Wirtschaft : Riskante Spekulation mit Öl und Aktien

Analysten erwarten Herbstrallye, Kritiker den Crash

Bernd Hops

Berlin - An den Börsen und den Rohstoffmärkten regieren zurzeit die Finanzjongleure. Steigende Ölpreise und gleichzeitig steigende Kurse wecken Ängste vor einer neuen Spekulationsblase. In New York hat die Notierung für ein Barrel (159 Liter) Erdöl am Mittwoch die Marke von 52 Dollar überschritten, weil die neuesten US-Daten zu den Öl- und Treibstoffvorräten unter den Erwartungen geblieben sind. Vor allem von instituellen Anlegern wie Hedge Fonds wird weiterhin auf einen Versorgungsengpass in diesem Winter gesetzt. Der Dax und auch die US-Aktienmärkte, die seit Wochen parallel mit dem Ölpreis gestiegen sind, veränderten sich kaum.

Einige Analysten hoffen darauf, dass es zu einer Herbstrallye kommt. Der hohe Ölpreis sei schon bei den Aktienkursen enthalten, erklärt Matthias Engelmayer, Analyst bei Independent Research, die bisherige Ruhe an den Aktienmärkten. Deshalb könne man durchaus optimistisch sein. Vor allem seien gute Unternehmenszahlen, die es in den vergangenen Monaten gegeben habe, teilweise ohne Wirkung auf die Kurse geblieben.

Doch gibt es auch skeptische Stimmen, die darauf hinweisen, dass es noch lange nicht geklärt ist, ob der Aufschwung in den USA anhält. Mit Spannung werden die neuesten US-Arbeitsmarktzahlen erwartet, die am kommenden Freitag veröffentlicht werden.

Wenig Verständnis für Optimismus hat Hans Jakob, Leiter des Asset Managements beim Bankhaus Löbbecke. Er erwartet in den kommenden Monaten einen Einbruch bei den Aktienmärkten, eventuelle schon Ende Oktober. Der Grund: Die internationale Konjunkturlage sei schlechter als allgemein dargestellt. Die Erholung, die in den USA durch die Steuersenkungen und niedrige Zinsen ausgelöst wurde, sei nur ein Strohfeuer gewesen. Daneben habe es keine Verbesserung bei der staatlichen Verschuldungsquote, bei der Handelsbilanz und bei der Sparquote der privaten Haushalte gegeben.

Außerdem werde China „maßlos überschätzt“, sagte Jakob. Die Handelsbilanz sei durch die hohen Ölpreise ins Negative gedreht, die Auslastung in neu errichten Industrieanlagen sei teilweise sehr niedrig. Ein Erlahmen der chinesischen Wirtschaft dürfte Japan, aber auch Europa treffen. In der Folge erwartet Jakob, dass der Dax auf 3000, im schlechtesten Fall auf 2850 Punkte einbrechen wird. Darauf sollten sich die Anleger vorbereiten – und dann einsteigen.

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