Leitmarkt für Elektromobilität : Elektroautos: China überholt USA

Chinas Automarkt boomt. Längt hat das Land die USA als wichtigsten Elektroauto-Markt abgelöst. Deutsche Hersteller fahren bislang hinterher.

Daniel Mosler
Ein Elektroauto aus chinesischer Produktion in der Hauptstadt Peking.
Ein Elektroauto aus chinesischer Produktion in der Hauptstadt Peking.Foto: AFP

Der chinesische Automarkt wird nach Einschätzung des lokalen Branchenverbandes 2016 ähnlich stark wachsen wie in diesem Jahr. Analysten rechnen mit einem Absatzplus von rund 10 Prozent für das kommende Jahr. In den vergangenen elf Monaten war der Automarkt in China mit 9,7 Prozent ähnlich stark gestiegen. Andere Experten sind verhaltener und rechnen mit einem Plus von 8 Prozent. Sorgen macht vor allem die schwächelte Konjunktur des bevölkerungsreichsten Land der Erde: In den vergangenen Monaten hatte das chinesische Wachstum einen deutlichen Dämpfer einstecken müssen - insbesondere das Exportvolumen nahm deutlich ab. Im Sommer stagnierte der weltgrößte Automarkt, nachdem die Börsen in der Volksrepublik einbrachen und sich die dortige Wirtschaft weiter abkühlte. Wegen Steueranreizen der Regierung geht es aber seit Oktober wieder stark aufwärts. Im November betrug das Absatzplus laut Verbandsangaben fast 18 Prozent. Im vergangenen Jahr wurden in China fast 20 Millionen Autos verkauft.

Weltweit größter Elektromarkt

Der Verkauf von Elektroautos in China boomt. Mit geschätzten Verkaufszahlen von 220.000 bis 250.000 Elektro-Autos überhole die Volksrepublik den bisherigen Marktführer USA mit rund 180.000 verkauften Batteriefahrzeugen, teilte der Chinesische Verband der Autohersteller der Agentur Xinhua zufolge am Sonntag mit. Erste Schätzungen trauen dem chinesischen Markt 2016 Absatzzahlen von bis zu 600.000 Fahrzeugen zu. Grund für die steigenden Verkäufe sind Steuererleichterungen durch die chinesische Regierung. Immer mehr Chinesen sind mittlerweile finanziell dazu in der Lage, sich ein eigenes Auto zu leisten. Neben dem Verkauf von Elektroautos baut die chinesische Wirtschaft auch selbst immer mehr eigene Elektro-Modelle: Wurden 2012 rund 120.000 Fahrzeuge hergestellt, sollen 2016 bereits fast eine halbe Million Elektroautos vom Band laufen. Erst kürzlich kündige der US-Elektroautopionier Tesla an, ein eigenes Werk in China eröffnen zu wollen. Ziel sei die Reduzierung der Herstellungskosten, erklärte das Unternehmen. Im vergangenen Jahr lieferte Tesla über 3.000 Elektrofahrzeuge an chinesische Kunden.

Deutsche Hersteller außen vor

Deutsche Fahrzeughersteller fahren auf dem chinesischen Elektroautomarkt bisher nur hinterher. Unter den Top-10 Herstellern von Elektrofahrzeuge in China befinden sich nur heimische Hersteller. Der deutsche Konzern Daimler landete mit seinem chinesischen Kooperationspartner Denza gerade mal auf Platz 14 - mit gerade mal 1.301 verkaufen Exemplaren. Die Marke Zinoro, ein Jointventure von BMW und dem chinesischen Hersteller Brilliance, wird gar nicht erst im Ranking gelistet. Spitzenreiter ist der chinesische Hersteller BYD: Er verkaufte von seinem Modell Qin rund 28.365 Modelle.

Höchste Smog-Warnstufe ausgerufen

Die hohe Luftverschmutzung wird für den asiatischen Staat mehr und mehr zum Problem. Verursacher der hohen CO2-Konzentration in den Städten sind veraltete Kohlekraftwerke und der Verkehr. Tagtäglich stecken tausende Autos in chinesischen Großstädten in Staus fest. Für die Hauptstadt Peking rief die Regierung am vergangenen Freitag sogar die höchste Alarmstufe aus. Die Konzentration der für die Lunge schädlichen Feinstaubkonzentration lag mit 300 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft um ein Vielfaches höher als der Richtwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Entsprechend eines Kennzeichensystem soll nun die Anzahl der Autos auf Pekings Straßen um die Hälfte reduziert werden. China ist der weltweit größte Emittent von klimaschädlichen Gasen. Der asiatische Staat kündigte an, ab 2030 an seine CO2-Emmissionen nicht weiter steigen zu wollen.

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