Mercedes Sprinter : Abbau in Ludwigsfelde

Mercedes streicht nach dem Auslaufen des Vario-Modells 200 von 2000 Stellen im Brandenburger Transporter-Werk. Die Zukunft des Standortes ist ungewiss: Auch die Sprinter-Fertigung könnte abziehen.

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Neues Gesicht. Mercedes präsentierte kürzlich das überholte Sprinter-Modell.
Neues Gesicht. Mercedes präsentierte kürzlich das überholte Sprinter-Modell.Foto: dpa-tmn

Im Mercedes-Benz-Werk Ludwigsfelde werden bis Ende dieses Jahres 200 von knapp 2000 Arbeitsplätzen abgebaut. „Die Stellen verschwinden ersatzlos“, sagte der erste Bevollmächtigte der IG Metall Ludwigsfelde, Hermann von Schuckmann, dem Tagesspiegel. Grund für den Abbau: Im Sommer läuft die Produktion des Transporters Vario aus, für den es keinen Ersatz gibt. Betroffen sind 50 Leiharbeiter sowie 150 Angestellte.

Schuckmann zufolge soll auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden. „Die Verhandlungen über Aufhebungsverträge haben gerade begonnen“, sagte er. Bis zum 1. Oktober soll der Stellenabbau erfolgt sein. Unternehmen und Betriebsrat sowie die Landesregierung waren davon ausgegangen, dass am Standort Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) keine Arbeitsplätze verloren gehen und die Mitarbeiter aus der Vario- in die Sprinter- Produktion wechseln können.

Doch die Zukunft der Sprinter-Fertigung ist in Ludwigsfelde ebenfalls ungewiss. Mercedes produziert den großen Transporter auf den gleichen Bändern wie den fast identischen VW Crafter. Zwei Drittel der Jahresproduktion entfallen auf das Sprinter-Modell, das sich 2012 weltweit 159 000 Mal verkaufte. Die Kooperation läuft noch bis 2016, soll dann aber nach dem Willen von Volkswagen enden. Die Wolfsburger wollen ein eigenes Modell entwickeln und produzieren. Mercedes stellte vor wenigen Tagen eine erneuerte Version des Sprinters vor.

Belegschaft und Gewerkschaft in Ludwigsfelde fürchten, dass Daimler – trotz Dementi – die Produktion ab 2016 komplett in sein Düsseldorfer Werk verlagert, wo eine geschlossene Form des Fahrzeugs hergestellt wird. Noch verhandeln Daimler und VW. „Bis Ende des Jahres“, so heißt es bei Daimler, soll klar sein, was nach 2016 passiert.

In die Lücke, die Volkswagen reißt, könnte Renault springen. Der französische Autohersteller kooperiert bereits mit Daimler im Pkw- und Lieferwagensegment und zeigt Interesse auch an einer Kooperation in der Transporterproduktion. „Es gibt Sondierungsgespräche“, bestätigt ein Daimler-Sprecher. Volker Mornhinweg, verantwortlicher Manager für die Mercedes-Vans, brachte in der vergangenen Woche auch eine Dreierkonstellation mit Volkswagen ins Spiel. Man könne sich auch vorstellen, „das Ganze zu dritt zu machen“, sagte er. Gewerkschafter Schuckmann ist skeptisch: „Zukunftsplanung sieht anders aus.“

Eine engere Zusammenarbeit mit Renault ist Mitarbeitern und Kunden derzeit ohnehin schwer vermittelbar: Vor einer Woche musste Mercedes 3500 Citan in die Werkstatt zurückrufen, weil der mit dem Renault Kangoo fast baugleiche Stadtlieferwagen beim Crashtest miserabel abgeschnitten hatte. Ein ähnliches Debakel beim Erfolgsmodell Sprinter könne sich Mercedes nicht leisten, warnt IG-Metaller Schuckmann. „Es wäre grob fahrlässig, wenn Mercedes sein Transporter- Flaggschiff fremdfertigen lassen würde.“

Solange unklar bleibt, mit wem Daimler künftig beim Sprinter kooperiert, hoffen die Ludwigsfelder, dass der nächste Modellwechsel später als geplant erfolgt. Das würde die Fertigung in Brandenburg wohl sicherer machen. „Ich weiß vom Management, dass das nächste Sprinter-Modell nicht 2016, sondern erst 2018 kommen soll“, sagt Hermann von Schuckmann. Auch die Landesregierung in Potsdam geht davon aus, „dass das Werk bis 2018 ausgelastet sein wird“. Bei Daimler will man dies offiziell allerdings nicht bestätigen.

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