Wirtschaft : Post will Mini-Filialen schließen Supermärkte und mobile Mitarbeiter als Ersatz

Bernd Hops

Berlin - Die Deutsche Post will sich mittelfristig von ihren Kleinstfilialen trennen. Die Aufgaben sollen von Supermärkten oder auch mobilen Mitarbeitern übernommen werden. Betroffen von der Sparmaßnahme sind insbesondere ländliche Gebiete. Helmut Jurke, Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, sagte dem Tagesspiegel am Dienstag: „Die Post hat uns gegenüber erklärt, alle Kleinstfilialen umwandeln zu wollen. Wir rechnen damit, dass das bis Ende März 2005 geschehen wird.“ Insgesamt gehe es dabei um rund 1700 Filialen mit etwa 2800 Mitarbeitern. Postsprecher Jürgen Blohm wollte das nicht bestätigen. Bei den aktuell geplanten Maßnahmen gehe es „um einige hundert“ Geschäftsstellen, die durch Partnerfilialen ersetzt werden sollen. „Wie die Situation 2005 ist, wissen wir jetzt noch nicht.“

Die Deutsche Post hat noch etwas mehr als 13000 Filialen. Davon werden nach Konzernangaben noch 6000 unter Eigenregie betrieben. Rund 7000 Geschäftsstellen werden mittlerweile als Agentur etwa von Einzelhandelsgeschäften geführt. Hier liegt die Post zurzeit im heftigen Streit mit einer Reihe von Agenturbetreibern, weil der Konzern die Provisionen drückt. Die Post ist gesetzlich dazu verpflichtet, mindestens 12000 Filialen zu betreiben und ihre Grunddienstleistungen außerdem flächendeckend anzubieten.

Postchef Klaus Zumwinkel hat immer wieder angekündigt, das Filialnetz bis auf die Mindestzahl auszudünnen. Diese Pläne wurden jedoch zuletzt auf Eis gelegt. Trotzdem gehen die Überlegungen bei der Post weiter, wie das Netz effizienter geknüpft werden kann. Schließlich versucht Zumwinkel, den gesamten Konzern profitabler zu machen ( siehe Kasten ). Postsprecher Blohm sagte: „Bei den Filialen, über die jetzt geredet wird, ist ein Eigenbetrieb wirtschaftlich kaum noch zu rechtfertigen.“ Das Geschäftsstellennetz sei immer einem Wandel unterworfen. „Der Vertrieb geht dahin, wo die Kunden sind“, sagte Blohm.

Verdi-Sprecher Helmut Jurke sagte, die Post habe die Gewerkschaft gebeten, einen bereits abgeschlossenen Vertrag zu den Filialen zu verändern. Bisher gilt laut Jurke ein Vertrag aus dem Frühjahr 2003, in dem festgelegt ist, dass die Post Kleinstfilialen Zug um Zug in Agenturen umwandeln und außerdem ihr gesamtes Filialnetz im Januar 2006 in eine neue Tochtergesellschaft ausgliedern kann. Das Datum wolle die Post nun auf den 1. Januar 2005 vorverlegen. Darüber werde Verdi mit dem Konzern im August verhandeln, sagte Jurke.

Bei diesen Gesprächen wird es vor allem um die Mitarbeiterrechte gehen. Denn bis Frühjahr 2008 sind bei der Post betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Beschäftigten, deren Filialen geschlossen werden, muss daher ein anderer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werden. „Das ist aber nicht so einfach im ländlichen Raum“, sagte Jurke. Jetzt müsse genau geregelt werden, welche Bedingungen Mitarbeiter bei der Ersatzstelle akzeptieren müssen.

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