Mutige Anleger gesucht : Wohin mit dem billigen Geld

Betongold in Magdeburg, ein Wäldchen in den Tropen oder ein Konto in Bulgarien: Auch in Zeiten niedriger Zinsen lassen sich hohe Renditen erzielen. Doch die Risiken sind erheblich.

von
Ein Stück vom Wald. Der Holzmarkt ist vielfach noch auf Profis beschränkt.
Ein Stück vom Wald. Der Holzmarkt ist vielfach noch auf Profis beschränkt.Foto: dpa

1,4 Prozent Zinsen – mehr ist bei kurzfristig verfügbaren und sicheren Geldern nicht zu holen. Doch wer das Risiko liebt, kann mehr kassieren.

Möglichkeit Nummer eins: Immobilien im östlichen Teil der Republik und im Ruhrgebiet. Vor allem Städte aus der zweiten Reihe, aber mit mehr als 100 000 Einwohnern, locken mit sehr ansehnlichen Renditen. 9,9 Prozent warfen Wohnimmobilien in guten Lagen etwa in Magdeburg, Halle oder Chemnitz beziehungsweise in Herne, Recklinghausen oder Hagen ab – ein Trend, der sich fortsetzen könnte. Wer zusätzlich ein Währungsrisiko eingeht, konnte 2013 im Ausland von satten Mietsteigerungen profitieren – und zwar an unerwarteter Stelle: Gewerbeimmobilien am Londoner Flughafen Heathrow, im weißrussischen Minsk und im niederländischen Venlo verzeichnen Mietsteigerungen bis zu 20 Prozent – pro Jahr. Am meisten verdient man in der Immobilienbranche stets beim frühzeitigen Entdecken von Trends und Pionierzielen, so wie jener deutsche Bauunternehmer, der vor 20 Jahren im brasilianischen Bahia Land kaufte, für 10.000 Dollar je Küstenkilometer mit weißen Sandstränden. Heute steht dort ein Luxushotel neben dem anderen.

Möglichkeit Nummer zwei: Holz. Der NCREIF Timberland Property Index, der die Wertentwicklung von Millionen Hektar Forstflächen abbildet, wächst um mehr als zehn Prozent pro Jahr, mit einzelnen schwachen Jahren. Der Markt ist vielfach noch auf Profis beschränkt, vor allem Pensionsfonds, Stiftungen oder Versicherungen. Investieren können jedoch auch Privatanleger, entweder indirekt über Zertifikate und Fonds – oder direkt über Baumplantagen. Zwölf Prozent und mehr sollen pro Jahr drin sein, wenn man sein Geld in Hartgehölze und wertvolle Tropenbäume in Amerika und Asien anlegt. Aber: Auch hier darf nur investieren, wer nicht in Panik gerät, wenn es mal abwärts geht, wie 2011 mit 17 Prozent Minus.

Möglichkeit Nummer drei: Grenzmärkte. Wer sich traut, kauft Aktien aus Ländern, die (vielleicht) die Schwellenländer von morgen sein werden. Ghana, Kambodscha, Jamaika oder die Vereinigten Arabischen Emirate zählen dazu. Weil ein direktes Engagement für Privatanleger nahezu unmöglich ist, eignen sich Fonds oder ETF. Die erfolgreichsten unter ihnen sind seit Juni 2013 (in Dollar) um 30 Prozent gestiegen.

Möglichkeit Nummer vier: Ein Konto bei einer ausländischen Bank, die höhere Zinsen bietet. Da viele Länder die Eröffnung eines Kontos auf Kunden mit einem Erstwohnsitz dort beschränken, gibt es neuerdings einen Kontenvermittler. Via „Weltsparen“ können deutsche Kunden mit Festgeldkonten in Bulgarien oder Portugal (demnächst auch in Italien und Norwegen) bis zu 2,5 Prozent pro Jahr verdienen. Und: Das Geld ist bis 100.000 Euro per Einlagensicherung geschützt.

Generell gilt: Die Gesetze der Kapitalmathematik kann niemand aushebeln. Erheblich mehr Rendite gibt es nur für den, der auch bereit ist, erheblich höhere Risiken zu schultern.

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben