogar mehr als eine Milliarde Euro.

Obwohl das Problem nicht neu ist, tut sich die Wirtschaft trotzdem mit Gegenmaßnahmen schwer. Nur jeder fünfte Fall von Wirtschaftskriminalität wird nach Expertenschätzung aufgedeckt. Und fast 59 Prozent der Fälle, die ans Tageslicht gelangten, wurden zuletzt nur zufällig erkannt. Bei den KPMG-Studien von 2003 und 1999 lag die Quote noch bei 44 beziehungsweise 16 Prozent. Dieter John, KPMG-Partner und Leiter des Bereichs Forensic, sprach von einer dramatischen Tendenz. „Besondere Brisanz erhält diese Entwicklung dadurch, dass über 60 Prozent der Unternehmen angaben, erste Anzeichen für wirtschaftskriminelle Handlungen nicht erkannt zu haben.“

John forderte mehr Engagement von den Führungskräften. „Früherkennung und systematische Prävention müssen Chefsache werden.“ Nur 18 Prozent der Firmen schätzten ihre Kenntnisse von Wirtschaftskriminalität als gut ein. Auch große Unternehmen sind bisher kein gutes Vorbild – nur etwas mehr als ein Drittel trainiert Mitarbeiter darauf, gezielt auf Frühindikatoren zu achten.

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