Wirtschaft : Mehdorn bleibt bis 2011 Bahnchef Aufsichtsrat genehmigt millionenschwere Käufe

Bernd Hops

Berlin - Hartmut Mehdorn soll die Deutsche Bahn ins nächste Jahrzehnt führen. Der Aufsichtsrat des Konzerns stimmte am Mittwoch einer Verlängerung des Vertrags bis Mai 2011 zu, wie der Konzern in Berlin mitteilte. Werner Müller, der Vorsitzende des obersten Kontrollgremiums der Bahn AG, sagte zur Begründung, in einer Phase der teilweisen Privatisierung müsse „Kontinuität an der Führungsspitze“ gewahrt werden. Der Aufsichtsrat stimmte außerdem der Übernahme des größten britischen Schienengütertransporteurs EWS und der spanischen Transfesa zu. Details will die Bahn heute vorstellen.

Schon Anfang des Jahres machte sich Müller hinter den Kulissen für eine Verlängerung von Mehdorns Amtszeit stark. Der Manager stand bislang bis Mai 2008 unter Vertrag. Kommenden Juli wird er 65 – die konzernintern übliche Pensionsgrenze. Angestrebt wird aber, Anteile der Bahn, die heute zu 100 Prozent in Staatsbesitz ist, im zweiten Quartal 2008 an private Investoren zu verkaufen. Ein Chefwechsel zu dem Zeitpunkt hätte die Transaktion belastet.

Die beiden größten Eisenbahner-Gewerkschaften Transnet und GDBA begrüßten die Verlängerung, weil Mehdorn für den Konzern in seiner heutigen Form stehe. Die Arbeitnehmervertreter befürchten einen massiven Stellenabbau, sollte die Bahn aufgespalten werden.

Scharfe Kritik kam von der Union. „Dieser dreijährige Rentenvertrag für Hartmut Mehdorn ist angesichts von circa 20 Milliarden Euro Schulden, die er auf das Bundesunternehmen und damit letztlich in die Verantwortung und auf das Risiko des Bundes geladen hat, in der Tat erklärungsbedürftig“, sagte Dirk Fischer, Verkehrsexperte der Union. Offenbar sei eine für die große Koalition „pikante, gegebenenfalls sogar konfliktträchtige Personalie“ auf die Zeit nach der Bundestagswahl 2009 vertagt worden.

Ebenfalls am Mittwoch räumten Regierungsexperten weitere Probleme beim geplanten Gesetz zur Privatisierung aus, wie der Tagesspiegel aus Koalitionskreisen erfuhr. Auch künftig soll es zwischen der Bahn AG und den Infrastrukturtöchtern, die etwa das Schienennetz managen, Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge geben. Weiter offen ist aber, ob die Regelungen ausreichen, damit die Bahn das Netz – wie geplant – in der Bilanz behalten darf. Bernd Hops

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